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AfD Bundestagsfraktion, Spritpreise, Steuern runter

Erfurt: Dämpfer für Chrupalla und die Antifa: So lief der AfD-Parteitag

Erfurt: Dämpfer für Chrupalla und die Antifa: So lief der AfD-Parteitag

Erfurt: Dämpfer für Chrupalla und die Antifa: So lief der AfD-Parteitag

Tino Chrupalla und ALice Weidel und Linksextremisten: Alle Ereignisse im Liveticker. Foto: Picture Alliance
Tino Chrupalla und ALice Weidel und Linksextremisten: Alle Ereignisse im Liveticker. Foto: Picture Alliance
Tino Chrupalla und Alice Weidel und Linksextremisten: Alle Ereignisse im Liveticker. Foto: Picture Alliance
Erfurt
 

Dämpfer für Chrupalla und die Antifa: So lief der AfD-Parteitag

Die AfD wählt weitgehend geräuschlos eine neue Parteiführung. Ein mächtiges Netzwerk kann dabei seinen Einfluss weiter ausbauen. In der Halle herrscht zeitweise Ausnahmezustand. Draußen prügelt die Antifa auf Journalisten ein. Die Ereignisse des Tages im Liveticker.
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Die drei schnellen Erkenntnisse zum ersten Tag des AfD-Bundesparteitages in Erfurt:

1. Die Strategie der Polizei und auch der AfD geht am frühen Morgen voll auf. Während die Antifa noch anreist, sind die AfD-Delegierten längst vor Ort. Das Ziel, den AfD-Parteitag zu verhindern, scheitert auf ganzer Linie. Den angereisten Linksextremen bleibt nicht viel mehr übrig, als Feldwege zu besetzen und Autobahnen, die ohnehin schon vorher von der Polizei gesperrt waren. Dieses offensichtliche Scheitern kompensiert die Antifa mit Angriffen auf Journalisten. Mehrere Apollo-Redakteure werden regelrecht durch die Stadt gejagt und zusammengeschlagen. Auch JF-Redakteur Vadim Derksen wird angegriffen.

2. Drinnen kann Alice Weidel mit Hilfe des Münzenmaier-Netzwerkes ihren Einfluss ausbauen. Wenn es zu Kampfkandidaturen kommt, setzt sich dieses breite Netzwerk durch. Chrupallas Leute haben das Nachsehen. Der Parteichef selbst bekommt rund 70 Prozent und damit weniger als noch vor zwei Jahren, als er mit 82,4 Prozent sogar vor Weidel lag. Der Star des Tages ist jedoch jemand anderes: Ulrich Siegmund. Wäre er als Parteichef angetreten, hätte er wohl sofort gewonnen. Fällt sein Name, brandet stets Applaus aus. Läuft sich da jemand für eine künftige Bundeskarriere warm?

3. Die AfD ist erwachsen geworden. Selten war ein Parteitag angesichts der Umstände so gut organisiert. Sogar Journalisten wurden mit Steckdosen ausgestattet. Die Abläufe funktionieren reibungslos. Brauchte die Partei früher ein ganzes Wochenende, um einen neuen Vorstand zu wählen, ist man heute in wenigen Stunden durch. Kampfkandidaturen sind eine Seltenheit, die meisten Konflikte werden im Vorfeld ausgeräumt.

Die JUNGE FREIHEIT beendet damit ihren Liveticker.

17.00 Uhr: Hohm wird mit 79,4 Prozent gewählt. Damit ist der neue Bundesvorstand der AfD komplett.

16.52 Uhr: Maximilian Kneller wird mit 73 Prozent gewählt. Für den letzten Beisitzer kandidiert nun der Vorsitzende der Jugendorganisation Jean-Pascal Hohm aus Brandenburg. Er wird von Sebastian Münzenmaier persönlich vorgeschlagen. Seine Wahl gilt als sicher.

16.45 Uhr: Ohne Gegenkandidat tritt nun der 32jährige Maximilian Kneller aus Nordrhein-Westfalen an. Er ist seit Mai 2013 Mitglied der Partei und will vor allem eines: den Transrapid in Deutschland wiederbeleben. Zumindest im Bundestag setzt er sich dafür ein.

