BERLIN. Die AfD-Fraktion hat schwere Vorwürfe gegen die Organisation des Bundestags-Planspiels „Jugend und Parlament“ erhoben. Mehrere von der AfD nominierte Teilnehmer berichteten demnach von Beschimpfungen, Ausgrenzung und Mobbing während der Veranstaltung im Deutschen Bundestag.
Die Fraktion zeigte sich „äußerst besorgt“ über die Ereignisse während des Planspiels. Jugendliche, die von der AfD nominiert worden waren, seien nach Angaben der Fraktion unter anderem als „Nazi“, „AfD-Nazi“, „AfD-Hure“, „Scheiß-Faschisten“, „Bastard“, „Nazischlampe“ und „AfD-Hurensohn“ beschimpft worden.
„Awareness-Teams“ sollen weggeschaut haben
Trotz Beschwerden bei den sogenannten Awareness-Teams des Parlaments seien diese Beschimpfungen nach Darstellung der AfD nicht geahndet oder unterbunden worden. Das sei gegenüber den betroffenen Jugendlichen „unverantwortlich“, teilte die Fraktion mit. Den Teilnehmern seien die Anfeindungen, denen sie im Bundestag ausgesetzt gewesen seien, „sehr nahe gegangen“.
Die AfD wirft den Verantwortlichen zudem vor, ihren Teilnehmern sei systematisch verweigert worden, während des Planspiels Reden zu halten oder Ämter zu übernehmen. Dadurch sei die Zielsetzung der Veranstaltung, Jugendlichen die Arbeitsweise des Bundestages als „Herzkammer der parlamentarischen Demokratie“ zu vermitteln, „ad absurdum geführt“ worden.
Die Fraktion fordert nun eine lückenlose Aufarbeitung durch die Bundestagsverwaltung. Künftig müsse sichergestellt werden, dass Teilnehmer nicht beschimpft, ausgegrenzt oder gemobbt würden und alle Jugendlichen unabhängig von ihrer politischen Herkunft die Möglichkeit hätten, aktiv an dem Planspiel teilzunehmen.

Wurde Mädchen verprügelt?
Auch AfD-Chefin Alice Weidel hatte Vorwürfe erheben. Sie sprach von „Ungeheuerlichkeiten“, die ihr andere Jugendliche berichtet hätten. Ein Mädchen sei wegen Nazi-Vorwürfen mutmaßlich von „politischen Mitbewerbern“ verprügelt worden.
Weidel kündigte an, dem „mit juristischen und mit parlamentarischen Mitteln“ nachzugehen. Ein Sprecher des Bundestags teilte der JF mit, zu dem von Weidel geschilderten Angriff lägen „der Bundestagsverwaltung aktuell keine Erkenntnisse vor“.
Zuvor war bekanntgeworden, dass ein von der AfD nominierter Jugendlicher eine als „White-Power“-Zeichen interpretierte Geste gezeigt hatte. Der JF liegt ein Foto davon vor. „Dazu kann ich Ihnen bestätigen, dass ein Teilnehmender des Planspiels Jugend und Parlament das White-Power-Zeichen gezeigt hat. Der betroffene Jugendliche“ sei daraufhin am Dienstagmorgen „vom Planspiel ausgeschlossen“ worden, bestätigte ein Sprecher des Bundestages gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. (rr)





