BERLIN. Die veranschlagten Kosten für acht neue Flugabwehr-Fregatten der Klasse F127 haben sich nach aktuellen Schätzungen von 26 auf mehr als 40 Milliarden Euro erhöht. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf Regierungskreise. Jedes Schiff würde den Bund damit mehr als fünf Milliarden Euro kosten. Im Verteidigungsministerium von Boris Pistorius (SPD) werde das Vorhaben inzwischen „intensiv betrachtet“, heißt es in dem Bericht.
Auch unter den Haushaltspolitikern der schwarz-roten Koalition gebe es Zweifel, ob das Projekt in seiner jetzigen Form noch verwirklicht werden kann. Bislang wurden lediglich Vorverträge mit dem Schiffbauer TKMS und der zur Rheinmetall-Gruppe gehörenden NVL geschlossen.
Das Ministerium wollte die neue Kostenschätzung nicht bestätigen. Der Finanzbedarf umfasse neben dem deutschen Schiffbauvertrag auch Waffensysteme, die über das amerikanische Foreign-Military-Sales-Verfahren beschafft werden, sowie weitere vom Bund bereitgestellte Ausrüstung. Da weder für den Bau noch für Teile der US-Technik verbindliche Angebote vorlägen, sei derzeit keine belastbare Preisangabe möglich.
US-Systeme kosten Milliarden
Als größter Preistreiber gilt das amerikanische Aegis-System. Dabei handelt es sich nicht um eine einzelne Waffe, sondern um einen Verbund aus Radaranlagen, Rechnern, Feuerleitsystemen und Raketenstartern. Die F127 soll damit Flugzeuge, Drohnen, Marschflugkörper sowie ballistische und möglicherweise auch Hyperschallraketen abfangen können.
Die US-Regierung hat im April den möglichen Verkauf von acht vollständigen Aegis-Ausrüstungssätzen an Deutschland genehmigt. Zum Paket im geschätzten Höchstwert von 11,9 Milliarden Dollar gehören unter anderem SPY-6-Radare und Senkrechtstarter des Typs Mk 41. Für die dazugehörige Bewaffnung hatte Washington bereits zuvor bis zu 173 SM-6- und 577 SM-2-Flugkörper im Wert von weiteren 3,5 Milliarden Dollar freigegeben.
Bei beiden Summen handelt es sich um mögliche Höchstwerte und noch nicht um abgeschlossene Kaufverträge. Sie zeigen jedoch, welchen Anteil die amerikanische Technik am Gesamtpreis einnehmen könnte. Mit voraussichtlich 96 Raketenstartzellen und einer Verdrängung von rund 12.000 Tonnen wären die F127 zudem eher mit Zerstörern als mit klassischen Fregatten vergleichbar.
Pistorius stoppte bereits die F126
Die neuen Schiffe sollen ab Mitte der dreißiger Jahre die drei Flugabwehr-Fregatten der Sachsen-Klasse ersetzen und die deutsche Marine erstmals zur Abwehr ballistischer Raketen befähigen. Ursprünglich waren sechs Einheiten vorgesehen, später erhöhte die Bundeswehr den Bedarf auf acht.
Erst im Juni hatte Pistorius das ebenfalls aus dem Ruder gelaufene Fregattenprojekt F126 beendet. Die erwarteten Kosten für sechs Schiffe waren auf rund 18 Milliarden Euro gestiegen, obwohl bereits etwa 2,3 Milliarden Euro in das Vorhaben geflossen waren. Stattdessen will das Ministerium acht kleinere Fregatten vom Typ MEKO A-200 beschaffen.
Pistorius begründete den Abbruch damals mit den Worten: „Lieber ein hartes Ende als eine dauerhafte Hängepartie.“ Ob dieser Grundsatz nun auch für die F127 gelten könnte, ließ sein Ministerium offen. (rr)