16.42 Uhr: Es ist ein eher schwaches Ergebnis für Micha Fehre. 63,5 Prozent sind ohne Gegenkandidat keine Glanzleistung.

16.37 Uhr: Weit vor der letzten Kundgebung des Tages ziehen zahlreiche Protestler bereits ab. Die erwartete Zahl von mehr als 50.000 Teilnehmern wird wohl nicht erreicht werden.

16.31 Uhr: 89,4 Prozent bekommt Heiko Scholz als Beisitzer. Drei Wahlen gibt es noch, dann ist der Bundesvorstand komplett. Nun tritt Micha Fehre aus Niedersachsen an. Eigentlich war spekuliert worden, ob es einen Gegenkandidaten geben wird. Oft fiel dabei der Name von Maximilian Kneller. Aber Fehre geht ohne Alternative ins Rennen.

16.22 Uhr: Martin Reichhardt wird mit 84,9 Prozent gewählt. Jetzt tritt ohne Gegenkandidat der Hesse Heiko Scholz als Beisitzer an. Man merkt deutlich, dass nun ein vorbereitetes Personenkarussell durchgewählt wird. Keine Gegenkandidaten und alle werden mit etwas mehr als 80 Prozent gewählt.

16.18 Uhr: Draußen im Raucher-Getränke-Bratwurst-Bereich steigt der Unmut. Es gibt kein Bier. „Wir sind seit 3 Uhr wach, eigentlich ist es also schon 20 Uhr. Was soll das jetzt kein Bier auszugeben?“, philosophiert ein Delegierter.

16.12 Uhr: Als Nächstes stellt sich Sachsen-Anhalts Landeschef Martin Reichardt zur Wiederwahl. Auch hier gibt es keinen Gegenkandidaten mehr. Spannend wird nur noch das erwartete Duell zwischen dem Niedersachsen Micha Fehre und Maximilian Kneller aus Nordrhein-Westfalen. Brisant hier: Niedersachsen gilt als Hausmacht von Chrupalla, ist jedoch in vielen anderen Landesverbänden mittlerweile nicht mehr gut angesehen. Käme kein Niedersachse in den Bundesvorstand, wäre das eine schwere Niederlage für das Lager um Chrupalla.

16.07 Uhr: Marc Jongen aus Baden-Württemberg wird als nächtes gewählt. Er kommt auf 80,3 Prozent.

15.55 Uhr: Draußen vor der Halle steht ein Stand mit Thüringer Bratwürsten, der wohl das Geschäft seines Lebens macht. Alkohol dagegen wird nicht ausgeschenkt. Aber in der Not greift so mancher AfDler zur alkoholfreien Version.

15.53 Uhr: Dennis Holoch wird ohne Gegenkandidat erneut in den Bundesvorstand gewählt. Er kommt auf 82,5 Prozent. Die Reihen der Delegierten lichten sich etwas. 353 von insgesamt 600 möglichen Abstimmungsberechtigten sind gerade im Saal.

15.43 Uhr: Als nächstes auf der Tagesordnung: die Wahl des ersten Beisitzers. Alice Weidel persönlich schlägt den Brandenburger Landtagsabgeordneten Dennis Holoch vor. Auch er gehört zum Münzenmaier-Netzwerk. Zugleich gilt das Verhältnis von Holoch zu Chrupalla als belastet. Der Brandenburger galt zu Beginn als eher schwacher Kandidat, doch niemand wirft seinen Hut gegen ihn in den Ring.

15.42 Uhr: Das war deutlich: Der Münzenmaier-Vertraute Jungbluth schlägt Hütter mit 66 zu 33 Prozent.

15.33 Uhr: Die Reden gleichen sich nun mehr und mehr. Interessant sind nur noch die Ergebnisse. Eines hat sich gezeigt: Der Großteil der Delegierten ist an ein Netzwerk angebunden. Mit guten Reden ist kaum noch eine Überraschung möglich. Bisher lief der Tag weitgehend nach Plan für das Münzenmaier-Netzwerk.

15.29 Uhr: Auch die internationale Nachrichten-Plattform „Visegrad24“ berichtet über die Antifa-Attacken auf die JUNGE FREIHEIT und „Apollo News“.

15.28 Uhr: Es folgt die Wahl des stellvertretenden Schatzmeisters. Amtsinhaber Alexander Jungbluth vom Münzenmaier-Netzwerk tritt an und Carsten Hütter, bisheriger Schatzmeister, als Gegenkandidat.

