Er ist einer der großen deutschen Youtuber mit weltweiter Reichweite und er beschreibt sich als Sammler von Erfahrungen – doch in Deutschland hat Matthias K. (voller Nachname unbekannt) offenbar genug davon. Seit fast zehn Jahren erzählt er auf seinem englischsprachigen Kanal „Radical Living“ einem internationalen Publikum satirisch vom Leben hierzulande – beziehungsweise den hippen In-Bezirken Berlins: vom „radikalen Leben“ in Europas Partymetropole mit ihrem links-alternativen Lebensstil zwischen Kreuzberg, Friedrichshain und Prenzlauer Berg.
Doch ausgerechnet er hat nun genug von der Verwahrlosung, die mit all dem einhergeht und kehrt seiner Heimat den Rücken. In seinem Abschiedsvideo auf X mit mehr als acht Millionen Klicks (sowie weiteren zwei Millionen auf Youtube) rechnet K. gnadenlos mit Deutschland ab, bezeichnet es als „sinkendes Schiff“. Allgemein werde der Westen „in den nächsten zehn Jahren ein ziemlich hässlicher Ort zum Leben sein“. Verbotsphantasien gegen die AfD etwa „klingen nicht wirklich demokratisch“, es fehle an Diskurs. „Vor fünf Jahren war das nur in autoritären Ländern in Afrika oder Asien denkbar“, klagt er. Die Gesellschaft spalte sich, Radikalisierung nehme zu und werde insbesondere von linken Kräften gutgeheißen.
Eigentlich würde man Matthias K. der Linken zurechnen
Es ist ein unerwarteter Rundumschlag, zu dem der Youtuber ausholt, den man aufgrund seines Aussehens und Lebensstils eigentlich der urbanen Linken zurechnen würde. Doch nicht böse Kapitalisten, sondern Rezession, Energiekosten, Steuerverschwendung, das marode Rentensystem und innere Sicherheit treffen seine Kritik. Schuld gibt er der Politik, die zur Idiokratie verkommen sei. „Deutschland ist eigentlich keine Demokratie mehr.“
Ungewöhnlich harte und düstere Töne für einen Komiker. Der Plusdreißiger wurde durch lustige Videos wie „1 Tag vs. 10 Jahre in Deutschland“, „Wie man in 30 Sekunden ein Berliner wird“ oder auch „Wenn Deutsche Japan besuchen“ bekannt. Der studierte Biologe arbeitete zunächst in einem Biotech- Startup. 2013 ging K. für drei Jahre nach Bali, wo sein Bruder lebte. Dort drehte er sein erstes Youtube-Video. Der Kanal „Radical Living“, der heute über zwei Millionen Abonnenten hat, entstand aus der Lust am ungeschönten Blick auf fremde Kulturen und das eigene Land. Schnell entwickelte der Satiriker seinen Stil: seichte Gesellschaftskritik, sympathisch verpackt durch Alltagsbeobachtungen, die jeder kennt.
Unbegreiflich, dass Deutschland so ruiniert werden kann
Aber auch deutsche Parteien nahm K. aufs Korn, persiflierte sie, indem er die radikalsten Vorurteile nacherzählte. Doch mit seiner comedyhaften Übertreibung eckte er nie an. Seine Videos genießen bei Ausländern und Deutschen gleichermaßen große Beliebtheit. Aber die Realität holte ihn ein. Den Firmensitz verlegte er wohl aufgrund deutscher Bürokratie und Steuern nach Zypern. Für ihn ist „unbegreiflich, dass Deutschland mit (seinen) fleißigen Bürgern so ruiniert werden kann“. Er wolle „nicht in einem Land leben, in dem Faulheit belohnt, harte Arbeit bestraft wird.“
Auch die Kinderunfreundlichkeit hierzulande kritisiert der Vater, sowie die Unsicherheit für Frauen: „Ihr kennt alle die Gründe, ich muss es nicht aussprechen“, deutet K. an. Seine neue Heimat: Japan. Denn das biete alles, was Deutschland einst auszeichnete: Sicherheit, Respekt vor Leistung, Familie und Werten. Genug, um glücklich zu werden.






