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Deutschrock-Band Vermaechtnis: Ein Hoch auf Tirol

Deutschrock-Band Vermaechtnis: Ein Hoch auf Tirol

Deutschrock-Band Vermaechtnis: Ein Hoch auf Tirol

Die Tiroler Deutschrock-Band Vermaechtnis hält das Erbe ihrer Heimat hoch in Ehren (Symbolbild).
Die Tiroler Deutschrock-Band Vermaechtnis hält das Erbe ihrer Heimat hoch in Ehren (Symbolbild).
Die Tiroler Deutschrock-Band Vermaechtnis hält das Erbe ihrer Heimat hoch in Ehren (Symbolbild). Foto: picture alliance / Wagner | Ulrich Wagner / picture alliance / Kajsa Sjöblom/Shotshop | Kajsa Sjöblom / JF-Montage
Deutschrock-Band Vermaechtnis
 

Ein Hoch auf Tirol

Die Tiroler Deutschrock-Band Vermaechtnis ist ein Phänomen. Seit über 20 Jahren ist sie aktiv, um den Hörern Geschichte und Ideale ihrer Heimat nahezubringen. Das neue Album wartet mit Überraschungen auf, ohne das Vermaechtnis zu verraten.
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Am vorvergangenen Sonntag glommen viele Tiroler Bergspitzen und Grate feuerrot. Es war Herz-Jesu-Sonntag. Ein Liedtext beschreibt den wohl schönsten aller Tiroler Bräuche wie folgt:

„Ein uralter Brauch, Jahr für Jahr wieder vollbracht,

Zum Schutze unsrer Heimat einst gedacht.

Den Schwur erneuert, im Gedenken daran,

Was die Ahnen für Gott und Vaterland getan.“ 

Internationale Bekanntheit erreichte der Herz-Jesu-Sonntag 1961, als Tiroler Freiheitskämpfer in der Herz-Jesu-Nacht 37 Strommasten sprengten, um gegen die Unterdrückung und Italianisierung Südtirols zu protestieren. Die Ziele waren nicht zufällig gewählt. Mit der Zerstörung der Masten sollte die Energieversorgung der Bozner Industriezone lahmgelegt werden, die während des Faschismus errichtet worden war, um Tausende Italiener anzusiedeln und die Tiroler Bevölkerung südlich des Brenners nach und nach auszutauschen.

In einem Liedtext heißt es über diese Schicksalsnacht, die als „Feuernacht“ in die Geschichtsbücher einging:

„61 stürzten Masten in unserem Land,

Feuernacht wird dieser Tag von nun an genannt.

Starke Männer, sie waren zu Allem bereit,

Für den Widerstand war es höchste Zeit.

Für die lang ersehnte Freiheit.“ 

Beide Songs stammen von der Band Vermaechtnis. Vor 20 Jahren ist ihr erstes Album „Feuernacht“ erschienen. Sieben weitere folgten. Und wer in den Tagen nach dem Herz-Jesu-Sonntag durch die sozialen Medien wischte, der stieß auf das ein oder andere Video über den Brauch, das mit Liedern von Vermaechtnis hinterlegt war.

Vermaechtnis gibt Tiroler Ideale weiter

Vermächtnis lebt. Und zwar nicht nur als hinterlegte Musik für Reels und TikToks. Vor einigen Monaten trafen sich auf der Südtiroler Seite des Pustertals rund drei Dutzend gut gelaunter Männer und Frauen. Anlass war die Präsentation des neuesten Albums „Hoch Tirol“. Auch die JUNGE FREIHEIT war dabei. Zwar wechselten Musiker, Sänger und Tonmischer in der Bandgeschichte immer wieder, doch ein Novum diesmal war, dass alle Lieder von einer Frau eingesungen wurden.

Die Köpfe hinter dem Projekt erklärten, zwölf der erfolgreichsten Songs seien vollständig neu interpretiert worden. „Wir stehen nicht still, wir bleiben dran, wir geben die Tiroler Ideale weiter“, sagt einer von ihnen, Efrem Oberlechner, zur JF. „Vermaechtnis besingt nicht nur Geschichte – nach zwanzig Jahren ist es selbst Teil der Geschichte geworden.“

Das neue Album besticht durch seine musikalische Qualität. Auch eingefleischte Deutschrock-Fans kommen hier auf ihre Kosten. Der Gesang klingt schön und ist authentisch. Er transportiert die Botschaft direkt und unverfälscht. Genau das, was den Hörer berührt, wenn er durch Tirols Täler fährt, den Lautstärkeregler aufdreht und lautstark mitsingt. Oder wenn ihn hunderte Kilometer entfernt das Heimweh plagt. Oder er einfach nur ein Freund Tirols ist und auf Deutschrock steht.

