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Politische Diskriminierung: Lucian Michaelis: Als „rechts“ geframt

Politische Diskriminierung: Lucian Michaelis: Als „rechts“ geframt

Politische Diskriminierung: Lucian Michaelis: Als „rechts“ geframt

Lucian Michaelis und Pfarrer Martin Michaelis
Lucian Michaelis und Pfarrer Martin Michaelis
Lucian und Vater Martin Michaelis: „Nun ist seine Entlassung gerichtlich besiegelt“ Foto: Privat & picture alliance/dpa, Sebastian Willnow
Politische Diskriminierung
 

Lucian Michaelis: Als „rechts“ geframt

Lucian Michaelis ist der Sohn des bekannten evangelischen Kirchen-Rebellen und sogenannten „AfD-Pfarrers“ Martin Michaelis. Nun wird er selbst zum Opfer der Repression.
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Es ist ein Gerichtsurteil, das eine wirtschaftliche Existenz zerstört hat. Ernüchterung setzte nach der mündlichen Verhandlung ein, als Lucian Michaelis, sein Anwalt sowie sein Vater – der aus den Medien bekannte Kirchen-Rebell Martin Michaelis – das Verwaltungsgericht Halle verließen.

Michaelis junior war Gewerbeoberinspektor im Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt. Kritik am Impfregime und die Teilnahme an mehreren Corona-Demonstrationen führten dazu, dass er 2024 aus der Behörde gedrängt wurde. Lange wehrte er sich dagegen, doch nun ist seine Entlassung gerichtlich besiegelt.

Entdeckt im hintersten Teil eines „Fackelmarsches“

Sprung zurück: Die Corona-Maßnahmen degradierten den autonomen Bürger zum Mündel und Herdentier. Wer nicht in den Chor der Impfbefürworter einstimmte, Maske und Lockdowns ablehnte oder den Zahlenzauber des RKI anzweifelte, wurde rasch als „rechts“ geframt. Dieses Verdikt ereilte auch den heute 35 Jahre alten, zweifachen Familienvater Michaelis, nachdem er im hintersten Teil des „Fackelaufmarschs“ (Spiegel) von Halberstadt im Februar 2022 gesehen worden war.

Auch seine Kritik an einem Briefbogen seiner Behörde, in dem standardmäßig eine Impfempfehlung ausgesprochen wurde, ließ seine Vorgesetzten aufhorchen. „Für mich persönlich kommt sowohl aus religiösen als auch aus medizinischen Gründen eine Impfung gegen das Coronavirus (…) nicht in Frage“, hatte er seinen Vorgesetzten mitgeteilt.

Schnell setzten Repressionen ein: Michaelis wurde mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe Arbeitszeitbetrug begangen, da er Fahrten von seinem „Homeoffice“ zur Dienstwagenstelle als Arbeitszeit verbucht hatte. Zudem sei seine Arbeitsleistung in weichen Kriterien wie Sozialverhalten und Kommunikation ungenügend. Dies lasse eine Übernahme in das Beamtenverhältnis nicht zu.

Eine kafkaeske Note erhielt die Verfolgung von Michaelis dadurch, dass die Justiz an Gerichten in Magdeburg und Halle ausgerechnet mit dem Kern der Vorwürfe gegen ihn aufräumte: Die Teilnahme an den Demonstrationen war auch unter Berücksichtigung des Mäßigungsgebots für Beamte nicht zu beanstanden. Gleichwohl stellten die Richter fest, dass sich Michaelis des Arbeitszeitbetrugs schuldig gemacht habe, obwohl seine Behörde das Verbuchen seiner Anfahrtszeit zuvor gebilligt hatte. Doch bei dienstlichen Beurteilungen habe der Dienstherr eben weiten Spielraum. Angebliche Bürgerbeschwerden gegen Michaelis legte die Behörde bis heute nicht vor – das interessierte das Gericht allerdings auch nicht.

Tiefe Verwurzelung im lutherischen Christentum

Michaelis zehrte in seinem Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen von einer tiefen Verwurzelung im lutherischen Christentum. Die Standhaftigkeit liegt in der Familie: Lucians Vater, der Quedlinburger Pfarrer Martin Michaelis, geriet erst in die Kritik der Medien, als er öffentlich die Corona-Politik kritisierte, dann wegen seiner Kandidatur für den Stadtrat als Parteiloser auf einer AfD-Liste in einen schweren Konflikt mit der evangelischen Kirche.

Aufgeschrieben hat der Vater die gegen ihn gerichtete politische „Mundtotmachung“, wie er sagt, 2025 in dem Sammland „Mut zum Widerspruch. Dissidenten der Alternativlosigkeit berichten“, gemeinsam mit Autoren wie etwa Daniele Ganser, Michael Meyen oder Ulrike Guérot. Man kann nicht umhin, im Handeln von Vater und Sohn genau diesen sowie das Wirken der Lehre Luthers wahrzunehmen: Allein die Gewissensentscheidung vermag Recht und Unrecht festzustellen.

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Christian Zeller ist promovierter Soziologe und Autor des Buches „Zerstörung der Meinungsfreiheit. Eine politische Zeitdiagnose“ (2024).

Aus der JF-Ausgabe 23/26

Lucian und Vater Martin Michaelis: „Nun ist seine Entlassung gerichtlich besiegelt“ Foto: Privat & picture alliance/dpa, Sebastian Willnow
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