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Anja Arndt, AfD

Linke Medien schäumen: Wie die JUNGE FREIHEIT Kulturkämpfe prägte

Linke Medien schäumen: Wie die JUNGE FREIHEIT Kulturkämpfe prägte

Linke Medien schäumen: Wie die JUNGE FREIHEIT Kulturkämpfe prägte

Das Bild zeigt die Musiker Peter Heppner, Till Lindemann und Paul van Dyk. Sie alle hatten in der Vergangenheit indirekt mit der JUNGEN FREIHEIT zu tun.
Das Bild zeigt die Musiker Peter Heppner, Till Lindemann und Paul van Dyk. Sie alle hatten in der Vergangenheit indirekt mit der JUNGEN FREIHEIT zu tun.
Die Musiker Peter Heppner, Till Lindemann und Paul van Dyk (v.l.n.r.): Symbolfiguren eines kulturellen Paradigmenwechsels. Fotos: picture alliance / Horst Galuschka | Horst Galuschka / picture alliance / Panama Pictures | Sascha Schuermann / picture alliance/dpa | Thomas Frey
Linke Medien schäumen
 

Wie die JUNGE FREIHEIT Kulturkämpfe prägte

Die JUNGE FREIHEIT als Kulturkampf-Adresse: Linke Kritiker sahen hinter Rammstein, Frei.Wild und dem Hit „Wir sind wir“ immer wieder den Einfluss dieser Zeitung – und reagierten mit Schnappatmung.
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Wer in den späten Neunzigern oder den frühen Nullerjahren in der etablierten Presse über die Existenz einer Zeitung namens JUNGE FREIHEIT informiert wurde, der stieß nicht zwangsläufig darauf, weil er über die Union, die Republikaner oder die Wahlergebnisse von Marine Le Pen gelesen hatte. Eines der Themen, bei denen am zuverlässigsten der Name „JF“ fiel, war tatsächlich Popmusik. Etwa wenn es um Dark Wave und Neofolk ging. Zuweilen reichte aber bereits Rammstein.

Während die Band heutzutage eher aufgrund Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs in der Kritik steht, fürchteten linke Kommentatoren in Jungle World und Spiegel damals noch, die Ostberliner Schockrocker würden mit ihrer Verwendung von Leni Riefenstahls Olympia-Filmschnipseln eine faschistische Renaissance in deutsche Kinderzimmer hineinmusizieren. Als Gewährsmann für diese These galt Personen wie den Jungle-World-Autoren Daniel Pagórek und „DJ Kersten“ dabei ausgerechnet Thorsten Hinz. Dieser hatte in der JF 38/97 die Band als „Symptom eines ästhetischen Paradigmenwechsels“ bezeichnet, die, aufgrund ihres Erfolgs und nicht zuletzt ihrer DDR-Vergangenheit, das baldige Ende eines „Absolutheitsanspruchs einer Kultur aus gereimtem Böll, Sozialwissenschaft und wohlstandsunterfütterter Hochmoral“ signalisiere.

Das Lob blieb jedoch ambivalent, bescheinigte Hinz der Band doch sogleich, auf ein Provokationsschema zu setzen, welches er bereits im Jahr 1997 als weitestgehend erschöpft ansah.

Spiegel-Beitrag sprengte aufstrebende Band

Sogar eine Musikerkarriere im „Mainstream“ ging an der JF zu Bruch. Zumindest in Teilen. Ebenfalls zur „Neuen Deutschen Härte“ (so nannte man damals Bands, die nicht Rammstein waren, aber ähnlich klangen), zählte damals nämlich die Bingener Band Weissglut, unter Vertrag bei einer Tochterfirma von Sony, die ihren Sänger Josef Maria Klumb im Januar 1999 kurzerhand feuerte, nachdem der Spiegel wenige Monate zuvor erbost auf die Tatsache hingewiesen hatte, dass dieser, beziehungsweise seine vorherige Band, die Goth-Rock-Gruppe Forthcoming Fire, der JF im Jahr 1996 ein Interview gegeben hatten.

Klumbs darin getätigten Äußerungen, er glaube an die „Geisteskultur dieser geschändeten Nation“, eine Geisteskultur, die „nicht länger unterdrückt werden“ dürfe, stellte das Blatt eine „Einordnung“ des Sozialwissenschaftlers Alfred Schobert entgegen, welcher kundgab, er sei „mit dem Begriff Nazi vorsichtig“, aber in diesem Zusammenhang müsse man doch „wirklich von einem Nazi sprechen“. Bei MTV landete Klumb dementsprechend also nicht und gründete stattdessen die Neofolk/Industrial-Band Von Thronstahl, die immerhin im Untergrund Erfolge feierte.