Lieder sind Streifzug durch Tirols Geschichte

Mit dabei sind einige Vermaechtnis-Klassiker, die im Internet bereits hunderttausendfach gestreamt wurden: „Die Schützenfahne“, „Feuernacht“, „Sepp Kerschbaumer“, „Südtirol in Ketten“ oder „Brennende Lieb“. Die bekommen nicht nur durch die leicht umgeschriebenen Melodien, sondern auch durch die Frauenstimme neuen Schwung und neue Dramatik.

„Und ich rief mit blutendem Herz!

Du ‘Brennende Lieb’,

Dir gilt mein letzter Schrei.

Lebe wohl, lebe wohl!“ 

Diese Verse über eines der schmerzhaftesten Ereignisse der Tiroler Geschichte sind gesungen von einer Frau noch einmal emotionaler als im Original. Und Gefühle kommen hoch, wenn die unmenschliche, durch Hitler und Mussolini erzwungene Entscheidung der Tiroler südlich des Brenners besungen wird, und die sich herzzerreißende dichterische Auseinandersetzungen liefern, die im Lied „Brennende Lieb“ vertont wurden. Der Titel spielt auf den Namen der roten Geranien an, wie sie für Tirols Höfe immer noch typisch sind.

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Am harmonischsten kommen die melodischen Gitarrenriffs und die neue Sängerin zur Geltung, wenn es nicht allzu hart zugeht. Gänsehaut ist etwa beim Stück „Luis Amplatz“ garantiert. Amplatz war Gründungsmitglied des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS) und Schützen-Mitglied in Gries, das 1925 zu Bozen eingemeindet wurde. Der Freiheitskämpfer verübte mehrere Sprengstoffanschläge auf Faschistendenkmäler und die italienische Infrastruktur. Vor der Strafverfolgung floh er nach Nordtirol, kehrte aber immer wieder heimlich nach Südtirol zurück.

Vermaechtnis hat treue Fangemeinde

1959 verbrachte er mit dem führenden BAS-Mitglied Jörg Klotz und dem Geheimdienstspitzel Christian Kerbler in einer Heuhütte im Passeiertal. Dort vergiftete Kerbler die beiden Freiheitskämpfer und erschoss sie im Schlaf. Während Klotz schwer verletzt fliehen konnte, starb Amplatz bei dem Attentat.

„Deine Worte bleiben unvergessen:

Freund, der du die Sonne noch schaust:

Grüß mir die Heimat,

Die ich mehr als mein Leben geliebt.

Freund, der du die Sonne noch schaust,

Grüß mir die Heimat,

Und kämpfe für sie weiter“ 

Von der Garage in den Social-Media-Himmel. Nein, ganz so wie der klischeehafte amerikanische Traum lief es nicht. Das wäre selbst in einem Land, in dem Volksmusikanten und Rockbands von Heimatliebe singen und damit die Charts stürmen, eher schwierig. Doch bei Tirolern unter 40 ist Vermaechtnis nach 20 Jahren kulturell verwurzelt. Und das, obwohl das Projekt nie auf kommerziellen Erfolg ausgelegt war. Oder vielleicht gerade deswegen?

Alben können kostenlos gehört werden

„Wir wissen, wie wichtig dieses Projekt für unsere Heimat ist. Wir geben Ideale weiter, bewusst, und auch mit unkonventionellen Mitteln. Denn Musik ist mehr als Unterhaltung: Sie trägt Inhalte, macht Geschichte lebendig und gibt unserer Jugend Orientierung.“ Das ist auch der Grund, warum sich er und die rund 20 anderen Männer und Frauen hinter Vermaechtnis die künstlerische Arbeit antun. Geld verlangen sie dafür übrigens nicht. Wie die anderen Alben zuvor schon, so ist auch das jüngste kostenlos auf der Website zum akustischen Genuss bereitgestellt.

Als heimatverbundener Tiroler wünschte man sich, Vermaechtnis würde nicht zum Vermächtnis im wortwörtlichen Sinne werden, sondern weitere 20 Jahre schaffenskräftig sein. Allein schon, um die musikalische Neugier zu befriedigen, was den aufrechten Tirolern denn noch so einfällt, um die Ideale der Väter und Vorväter an die nächste Generation künstlerisch weiterzugeben. Hoch Tirol!

Die Tiroler Deutschrock-Band Vermaechtnis hält das Erbe ihrer Heimat hoch in Ehren (Symbolbild). Foto: picture alliance / Wagner | Ulrich Wagner / picture alliance / Kajsa Sjöblom/Shotshop | Kajsa Sjöblom / JF-Montage
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