HAMBURG. Das Hanseatische Oberlandesgericht hat dem Spiegel im Eilverfahren untersagt, zentrale Vorwürfe in der „Deepfake“-Affäre gegen Christian Ulmen zu verbreiten. Das Magazin darf nicht weiter den Eindruck erwecken, dass der Schauspieler gefälschte KI-Pornos mit dem Gesicht seiner Ex-Frau Collien Fernandes erstellt und verbreitet habe. Dafür fehle es an einem Mindestbestand an Beweistatsachen, entschied das Hamburger Gericht am Dienstag.
Zudem darf der Spiegel nicht mehr Zitate wiedergeben, die aus einer E-Mail des 50jährigen an seinen Strafverteidiger stammen. Die dort gemachten Äußerungen berührten den „besonders geschützten innersten Kreis der Privatsphäre“. Gleichwohl darf das Blatt weiterhin schreiben, Fernandes habe Vorwürfe körperlicher Gewalt gegen Ulmen erhoben.
Für die Kanzlei Schertz-Bergmann, die Ulmen vertritt, sei das Urteil von besonderer Bedeutung. „Insbesondere der vom SPIEGEL erweckte Verdacht, hatte eine unverhältnismäßige, an Hysterie grenzende Folgeberichterstattung in sämtlichen Medien sowie eine undifferenzierte öffentliche Diskussion zur Folge“, schrieb sie in einer Pressemitteilung. Gegen den Komiker ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen der Vorwürfe häuslicher Gewalt. „Es wäre zu wünschen, dass die Entscheidung zur Versachlichung der öffentlichen Debatte beiträgt und die immense Vorverurteilung unseres Mandanten eingestellt wird.“
PRESSEERKLÄRUNG ZUM VERFAHREN TILL LINDEMANN GEGEN SHELBY LYNN pic.twitter.com/tbyL6NH8ZG
— Schertz Bergmann (@schertzbergmann) October 30, 2025
Nach Vorwürfen gegen Ulmen schaltete sich Politik ein
Bereits im April hatte Ulmen den Spiegel vor dem Hamburger Landgericht verklagt. Dieses entschied allerdings im Mai, dass dessen Verdachtsberichterstattung zu den Deepfake-Vorwürfen rechtlich zulässig sei. Mitte März hatte das Blatt als Erstes über die Anschuldigungen berichtet. Fernandes wirft Ulmen neben der Erstellung der KI-Videos vor, jahrelang Fakeprofile von ihr erstellt zu haben, um andere Männer zu kontaktieren. Teilweise habe er sich während der Telefonate mit ihnen als sie ausgegeben und sexuelle Gespräche geführt.

Kurz nach dem Bekanntwerden der Affäre hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) Strafrechtsverschärfungen angekündigt, um sexualisierte Deepfakes ohne Einverständnis und „digitale sexuelle Gewalt“ per Gesetz zu bekämpfen (siehe JF-Kommentar). Zahlreiche Politikerinnen, darunter SPD-Chefin Bärbel Bas und Ex-Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang, forderten strengere Gesetze gegen solche Verwendung der KI. Zudem forderten mehrere Unionspolitiker, darunter Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), die Einführung einer Klarnamenpflicht im Netz. (kuk)