Mangelnde Empathie für DDR-Zeitzeugen gezeigt

Die gruftigen Neunziger wurden schließlich von den Nullerjahren abgelöst, einem Jahrzehnt, in dem die Rechte gerade deshalb zu erlahmen schien, weil der Maintream-Konservatismus kurzzeitig einige ihrer Punkte zu übernehmen schien und selbst der Spiegel plötzlich Titelgeschichten über „Die stille Islamisierung“ veröffentlichte. Dementsprechend waren die Nullerjahre auch das Jahrzehnt, in dem ein Film wie „Das Wunder von Bern“ den Deutschen eine positive, wenn auch unpolitische, Selbsterzählung anbot und diese drei Jahre später, während des Sommermärchens 2006, plötzlich Alltagsrealität wurde.

Ein bisschen hatte aber auch die Popmusik ein solches Szenario vorbereitet, zwei Jahre vorher, im Juni 2004. Damals veröffentlichten der Berliner Techno-DJ Paul van Dyk und der Sänger der Band Wolfsheim, Peter Heppner, nach eigener Aussage inspiriert von ihrem Kinobesuch von „Das Wunder von Bern“, das Lied „Wir sind wir“. Das Musikvideo zeigte historische Aufnahmen, das zerstörte Berlin, Trümmerfrauen, die anpackten, den Mauerbau von ’61, daneben lief Hepp mit einer altmodischen Filmkamera und sang mit melancholischer Stimme: „Doch ich frag, ich frag mich, wer wir sind. Wir sind wir! Wir stehen hier! Aufgeteilt, besiegt und doch – schließlich leben wir ja noch“, dazu knisterten kalte Electro-Sounds.

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Die linke Presse war angeekelt, schrieb von Deutschtümelei, Geschichtsvergessenheit, von Lust an der Gefahr an der Missverständlichkeit. Die taz glaubte gar, hier ziehe die JF im geheimen die Fäden, schließlich habe man dort in den Neunzigern Gramsci gelesen „und redete davon, via Popkultur rechtes Gedankengut in den Mainstream zu tragen“. Georg Diez bekam in der FAS „Bauchschmerzen“, wenn er an das Musikvideo dachte, fühlte etwas „seltsam Schmatzendes in diesem Lied“, etwas „Zukurzgekommenes und Gieriges und Unzufriedenes“.

Die sich auf die Erfahrung der Ostdeutschen beziehenden Zeilen: „Auferstanden aus Ruinen dachten wir, wir hätten einen Traum vollbracht. 40 Jahre zogen wir an einem Strang, aus Asche haben wir Gold gemacht. Jetzt ist mal wieder alles anders, und was vorher war, ist heute nichts mehr wert“, kommentierte er mit einem gehässigen „da ist deutscher Opferschmerz, nicht der Stolz der Befreiten“. So offen und ehrlich wird die völlige Empathielosigkeit gegenüber den Erfahrungen der Ex-DDR-Bürger in der Tat selten kommuniziert.

2013 landete die Echo-Debatte auf der Titelseite der JUNGEN FREIHEIT

„Die Provokation des Normalen“ titelte die JF im Juli 2004 und zeigte sich über die Debatte zugleich erfreut wie amüsiert. „Vielen Deutschen fehlt das Selbstwertgefühl und viele plagt die Angst davor, was die Zukunft bringen wird.“ Ein Lied wie „Wir sind wir“ sei da mutmachend, die nachfolgende Stigmatisierung schien wenig zu überraschen. Sogar den vollständigen Liedtext druckte die JF ab.

Buchstäblich zum Aufmacherthema wurde 2013 schließlich die Debatte um die Tiroler Rockband Frei.Wild. Die war aufgrund ihrer beachtlichen Verkaufszahlen zur offiziellen Echo-Verleihung eingeladen worden, eine Reihe linker Bands wie Mia, Kraftklub und den Ärzten sagte daraufhin ihre Teilnahme ab. Der Grund: Die Onkelz-Epigonen besangen in ihren Liedern die Liebe zu ihrer Heimatregion und der Sänger hat (so wie es  bei den Onkelz auch der Fall war) eine waschechte Rechtsrock-Vergangenheit, von der er sich mittlerweile distanziert.

Die „bösartige Text-Exegese“, mit der die Presse damals versuchte, allerlei Ungeheuerlichkeiten in die Liedtexte der Gruppe hineinzuinterpretieren, spießte damals Martin Lichtmesz auf: „Die Ansicht, dass ‘in Deutschland der Patriotismus unterdrückt werde’, bediene ‘das Selbstbild der rechten Szene’ – während derselbe Text ja deutlich zeigt, wie einschlägige Autoren fleißig dafür sorgen, dass ‘in Deutschland der Patriotismus’ nicht nur ‘unterdrückt’, sondern auch diffamiert bleibt.“

Aus der JF-Ausgabe 24/26.

Die Musiker Peter Heppner, Till Lindemann und Paul van Dyk (v.l.n.r.): Symbolfiguren eines kulturellen Paradigmenwechsels. Fotos: picture alliance / Horst Galuschka | Horst Galuschka / picture alliance / Panama Pictures | Sascha Schuermann / picture alliance/dpa | Thomas Frey
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