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Poschardts „Bückbürgertum“: Mit Vollgas in den Kulturkampf

Poschardts „Bückbürgertum“: Mit Vollgas in den Kulturkampf

Poschardts „Bückbürgertum“: Mit Vollgas in den Kulturkampf

Kultur. Ex-Welt-Herausgeber Ulf Poschardt: Räumt inzwischen Fehler ein. Foto: JF (KI-generiert)
Kultur. Ex-Welt-Herausgeber Ulf Poschardt: Räumt inzwischen Fehler ein. Foto: JF (KI-generiert)
Ex-Welt-Herausgeber Ulf Poschardt: Räumt inzwischen Fehler ein. Foto: JF (KI-generiert)
Poschardts „Bückbürgertum“
 

Mit Vollgas in den Kulturkampf

Wie auf Befehl schmeißt das Hotel Bayerischer Hof prominente Libertäre raus. Der Fall zeigt, wie treffend Ulf Poschardts Diagnose des bundesdeutschen Bückbürgertums wirklich ist. Ein Kommentar von JF-Chefredakteur Dieter Stein.
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Das altehrwürdige Hotel Bayerischer Hof in München ist vor einer linken Medienkampagne in die Knie gegangen. In der vergangenen Woche erklärten die Hotelmanager, dem libertären Ludwig von Mises Institut künftig keine Räume mehr für Tagungen zu vermieten (JF berichtete). Seit 2013 führte das Institut seine Jahrestagungen hier durch. Unterwürfig verkündete das Hotel, es stehe für „Weltoffenheit, Toleranz, Vielfalt sowie die Grundwerte einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft“, weshalb dieser Schritt nunmehr fällig gewesen sei.

Das feige Einknicken des Hotels in einem CSU-regierten Land, das einst viel auf seine Liberalitas Bavariae hielt, ist nur ein frisches Beispiel für das Phänomen des sich permanent freiwillig unterwerfenden „Bückbürgertums“, dem der Publizist Ulf Poschardt sein aktuelles Buch gewidmet hat.

Poschardt rechnet hier erbarmungslos mit einem Milieu ab, dem er selbst entstammt. Dabei setzt er sich selbst auf die Anklagebank, zerlegt in einem eigenen Kapitel den „gebückten Poschardt“ und verschweigt seine Elogen auf Angela Merkel im Jahr der Grenzöffnung 2015 nicht. Da er weiter für die Welt arbeitet, überrascht es wenig, wenn seine Aufarbeitung eher homöopathisch ausfällt zur Frage, wie der Springer-Verlag schon vor Jahrzehnten seine Konturen im politisch-korrekten Windkanal opferte.

Poschardt ist ein Beispiel, wie sich der Wind gedreht hat

Opportunismus beschreibt Poschardt als „die unsichtbare Religion des Bückbürgers“. Wobei Opportunismus nie vergehen wird, weil er eine anthropologische Konstante, ein Instinkt des Überlebens ist. Noelle-Neumann hat diesen Drang in ihrer Theorie der „Schweigespirale“ analysiert, wonach sich die meisten aus Angst vor sozialer Isolation anpassen und es vor allem „Avantgardisten und Außenseitern“ gegeben sei, diese „Isolationsfurcht“ zu überwinden.

Was bedeutet nun Poschardts phänomenale Kehrtwende? Sagt das vielleicht weniger über ihn aus als mehr über die Zeit, in der wir uns bewegen? Mit vielen seiner Texte befand er sich schließlich mit durchgedrücktem Gaspedal an der Spitze des Zeitgeistes. Er hat ein Gespür für gesellschaftliche Trends. Anderes als die Poleposition kommt für den leidenschaftlichen Fahrer schneller Sportwagen kaum in Frage.

Wenn er nun also mit Vollgas den linksgrünen Kulturkampf auf die Hörner nimmt, dann könnte dies ein Beleg dafür sein, wie sehr sich der Wind längst gedreht hat. Seine ätzende Kritik an von „Aggressionshemmung“ und „Konfliktvermeidung“ leidgeplagten „Bückboomern“, die der steuerfinanzierten „Moralbewirtschaftung“ des linken NGO-Komplexes nichts entgegensetzen, legt den Finger jedenfalls in die Wunde. Der Kulturkampf ist trotz Rekordwerten für die AfD und einer wachsenden neuen Medienszene nicht entschieden. Die Entscheidung fällt in der Mitte, das zeigt Poschardt.

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Aus der JF-Ausgabe 36/26.

Ex-Welt-Herausgeber Ulf Poschardt: Räumt inzwischen Fehler ein. Foto: JF (KI-generiert)
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