PARIS. Das WM-Aus Frankreichs hat eine neue Debatte über Hass und Hautfarbe im Fußball ausgelöst. Nach der 0:2-Niederlage im Halbfinale gegen Spanien wurde Außenverteidiger Lucas Digne in sozialen Netzwerken massiv angegriffen. Der 32jährige hatte mit einem Foul an Lamine Yamal den frühen Elfmeter für Spanien verursacht.
In mehreren Beiträgen richteten sich die Beleidigungen ausdrücklich gegen Dignes Hautfarbe. „Du bist der einzige Weiße in dieser Mannschaft, und deinetwegen verlieren wir“, schrieb ein Nutzer auf X.
Andere Beiträge lauteten „Scheiß-Weißer“ oder: „Ich will keinen Weißen mehr in der französischen Mannschaft.“ Auch Dignes Ehefrau Tiziri wurde nach dem Spiel Ziel von Drohungen und beleidigenden Nachrichten. Sie veröffentlichte ein Foto mit einem weinenden Kind im Arm und schrieb, das Bild spreche für sich selbst. Man könne dennoch stolz auf den Weg der Mannschaft sein.
Erst Rajoy, dann Digne
Der Fall trifft auf eine Debatte, die Frankreichs Nationalelf schon vor dem Halbfinale begleitete. Spaniens früherer Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte in einem Beitrag für „El Debate“ geschrieben, Frankreich verfüge über einen Kader auf höchstem Niveau – „allerdings ohne französische Spieler“ (die JF berichtete).
Frankreichs Verbandschef Philippe Diallo warf Rajoy daraufhin „unerträglichen Rassismus“ vor. Innenminister Laurent Nuñez nannte die Aussage „absolut inakzeptabel“. Auch die französische Botschaft in Madrid schaltete sich ein und erklärte, alle 26 Spieler der Nationalmannschaft seien Franzosen.
Nach den Angriffen auf Digne sammelte „Le Journal du Dimanche“ mehrere der diskriminierenden Kommentare. Der RN-Abgeordnete Julien Odoul warf linken Politikern und antirassistischen Organisationen Schweigen vor. (rr)