15.26 Uhr: Draußen treffen nach und nach die Blockierer-Verlierer bei der DGB-Versammlung ein. Dort werden sie beklatscht und mit „Siamo tutti Antifascisti“-Gesängen („Wir sind alle Antifaschisten“) empfangen.

15.24 Uhr: Nun im dritten Wahlgang die Entscheidung: Hannes Gnauck gewinnt mit 51 Prozent knapp gegen Hütter, der 44,8 Prozent erreicht. Ein hauchdünner Sieg dann doch für das Münzenmaier-Netzwerk.

15.20 Uhr: Auf einmal wird es doch unruhig im Saal. Was nun? Beide Kandidaten haben keine Mehrheit, doch eine Alternative zu Gnauck und Hütter gibt es bisher nicht. Beide werden erneut vorgeschlagen.

15.19 Uhr: Im zweiten Wahlgang liegt Gnauck mit 48,4 Prozent knapp vor Hütter mit 48,2 Prozent. Doch wieder erreicht niemand die Mehrheit.

15.13 Uhr: Das ist knapp. Hütter bekommt 49,54 und Gnauck 46 Prozent. Keiner bekommt die Mehrheit, aber Hütter liegt vorn. Das ist ein Rückschlag für das Münzenmaier-Netzwerk. Auch wenn es im Vorfeld von allen Seiten hieß, das werde ein knapper Wahlgang.

15.10 Uhr: Auf X schießt das linksradikale „Zentrum für politische Schönheit“ derweil gegen die Zeit, weil ihre Journalistin Mariam Lau die tätlichen Angriffe auf die JUNGE FREIHEIT und „Apollo News“ nicht nur verurteilte, sondern die angegriffenen Reporter als „Kollegen“ bezeichnete. Zudem verbreitet das „Künstler-Kollektiv“ Lügen, indem es behauptet, die beiden JF und „Apollo“ seien im Verfassungsschutz aufgeführt.

15.06 Uhr: Jetzt stellt sich Carsten Hütter vor. Seit sechs Jahren ist er Schatzmeister. Er will offenbar mit einer Erfahrung punkten. 30 Jahre Kaufmann, Handwerksmeister. Hütter attackiert Gnauck. Er verstehe nicht, warum dieser ihm nie Kritik angetragen habe, obwohl ja beide im Bundesvorstand saßen.

„Bitte vertrauen Sie auf meine Kompetenz“, sagt Hütter. Er kündigt eine neue Buchhaltungsplattform an. Es dürfte ein knappes Ergebnis geben. „Hören sie nicht auf diese Netzwerke. Hören sie nicht auf diese Einflüsterer“, bittet Hütter.

14.55 Uhr: Draußen trübt sich die Lage stimmungsmäßig offenbar weiter ein. Schwach angefangen, stark nachgelassen: Erst verliert die Antifa gegen den Wecker und kommt zu spät zum Blockieren, dann streicht sie vorzeitig die Segel.

Der Protestpulk dünnt massiv aus, immer mehr Demonstranten verlassen den Platz vor der Messehalle. Laut Plan sollten die „Widersetzen“-Busse eigentlich erst um 18 Uhr den Rückweg antreten – zumindest nach Berlin.

14.53 Uhr: Das wird ein spannendes Duell. Auch Gnauck wird dem Münzenmaier-Netzwerk zugerechnet. Hütter wird von den Sachsen, also auch von Parteichef Chrupalla, getragen. Der Ausgang des Duells ist völlig offen. Gnauck gilt als eher schwacher Kandidat, Hütter dagegen kämpft seit Jahren mit Kritik aus den eigenen Reihen.

14.47 Uhr: Bei der Wahl des Bundesschatzmeisters tritt der Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck aus Brandenburg gegen den bisherigen Amtsinhaber Carsten Hütter aus Sachsen an.

14.46 Uhr: Die Thüringer Polizei geht mittlerweile von insgesamt 31.000 Protestlern aus. Die angenommenen mehr als 50.000 Menschen sind damit noch immer nicht erreicht. Die DGB-Kundgebung am Messegelände mit etwa 15.000 Teilnehmern erreicht ihr erlaubtes Maximum. „Die Blockaden auf der Autobahn wurden größtenteils von den Teilnehmenden selbst beendet. Die Autobahn ist derzeit noch nicht freigegeben. Die Blockade in der Binderslebener Landstraße besteht weiterhin“, heißt es.


