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Folge 8: Diese doofen Anstoßzeiten und meine Kindheits-Erinnerungen

Folge 8: Diese doofen Anstoßzeiten und meine Kindheits-Erinnerungen

Folge 8: Diese doofen Anstoßzeiten und meine Kindheits-Erinnerungen

Heute ärgert sich unser Kolumnist mal: Über die späten Anstoßzeiten.
Heute ärgert sich unser Kolumnist mal: Über die späten Anstoßzeiten.
Heute ärgert sich unser Kolumnist mal: Über die späten Anstoßzeiten.
Folge 8
 

Diese doofen Anstoßzeiten und meine Kindheits-Erinnerungen

Wir alle sehnen uns nach einem Hauch von Sommermärchen. Aber wie soll diese Stimmung aufkommen, wenn die nächsten deutschen Spiele alle erst nach Mitternacht vorbei sind? Und wer denkt an die Kinder, wie ich eins war?
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Wenn wir morgen um 22 Uhr gegen Ecuador spielen, wird die Spannung kaum mit Händen zu greifen sein. Denn für die deutsche Mannschaft ist es völlig egal, wie das letzte Gruppenspiel ausgeht. Der Gruppensieg ist ihr nicht mehr zu nehmen. Und damit steht auch der weitere Turnierbaum fest.

Also, Mitfiebern geht anders. Vielleicht freuen wir uns über ein schönes Spiel, aber in erster Linie dürfte entspanntes Zurücklehnen angesagt sein. WM-Stimmung? Eher gemütliche Freundschaftsspiel-Atmosphäre. Gut, das kann aufgrund dieses Modus‘ passieren und wegen der neuen Regel, dass der direkte Vergleich und nicht das Torverhältnis bei Punktgleichheit über die Platzierung entscheiden, vorkommen. Das sollte die Fifa aber fürs nächste Turnier ändern.

Aber mindestens genauso doof sind die Anstoßzeiten. Mit Halbzeit, Trinkpausen und Nachspielzeit dürfte es morgen erst um Mitternacht vorbei sein. Wer wollte da noch feiern, obwohl es ja gar nichts zu feiern gibt? Alle wollen höchstens schnell ins Bett. Für mich ist es besonders krass, weil ich jeden Werktag ab 5 Uhr die Frühschicht bei uns in der Redaktion übernehme.

Späte Anstoßzeiten: Bescheidener Autokorso in Köln nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste.
Bescheidener Autokorso in Köln nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste. Foto: picture alliance / NurPhoto | Ying Tang

Die Anstoßzeiten werden nicht besser

Jetzt habe ich mir mal angeschaut, wie es im weiteren Turnierverlauf weitergeht. Es schon steht fest, dass wir am Montag im Sechzehntelfinale um 22.30 Uhr, also noch einmal eine halbe Stunde später, antreten. Das einzige fast nicht feststeht, ist der Gegner. Denn das wird einer der Drittplatzierten aus den Gruppen A, B, C, D oder F sein. Wie Sie wissen, bin ich schon ziemlich statistikversessen. Aber selbst mir ist es zu mühselig zu spekulieren und herumzurechnen, welches der 15 noch möglichen Länder das am Ende sein könnte.

Irgendein schlauer Mensch hat ausgerechnet, dass es allein schon 495 verschiedenen Konstellationen gibt, welche acht der besten zwölf Gruppendritten weiterkommen. Und dann ist ja auch noch unklar, wer überhaupt Dritter wird. Trotzdem soll es angeblich auf Paraguay oder Schottland zulaufen. Ich war zwar nicht die hellste Leuchte in Mathe, aber als Journalist habe ich gelernt, Plausibilitäten zu prüfen. Und die Reduktion auf zwei Gegner erscheint mir momentan noch etwas unplausibel. Definitiv fest steht unser Gegner nach dem Ende der Vorrunde, und das ist am Sonntag gegen 6 Uhr morgens. Wenn schon das Ecuador-Spiel langweilig wird, bleibt wenigstens das spannend. Erst einen Tag vor dem Sechzehntelfinale herrscht Gewissheit.

Aber ehrlich gesagt, ist es auch relativ egal. Denn, wer da auch immer auf uns zukommt, den müssen wir schlagen. Ein Gruppendritter bei dieser mit totalen Außenseitern aufgeplusterten WM-Vorrunde müsste nichts anderes als Fallobst sein. Trotzdem wollen wir das Spiel alle sehen – und danach ab in die Falle. Denn es dürfte nicht vor halb eins vorbei sein. Wenn es wider Erwarten noch in die Verlängerung geht, dann im wahrsten Sinne des Wortes: Gute Nacht.

