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Niedrige Wohneigentumsquote: Deutschland wird zur Mieterrepublik

Niedrige Wohneigentumsquote: Deutschland wird zur Mieterrepublik

Niedrige Wohneigentumsquote: Deutschland wird zur Mieterrepublik

Immer mehr Deutsche sind Mieter und stecken in entsprechenden Verträgen drin (Symbolbild).
Immer mehr Deutsche sind Mieter und stecken in entsprechenden Verträgen drin (Symbolbild).
Immer mehr Deutsche sind Mieter und stecken in entsprechenden Verträgen drin (Symbolbild). Foto: picture alliance / Zoonar | Markus Grummt
Niedrige Wohneigentumsquote
 

Deutschland wird zur Mieterrepublik

Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist derzeit so niedrig wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Mehr als die Hälfte der Deutschen lebt als Mieter. Die Ursachen dafür liegen nicht zuletzt in den explodierenden Baukosten. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit.
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Deutschland einig Mieterland. Immer weniger Bundesbürger leben in den eigenen vier Wänden. Wie das Pestel-Institut berechnet hat, ist die Wohneigentumsquote hierzulande 2025 auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren gefallen. Demnach lebten im vergangenen Jahr nur noch 43,5 Prozent der Haushalte in Deutschland im Eigenheim.

Besonders bei jungen Leuten ist die Wohneigentumsquote niedrig. Fast drei Viertel der 25- bis 45jährigen wohnten 2025 demnach zur Miete. Auch andere, etwas ältere Erhebungen bestätigen dies. Nach der Vermögensbefragung der Bundesbank besaßen im Jahr 2023 unter den Haushalten unter 35 Jahren gerade einmal sieben Prozent die Wohnung, in der sie leben.

Im europäischen Vergleich steht Deutschland mit Blick auf die Wohneigentumsquote als Schlusslicht da. Exakte Daten für 2025 stehen zwar noch nicht zur Verfügung, dafür jedoch für das vorherige Jahr. Nach den Eurostat-Daten lebten in der EU im Jahr 2024 rund 68 Prozent der Menschen in einem Eigentümerhaushalt. In Rumänien waren es mit 94 Prozent am meisten, gefolgt von der Slowakei mit 93 Prozent und Ungarn mit 92 Prozent. Polen kam auf rund 87 Prozent, Italien auf rund 76 Prozent und Spanien auf 74 Prozent.

Selbst Frankreich, ebenfalls ein Land mit starkem Mietsektor, lag bei einer Wohneigentumsquote von 61 Prozent. Deutschland wies laut Eurostat 47 Prozent auf und war damit bereits 2024 das einzige EU-Land, in dem die Mieter die prozentuale Mehrheit stellten, bevor die Wohneigentumsquote im folgenden Jahr weiter einbrach.

Hausbau wird teurer

Die Gründe dafür, dass die Eigentumsquote in Deutschland inzwischen so niedrig ist, liegen nicht zuletzt auf der Kostenseite. Pestel-Institutsleiter Matthias Günther erklärte im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen, dass in erster Linie hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und die Wohnungsbaupolitik der vergangenen Jahre dazu beitragen, dass die Wohneigentumsquote inzwischen so niedrig ist.

Wie eine Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) zeigt, sind die Kosten für Typengebäude im Mehrfamilienhausbau in deutschen Großstädten zuletzt deutlich gestiegen. In Wachstumsregionen und Ballungsgebieten lagen die reinen Baukosten – also ohne Grundstücks- und Finanzierungskosten – im Jahr 2010 im Median noch bei 2.182 Euro je Quadratmeter. Bis zum ersten Quartal 2020, also noch vor Beginn der Corona-Pandemie, erhöhten sie sich auf 3.028 Euro je Quadratmeter. Im vierten Quartal 2025 lagen sie bereits bei 4.631 Euro. Damit sind die Kosten innerhalb von rund fünf Jahren um 53 Prozent gestiegen. Gegenüber 2010 ergab sich bis zum vierten Quartal vergangenen Jahres sogar eine Verdopplung der Kosten.

Auch bei der Finanzierung sprechen die Zahlen eine klare Sprache. Zehnjährige Baukredite liegen im September 2026 bei rund vier Prozent Zins. 2021 waren es weniger als ein Prozent, zeitweise sogar nur rund 0,5 Prozent. Interhyp-Chef Jörg Utecht sprach zuletzt im Rahmen einer Stellungnahme von einer „neuen Realität“, auf die sich Käufer nun einstellen müssten.

Mieter zahlen bis ans Lebensende

Mit Blick auf die Baupolitik der vergangenen Jahre bemängelt Matthias Günther vom Pestel-Institut vor allem die Abschaffung wirksamer bundesweiter Eigentumsförderungen. Als Beispiel nannte der Immobilienexperte die Streichung des Baukindergelds 2021. Hinzu kommt, dass die Zahl der Neubauten immer weiter stagniert. 2025 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das entspricht 18 Prozent weniger als im Vorjahr und dem niedrigsten Wert seit 2012.

Die Folge des stagnierenden Neubaus ist ein gewaltiger Wohnraummangel. Wie dieser wiederum dazu beiträgt, dass die Wohneigentumsquote niedrig bleibt, ist relativ einfach erklärt. Das Angebot stagniert, während die Nachfrage, unter anderem durch die anhaltend starke Migration, hoch bleibt. Dies führt zu steigenden Preisen und einem erschwerten Zugang zu Wohnraum. Sowohl für Mieter als auch für Käufer.

Die niedrige Eigentumsquote hat gravierende Folgen. So bremst sie etwa den Vermögensaufbau der deutschen Bürger aus. Selbstgenutztes Wohneigentum ist für die meisten Haushalte die wichtigste Form langfristigen Sparens. Denn wer eine Immobilie kauft, baut mit jeder Rate einen Vermögenswert auf, den er im Alter besitzt. Wer mietet, zahlt Monat für Monat, ohne dass etwas zurückbleibt. Hinzu kommt: Eigentümer wohnen nach Ende der Tilgung nahezu kostenfrei, Mieter zahlen weiter und weiter. Bis ans Lebensende.

Mieter haben Mühe, Geld zu sparen

Mieter können letztlich zwar über andere Sparformen wie Aktien, Rohstoffe, Kryptowährungen und Co. fürs Alter vorsorgen. Das ist jedoch keineswegs einfach. Neben den hohen Mieten und Lebenshaltungskosten bleibt für viele Mieter am Ende des Monats kaum noch Geld übrig, das zur Seite gelegt werden kann.


2025 mussten laut Mieterbund 11,2 Prozent der deutschen Bevölkerung mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufbringen. Damit liegt Deutschland EU-weit auf Platz drei hinter Griechenland und Dänemark, wo der Anteil noch höher ist. Der Durchschnittswert in der EU lag im vergangenen Jahr bei 7,7 Prozent.

Wie wenig der durchschnittliche Deutsche am Ende des Monats konkret zur Seite legen kann, zeigt eine Destatis-Erhebung. Demnach sparten die privaten Haushalte in Deutschland im ersten Halbjahr 2025 im Durchschnitt 10,3 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Das entspricht knapp 270 Euro je Einwohner und Monat. Anzumerken ist jedoch, dass es sich dabei um einen rechnerischen Durchschnitt handelt. Je nach Einkommen sparen Haushalte unterschiedlich viel.

Immer mehr Deutsche sind Mieter und stecken in entsprechenden Verträgen drin (Symbolbild). Foto: picture alliance / Zoonar | Markus Grummt
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