14.44 Uhr: Ebner-Steiner bekommt 55,74 Prozent der Stimmen, gegen die Kandidatin stimmten 44 Prozent.

14.38 Uhr: JF-Kolumnistin Katharina Schmieder, auch bekannt als Critical__Cat auf X, deckt indes auf, dass einer der zum Antifa-Schlägertrupp gehörenden Angreifer auf die JF-Reporter Adrian Pourviseh ist. Der Mann arbeitet als sogenannter „Seenotretter“ und hält Lesungen bei den Grünen.

14.35 Uhr: Ebner-Steiner hält eine eher ruhige Rede. Sie wird nur selten von Applaus unterbrochen. Sie will „neue Zielgruppen erschließen“, schimpft auf die Antifa draußen vor der Tür und möchte sich mehr für die Jugend einsetzen.

14.32 Uhr: Woher kommen die Störgeräusche? Nun machen sich Mitarbeiter auf, den Ursprung zu erkunden. Offenbar wurden Lautsprecher im Vorfeld der Veranstaltung in den Wänden versteckt.

Mitarbeiter und Delegierte suchen die Quelle der Störgeräusche. Foto: JF

14.30 Uhr: Überraschung! Als die bayerische Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner nominiert wird, lehnt der bisherige Vize-Chef Peter Boehringer eine Kandidatur ab. Damit steht nun nur Ebner-Steiner zur Wahl. Sie galt eigentlich nicht als Favoritin, wenn es um die Besetzung des neuen Bundesvorstandes geht.

14.28 Uhr: Möller wird mit 76,5 Prozent sehr deutlich als Vizechef der Partei in den Bundesvorstand gewählt.

Der „Imperial March“ aus Star Wars läuft weiter an verschiedenen Stellen im Saal. Offenbar eine Guerilla-Aktion, um die Delegierten zu nerven.

14.23 Uhr: Der Erfolg der AfD in Thüringen beruhe nicht auf Radikalisierung, sondern auf guter Politik. Es sei ein Mythos, dass AfD-Wähler ein Problem mit Migranten hätten. Es gehe um schlecht ausgebildete illegale Migranten. Möller lobt seinen Co-Sprecher Höcke. „Er ist mein Weggefährte, er ist mein Freund.“ Aber es sei Quatsch, dass Möller von Höcke ferngesteuert werde.

Während Möller spricht, erklingt immer wieder eine Melodie aus Star Wars. Woher sie kommt, ist unklar. Offenbar ist das ein Störmanöver. Mitarbeiter der AfD suchen nach der genauen Quelle des Geräusches.

14.16 Uhr: Weiter geht’s Björn Höcke schlägt seinen Co-Landessprecher als zweiten Vize-Chef vor. Stefan Möller wird nach einer Absprache auch vom Netzwerk um den rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier gestützt. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht.

14.12 Uhr: Und hier ist das Ergebnis:
Tritschler: 50,7 Prozent
Gottschalk: 36,1 Prozent
Nein zu allen: 13,2 Prozent

Weidel setzt sich durch. Allerdings knapper als von manchen vermutet.

14.09 Uhr: Es wird wieder spannend. Wird der von Weidel vorgeschlagene Sven Tritschler gewählt oder der zum Chrupalla-Lager gehörende Kay Gottschalk? So oder so, es wäre ein Signal.

14.05 Uhr: Die JUNGE FREIHEIT hat neue Informationen von der Polizei erhalten: In der Spitze zählten die Sicherheitskräfte bislang 25.000 Demonstranten. Lediglich „vereinzelt“ sei es zu „Auseinandersetzungen gekommen“. Gegen die Antifa-Schläger, die Reporter der JF und von „Apollo News“ attackierten, werde ermittelt.

Der Bundesvorsitzende der DPolG Bundespolizeigewerkschaft Manuel Ostermann (CDU) lobte in einem Interview bei dem TV-Sender „Welt“ die Polizeiarbeit. Er sei „stolz, weil die Einsatzkräfte einen überragenden Job machen“. Sollte es noch passieren, „dass sich die radikale Szene zusammenrottet, um Gewalt-Eskalationen zu betreiben, wird die Polizei eine robuste Antwort finden, die den Linksextremisten dann auf gar keinen Fall gefallen wird“.


Allerdings sei Sicherheit nie zu 100 Prozent garantiert, warnte Ostermann. Auch die linksextremistische Szene sei gut organisiert und habe Pläne. „Null Toleranz für die, die nicht tolerant sind“, sei die Devise der Einsatzkräfte.

