MÜNCHEN. Unbekannte haben in der Nacht auf Donnerstag mehrere Brandsätze auf das Gelände des Technologie- und Rüstungskonzerns Rohde & Schwarz im Münchner Stadtteil Berg am Laim geworfen. Zwei der drei Vorrichtungen gingen in der Nähe von Baucontainern vor der Firmenzentrale in Flammen auf. Einen dritten Brandsatz entschärften Spezialkräfte des Bayerischen Landeskriminalamts. Der Sicherheitsdienst des Unternehmens löschte das Feuer, wie die Bild-Zeitung berichtet.
Ein Zeuge soll beobachtet haben, wie aus einem Fahrzeug heraus mehrere Brandsätze geworfen wurden, woraufhin er gegen Mitternacht die Polizei alarmierte. Die Einsatzkräfte sperrten das Areal weiträumig ab.
Zwei Bulgaren an Tankstelle festgenommen
Kurze Zeit später nahm die Polizei an einer Tankstelle am Innsbrucker Ring eine 28jährige Frau und einen 38jährigen Mann mit bulgarischer Staatsangehörigkeit fest, die nun vernommen werden. Inzwischen prüft das Landeskriminalamt auch einen politischen Hintergrund und geht von einem Anschlagsversuch aus.
Rohde & Schwarz fertigt unter anderem abhörsichere Funk- und Kommunikationssysteme für die Bundeswehr. Auf der Baustelle am Stammsitz entsteht zurzeit ein Büro- und Campuskomplex mit einem 65 Meter hohen Turm. Ältere Gebäude weichen gerade dem Neubau. Laut dem Unternehmen soll damit ein Bekenntnis zum Standort München abgegeben werden.
Der mutmaßliche Anschlag ist nicht der erste im Zusammenhang mit der Firma. Bereits im Jahr 2021 hatten sich Unbekannte an einer Stromleitung zu schaffen gemacht, die in einer Baugrube im Umfeld von Rohde & Schwarz gelegen haben soll. In einem Selbstbezichtigungsschreiben schrieben die bis heute unbekannten Täter, der Anschlag habe dem „Rüstungskonzern“ gegolten. Bei der Sabotageaktion kam es zu einem Stromausfall, der 20.000 Haushalte in München betraf.
Anschläge auf kritische Infrastruktur
Die Brandnacht in München folgt zwei Anschlägen auf zentrale Punkte der Stromversorgung. In Brandenburg waren mehr als 20 selbst gebaute Raketen für einen Angriff auf ein Umspannwerk in Turnow-Preilack vorbereitet. Sie sollten Kupferdrähte in Hochspannungsleitungen schießen und Kurzschlüsse auslösen (JF berichtete). Das benachbarte Braunkohlekraftwerk Jänschwalde fuhr sicherheitsbedingt vorübergehend einen Block herunter. Dort ermittelt die Polizei unter anderem wegen Terrorverdachts gegen bislang noch unbekannte Täter.
Bei Bergheim nahe Köln hatten Anwohner zudem Blitze und Explosionen an einem Umspannwerk gemeldet. Auch dort fanden die Beamten Abschussvorrichtungen. Ob die Taten zusammenhängen, ist nach wie vor ungeklärt. (rsz)






