BERLIN. Hacker haben fast 1,44 Millionen Dateien aus dem Berliner Landesnetz im Darknet veröffentlicht. Darunter befinden sich geheime Unterlagen für den Verteidigungsfall, Informationen über kritische Infrastruktur und Angaben zu besonders gefährdeten Rüstungsunternehmen (die JF berichtete). Besonders belastend für den schwarz-roten Senat ist ein interner Vermerk aus dem Februar.
Darin hielten Beamte der Bau- und Verkehrsverwaltung fest: „Kein digitaler Geheimschutz (im strengen Sinne) in der Berliner öffentlichen Verwaltung möglich.“
Dennoch wurden entsprechende Verschlusssachen offenbar weiter in den betroffenen Systemen gespeichert. Die Hackergruppe Rhysida hatte nach eigenen Angaben mehrere Tage lang unbemerkt Zugriff auf die Netze der Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr. Nachdem Berlin die Zahlung von 30 Bitcoin – rund zwei Millionen Euro – verweigert hatte, stellte die Gruppe 5,26 Terabyte Daten zum Herunterladen bereit.
Berlin hat einen IT-Selbstbedienungsladen. Der Hackerangriff dürfte für den Senat der Super-GAU sein. pic.twitter.com/BD2IRlahdv
— Andreas Kopietz (@KopietzAndreas) September 4, 2026
Verteidigungspläne landen im Darknet
Nach Recherchen des Tagesspiegels befinden sich darunter Listen mit Anlagen und Einrichtungen, die im Spannungs- oder Verteidigungsfall besonders geschützt werden müssen. Genannt werden unter anderem Kraftwerke, Tanklager, Umspannwerke und Notstromanlagen. Auch Unterlagen der Bundeswehr und der Berliner Innenverwaltung zum „Operationsplan Deutschland“ wurden veröffentlicht.
Das Material beschreibt dem Bericht zufolge zudem, welche Folgen der Ausfall bestimmter Anlagen für den Bundestag, die Polizei, Haftanstalten und Krankenhäuser hätte. Hinzu kommen Dokumente zur Wasserversorgung und ein Entwurf des als geheim eingestuften Leitfadens „Zivile Verteidigung im Land Berlin“ vom August 2025.
Besonders heikel sind Angaben zu gefährdeten Rüstungsunternehmen. Die Dateien enthalten laut Bericht unter anderem Betriebszeiten, Informationen über vorhandenen Wachschutz und Kontaktdaten von Notfallverantwortlichen. Auch Katastrophenschutzbeauftragte anderer Bundesländer und des Bundes sind betroffen.
Wegners Entwarnung bricht zusammen
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte noch am 19. August erklärt, es seien keine sensiblen Daten abgeflossen. Diese Darstellung ist nicht mehr zu halten. Neben den Verteidigungsunterlagen wurden Tausende Personalakten, Gehaltsabrechnungen, Disziplinarverfahren und Dateien mit Zugangsdaten erbeutet. In Dokumenten waren Passwörter teilweise unverschlüsselt gespeichert.
Unfassbar dass dieser Vollversager Kai Wegner noch immer im Amt ist. Mehrfach öffentlich gelogen, Tennis spielen währen Blackout und jetzt das noch gar nicht absehbare Ausmaß des Datenleaks mit Daten der Berliner Bürger.
— Henning Hoffgaard (@HenHoffgaard) September 4, 2026
Die Senatskanzlei stuft die veröffentlichten Verteidigungsunterlagen zwar als „höchst sensibel“, nach Rücksprache mit Bundesbehörden jedoch nicht als sicherheitskritisch ein. Zugleich hatte die Verwaltung selbst festgehalten, dass sie digitale Verschlusssachen nicht ausreichend schützen kann. Warum die Unterlagen trotzdem in den betroffenen Systemen lagen und wer dafür die Verantwortung trägt, ließ der Senat bisher offen. (rr)