14.04 Uhr: Jetzt spricht Sven Tritschler. Er attackiert innerparteiliche Konkurrenten, die anonym gegen ihn agitieren würden. „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab“, ruft er in den Saal. Der Applaus ist übersichtlich. Jetzt kommen die AfD-Klassiker: „Die Tage des Altparteien-Regimes sind gezählt.“ Der Erfolg der AfD ziehe auch Glücksritter an. „Remigration ist nicht verhandelbar“, sagt Tritschler. „Wir lassen uns nicht von außen vorschreiben, wer Mitglied bei uns sein darf.“

Attacke auf Tom Röhrbeck: Die AfD dürfe sich nicht von solchen zwielichtigen Charakteren beeinflussen lassen. Dann Angriff auf Gottschalk: Es helfe nichts, 20 Mal „Remigration“ ins Mikrofon zu brüllen, wenn man dann im Landesvorstand von NRW Parteiausschlussverfahren gegen verdiente Mitglieder betreibe.

13.55 Uhr: Als Erstes spricht Gottschalk. Er gilt als guter Redner. Kann er damit wettmachen, dass sein Konkurrent von Weidel vorgeschlagen wurde?

Gottschalk spricht von einer Krise Deutschlands. Ecuador hätte eine deutsche Nationalmannschaft vor der Grenzöffnung besiegt, glaubt Gottschalk. Dann wird er laut: Die Nationalmannschaft spiegele den Zustand Deutschlands wider. Er redet so laut, dass nicht alles zu verstehen ist. Gottschalk rennt durch die Themen: Syrer und Afghanen im Bürgergeld, 1,4 Millionen Ausländer müssten remigriert werden.

13.49 Uhr: Die erste Kampfabstimmung folgt. Weidel schlägt Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen vor. Sein Gegenkandidat ist der bisherige Bundesvize Kay Gottschalk. Es ist kein Geheimnis, dass Weidel so ihre Probleme mit Gottschalk hat. Es ist auch Teil eines innerparteilichen Machtkampfes in NRW. Tritschler gehört zum Lager von Matthias Helferich, Gottschalk steht bei Landessprecher Marzin Vincentz. Pikant: Vincentz gilt als Chrupalla-Unterstützer. Nun könnte sich zeigen, welcher der beiden Parteichefs mehr Einfluss geltend machen kann.

13.40 Uhr: Dem Applaus nach müsste Weidel deutlich mehr Stimmen bekommen als ihr Co-Sprecher. Und so kommt es auch: Weidel wird mit 81,1 Prozent wieder zur Parteichefin gewählt.

13.37 Uhr: Weidel wird lauter und auch der Beifall wird es. „Wir wollen keinen Staat, der in alles eingreift“, ruft sie jetzt. „Endlich wieder freie Marktwirtschaft.“ Die 47jährige erntet deutlich mehr Applaus als zuvor Chrupalla. Scharf attackiert sie die Zahlungen an die Ukraine. „Wir werden die Grenzen schließen.“

Die AfD werde die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewinnen. Weidel massiert die Seelen der Delegierten. Standing Ovations bekam Chrupalla am Ende seiner Rede nicht. Diese Rede war auch eine Machtdemonstration.

13.33 Uhr: Jetzt spricht Weidel. Auch sie hat acht Minuten, sich vorzustellen. Sie beginnt ihre Rede mit Danksagungen an die Mitarbeiter der Partei, der Polizei und der Messehalle. Dann legt sie los. „Der Bundeskanzler lebt in seiner ganz eigenen Realität“, stichelt Weidel. Sie spielt damit auf einen Tweet von Merz an, in welchem er die Nationalmannschaft gelobt hatte.

Weiter geht’s: Statt eines Endes der Massenmigration gebe es jetzt eine Attestpflicht für kranke Arbeitnehmer. „Deutlicher kann eine Regierung nicht machen, dass sie überfordert ist, Deutschland zu führen.“ Die Deindustrialisierung des Landes schreite voran. „Es ist sehr bitter zu sehen, wie hart arbeitende Steuerzahler in wirtschaftliche Existenznöte getrieben werden.“ Nur die AfD gebe diesen Menschen eine Stimme.

