So, liebe Leser, mein Optimismus kehrt zurück. Ein paar Mal musste ich drüber schlafen, aber nun sieht meine Welt(meisterschaft) wieder ganz anders aus. Denn Paraguay dürfte heute Nacht für unsere Nationalmannschaft keine allzu hohe Hürde sein. Vor der WM stand das Land auf Platz 41 der Fifa-Weltrangliste. In ihrer Vorrunden-Gruppe sind die Lateinamerikaner Dritter geworden – hinter Australien und den USA. Das sind nun wahrlich keine Fußball-Großmächte. Der einzige Sieg gelang gegen den Tabellenletzten Türkei, und dieses 1:0 in San Francisco kam mehr als glücklich zustande: 0:12 Ecken, 7:32 Torschüsse.
In der Südamerika-Qualifikation für die WM wurde Paraguay lediglich Sechster und sicherte sich damit als letztes Land des Kontinentes das Turnier-Ticket. Sieben Siege aus 18 Spielen sind nun wirklich keine überragende Visitenkarte. Also: Wer jetzt Angst vor diesem Gegner hat, traut der deutschen Mannschaft wirklich gar nichts mehr zu. Alles andere als ein Sieg nach 90 Minuten wäre eine riesige Überraschung.
Jetzt dürfen wir – anders als bei der Vorrunden-Auslosung – wirklich mal von Glück sprechen, wenn wenn wir, dass Holland im Sechzehntelfinale gegen Marokko ran muss, Japan gegen Brasilien, Belgien gegen den sportlichen Afrika-Cup-Sieger Senegal oder Portugal gegen Kroatien.
Paraguay als Ecuador 2.0?
Und doch ist es nicht ganz unberechtigt, wenn Sie sich um Weiterkommen sorgen sollten. Zu zerfahren, uninspiriert und schlecht war der Auftritt gegen Ecuador. Zu tief sitzt bei uns allen noch der Schock des Ausscheidens in den Vorrunden bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften. Außerdem tritt Paraguay mit seiner Zweikampfhärte ähnlich robust auf wie das Team, gegen das wir im letzten Gruppen-Spiel völlig verdient verloren haben.
Das Gute daran ist: Deutschland konnte sich auf diesen Stil einstellen, die Spieler sind erfahren genug, um daraus ihre Lehren zu ziehen. Hinzu kommt: Mannschaften mit Klasse zeigen nach schlechten Partien in der Regel eine Reaktion. Erinnern Sie sich noch an die WM-Qualifikation? Da starteten wir in unserer Vierergruppe mit einer 0:2-Niederlage gegen die Slowakei. Es folgten weitere durchwachsene Spiele – mit einer beinahe blamablen Leistung am vorletzten Spieltag in Luxemburg (2:0).
Vier Tage später ging es dann um alles. Und es begann das große Zittern der Fans. Denn nur der Erste qualifizierte sich direkt für die WM. Und der Gegner war – die Slowakei. Es folgte ein Schützenfest, der Kicker schrieb gar von einem „Gala-Auftritt“: Mit 6:0 fegten wir den Gegner, der uns zuvor noch geschlagen hatte, im November aus dem Leipziger Stadion.
Oder Paraguay als Slowakei 2.0?
Die Slowakei lag vor der WM in der Weltrangliste übrigens nur drei Plätze hinter Paraguay. Also, wenn das heute Abend nichts wird, dann will ich zwar nicht Woltemade heißen, aber dann haben wir bei dieser WM wirklich nichts verloren.

Von dem linken Polit-Clown Andreas Rettig, der nebenbei DFB-Geschäftsführer ist, halte ich eigentlich nicht viel. Aber bei dieser Aussage stimme ich ihm zu: „Wir werden am Montag das Slowakei-Gesicht sehen und nicht das Ecuador-Gesicht.“
Übrigens – um jetzt mal wieder meine von einigen belächelte Statistik auszupacken – gibt es noch ein gutes Omen: Bei Weltmeisterschaften spielten wir bisher nur einmal gegen Paraguay – und das ebenfalls im ersten K.o-Spiel, das damals noch das Achtelfinale war. 2002 gewannen wir beim Turnier in Japan und Südkorea durch ein spätes Tor von Oliver Neuville mit 1:0. Und wie ging es weiter? Bis ins Endspiel! Da unterlagen wir dann Brasilien ziemlich unglücklich mit 0:2. Die Geschichte kann sich gern wiederholen – bis auf das Ergebnis im Finale.
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