Ein Hauch von Sommermärchen in einer Sportsbar in Köln.
Ein Hauch von Sommermärchen in einer Sportsbar in Köln. Foto: picture alliance / NurPhoto | Ying Tang

Noch einmal eine halbe Stunde mehr Schlaf raubt uns die Fifa beim Achtelfinale gegen Frankreich. Da geht es um 23 Uhr los. Aber glücklicherweise ist der 4. Juli ein Sonnabend. Das Spiel wird haarig, und Deutschland ist – wenn alles so kommt, wie es aussieht – hier nur Außenseiter. Ein Sieg wäre eine Überraschung, eine lange Nacht nicht. Bei einem Elfmeterschießen dürfte es 2 Uhr morgens, bis der Gewinner feststeht.

Die armen Österreicher

Sollten wir tatsächlich gewinnen, geht es im Viertelfinale am Donnerstag, 9. Juli weiter. Über die Anstoßzeit kann man schon fast glücklich sein: wieder 22 Uhr – wie morgen gegen Ecuador. Aber immerhin geht es da um etwas – nämlich um den Einzug ins Halbfinale. Wenn wir tatsächlich so weit kommen, können wir alle aufatmen. Denn am Dienstag, 14. Juli würden wir schon um 21 Uhr um den Einzug ins Finale spielen. Hurra!

Auch das Endspiel findet zu einer einigermaßen christlichen Zeit statt: Am Sonntag, 19. Juli, 21 Uhr. Ich rede hier übrigens immer von unserer deutschen Zeit. Mir ist schon klar, dass es in den USA, Kanada und Mexiko viel früher ist – erst recht, wenn die Spiele an der Westküste ausgetragen werden. Trotzdem meine ich mich zu erinnern, dass bei der vorigen WM in den USA 1994 ein bisschen mehr Rücksicht auf die Europäer genommen wurde.

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Und im Übrigen klage ich hier auf hohem Niveau. Wenn wir Österreicher wären, müssten wir an diesem Sonntag um vier Uhr vor der Glotze sitzen, um das entscheidende Spiel gegen Algerien zu verfolgen. Also, liebe Brüder und Schwestern: Am besten durchmachen. Wie wir sehen, geht es also immer noch schlimmer. Mein armer Wiener Kollege René Rabeder muss wenigstens danach nicht mit mir in der Frühschicht schubbern. Denn am Sonntag haben wir beide frei.

Als Kind hätte ich nicht zugucken dürfen

Für mich als Kind wäre wahrscheinlich allerdings bereits der Anpfiff des Finales zu spät gewesen. Vielleicht hätte ich die erste Halbzeit gucken dürfen, weil meine Eltern darauf achteten, dass mein Zwillingsbruder und ich morgens fit waren, wenn um 8 Uhr die Schule begann. Ich weiß noch genau, wie wir ins Bett mussten, als Deutschland bei der WM 1978 gegen Mexiko spielte.

Frühe Anstoßzeit: Berti Voigts beim WM-Spiel 1978 gegen Mexiko (6:0). Das Spiel in Argentinien begann um 20:45 Uhr.
Berti Voigts beim WM-Spiel 1978 gegen Mexiko (6:0). Das Spiel in Argentinien begann um 20:45 Uhr deutscher Zeit, und ich durfte es nicht sehen. Foto: picture alliance / Pressefoto Rudel | Herbert Rudel

Da war ich neun Jahre alt. Natürlich haben wir nicht geschlafen und uns anhand des Jubels unseres Vaters im benachbarten Wohnzimmer das Ergebnis zusammengereimt. Es ging 6:0 aus – und wir waren mittendrin, aber nicht dabei. Das Spiel in Argentinien begann um 20:45 Uhr… Also gemessen an heutigen Maßstäben in aller Herrgottsfrühe.

So muss ich bei den späten Anstoßzeiten, die es ja auch bei anderen Länderspielen und in der Champions League gibt, oft an die Kinder denken, die so gern zugucken würden und vielleicht nicht dürfen.

Und natürlich an die unvergleichliche Stimmung, die es noch 2014 in Brasilien gab. Das Land liegt in den gleichen Zeitzonen wie die jetzigen Gastgeber. Aber Deutschland spielte dreimal um 18 Uhr, zweimal um 21 Uhr und zweimal um 22 Uhr. Danach waren viele auf den Straßen und feierten in den Kneipen. Das ginge also auch. Schade, dass es diesmal nicht so ist.

Lesen Sie hier Frank Haukes weitere WM-Kolumnen:

Folge 7: Soll ich jetzt meinen Frieden mit Antonio Rüdiger machen?

Folge 6: Was machen wir jetzt mit diesem Ecuador-Spiel?

Folge 5: Spitzenreiter, hey! Die Mammut-Tabelle nach dem ersten Spieltag

Folge 4: Warum Argentinien nicht Weltmeister wird, sondern nur wir

Folge 3: Wie in schlechten alten Zeiten: Der Bundes-Jogi macht die Merkel

Folge 2: Nmecha, Tah, Brown – unsere großartigen deutschen Nationalspieler

Folge 1: Nach dem letzten 7:1 wurden wir Weltmeister

Heute ärgert sich unser Kolumnist mal: Über die späten Anstoßzeiten.
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