13.27 Uhr: Nun wird der zweite Sprecher gewählt. Der wiedergewählte Chrupalla schlägt Alice Weidel vor. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht. Gerüchte, der sächsische Bundestagsabgeordnete Matthias Moosdorf könne gegen Weidel antreten, haben sich nicht bewahrheitet.

13.26 Uhr: Unterdessen haben mehrere Journalisten empört auf die Angriffe der Antifa-Schläger auf Journalisten der JUNGEN FREIHEIT und „Apollo News“ reagiert. Darunter Paul Ronzheimer von der Bild-Zeitung und Zeit-Journalistin Mariam Lau.


13.22 Uhr: Und hier ist das Ergebnis: Chrupalla wird mit 70 Prozent wieder gewählt. Fast 30 Prozent stimmen gegen den Sachsen. Das ist ein schwaches Ergebnis. Aber: Gewählt ist gewählt. Der 51jährige nimmt die Wahl an.

13.22 Uhr: Es wird spannend. Bei der vergangenen Wahl 2024 erhielt Chrupalla mehr als 82 Prozent. Werden es nun weniger? Oder mehr? Beobachter waren zuvor von einem schwächeren Ergebnis ausgegangen.

13.20 Uhr: Am Ende der Rede gibt es starken, aber nicht übermäßigen Applaus. Bemerkenswert: Seine Lieblingsthemen, Friedenspolitik und bessere Kontakte nach Russland, kommen nicht in der Rede vor.

Nun können die Mitglieder Fragen stellen. Wie das Außenbild der Partei verbessert werden kann, fragt ein Delegierter. „Wir müssen regieren“, antwortet Chrupalla. Scharf kritisiert der Handwerksmeister, dass AfD-Mitgliedern der Waffenschein entzogen werden soll.

Nächste Frage: Wieso Chrupalla mit einem „Examensfälscher“ in Düren aufgetreten sei. Es geht um einen Machtkampf in NRW. Chrupalla weicht geschickt aus. „Wer mich einlädt, da fahre ich auch hin. Die Dinge vor Ort müssen auch vor Ort geklärt werden.“

13.14 Uhr: Eine AfD-Regierung werde einen Scherbenhaufen erben, sagt Chrupalla. „Sie werden uns Steine in den Weg legen.“ Die AfD repräsentiere alle Bevölkerungsschichten. „Der Westdeutsche ist genauso Deutscher wie Ostdeutsche“, unterstreicht Chrupalla. Das ist eine Spitze gegen Thüringens Landeschef Björn Höcke, der Westdeutsche als „deutsch sprechende Amerikaner“ bezeichnet hatte.

13.10 Uhr: Chrupalla hat acht Minuten Redezeit. „Wir sind die Zukunft für Deutschland“, beginnt der Sachse seine Rede. Die AfD wolle regieren. „Wir sind keine Oppositionspartei“, sagt er. Die guten Umfragewerte seien das Ergebnis richtiger Grundsatzentscheidungen und der Sacharbeit in den Parlamenten. „Wir stehen auf der Seite Deutschlands.“

„Wir sind zur Volkspartei gewachsen“, freut sich Chrupalla. „Wir können Opposition und wir können Regierung.“ Die AfD wolle die Zukunft gestalten. Wichtigstes Thema sei Energie. Nur dann könne ein Industrieland überleben.

13.04 Uhr: Als erstes wird sich Tino Chrupalla vorstellen – vorgeschlagen von Alice Weidel.

12.54 Uhr: Jetzt geht es los. Top 12 wird aufgerufen. Jetzt beginnt gleich die Wahl des neuen Bundesvorstandes. Erste wichtige Frage: Wie viele Vorsitzende werden gewählt? Die Entscheidung fällt schnell: Es soll bei einer Doppelspitze bleiben. Andere Vorschläge gibt es nicht.

12.52 Uhr: Weiß fordert ein Verbot der Antifa. „Wenn die stärkste Partei im Land ihren Parteitag nur in einer Festung abhalten kann, ist das kein Fest der Demokratie, sondern ein Anschlag auf die Demokratie“. Weiß: „Wir werden den Linksextremismus zerschlagen.“ Wortmeldungen zur Resolution gibt es nicht. Sie wird einstimmig verabschiedet.

12.47 Uhr: Weiter geht es mit der Resolution „Linksterrorismus bekämpfen“ weiter. „Dieser Staat ist auf dem linken Auge blind und versagt beim Kampf gegen den Linksterrorismus“, begründet der innenpolitische Sprecher der Berliner AfD, Thorsten Weiß, den Antrag.

12.43 Uhr: Jetzt spricht der AfD-Ministerpräsidentenkandidat für Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, zur Resolution. „Die Fleißigen gehen“, ruft Holm. „Wir sind kein klassisches Einwanderungsland und wollen es auch nicht werden“, betont der Schweriner.

12.40 Uhr: Drinnen berät die Partei währenddessen eine Resolution, die sich mit der Remigration von ins Ausland abgewanderten Deutschen beschäftigt und die Bundesregierung auffordert, mehr dagegen zu tun, dass Deutsche auswandern. Im Text heißt es: „Deutschland darf nicht das Land sein, das seine besten Köpfe verliert. Es muss wieder das Land werden, in dem Arbeit, Familie und Eigenverantwortung Zukunft haben. Wir wollen der Abwanderung deutscher Bürger durch vernünftige Politik entgegentreten – und Deutschland wieder zu einem Land machen, das Hoffnung schenkt, statt sie zu rauben.“

12.30 Uhr: Aktuell meldet die Polizei zwei Versammlungen. Der Jusos-Aufzug bewegt sich mit geschätzten 7.500 Teilnehmern vom Willy-Brandt-Platz Richtung Messe, während die Kundgebung des DGB am Marktplatz etwa 4.000 Demonstranten zählt. „Erste Blockaden auf der A71 wurden von den Teilnehmenden selbst beendet. Mehrere tausend Menschen befinden sich weiterhin auf der Autobahn – es kommt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen“, teilten die Behörden mit.

12.19 Uhr: Einer der attackierten Reporter erlitt „mehrere blutende Wunden, darunter eine Wunde am Kopf“, wie „Apollo“ berichtet. Er habe anhaltende Schmerzen an der Schläfe. Aufnahmen zeigen, wie einem am Boden liegenden Journalisten gegen den Kopf getreten wird.

Die „Apollo“-Reporter mussten von Sanitätern versorgt werden. Zudem wurden sie von den Linksextremisten mit Farbe besprüht.

Erst am Morgen hatten Teilnehmer der Anti-AfD-Demonstrationen ein Reporterteam der JUNGEN FREIHEIT körperlich angegriffen, einem Reporter dabei ins Gesicht geboxt und ein Mobiltelefon geraubt. Inzwischen wurde das Handy wiedererlangt.

12.03 Uhr: Die Szene, die den Angriff auf die Kollegen von „Apollo News“ unter dem Antifa-Schlachtruf „Wir kriegen euch alle“ zeigt, erinnert an eine Hetzjagd.

12.00 Uhr: Neben der JF wurden auch drei Reporter von „Apollo News“ Ziel eines Antifa-Angriffs und zusammengeschlagen. „Die Kollegen wurden vor Ort von Rettungssanitätern versorgt: Platzwunden am Kopf, Schürfwunden, Prellungen“, schreibt Chefredakteur Max Mannhart auf X.

11.57 Uhr: Jetzt kommen ein paar Zahlen: Schatzmeister Carsten Hütter hält seinen Bericht. Er bezeichnet sich als „Dienstleister der Partei“. Viele Delegierte verlassen plötzlich den Saal. Ein Zeichen? Oder wollen einige nur in die Mittagspause? Klar ist: Hütter muss sich wohl einer Kampfabstimmung stellen müssen bei der späteren Wahl des neuen Bundesvorstandes.

Hier die Fakten aus Hütters Vortrag:
Die Einnahmen des Bundesverbandes haben sich 2025 auf 33 Millionen Euro gesteigert. Die Ausgaben lagen bei 27 Millionen Euro. Trotz Bundestagswahlkampf habe die Partei Gewinn gemacht. Das Vermögen der Bundespartei soll bei 31 Millionen liegen.

11.55 Uhr: Obwohl das Ziel von „Widersetzen“, den AfD-Parteitag zu verhindern, gescheitert ist, teilt Bündnissprecher Noa Sander mit, „gewonnen“ zu haben. „Sie kriechen in eine halbleere Halle, wie die Verbrecher, die sie sind. Wir stehen aufrecht: Erfurt ist heute antifaschistische Hauptstadt.“ Garniert wird die Telegram-Nachricht mit dem Spruch „Antifa 4 ever“.

Im Visier der Antifa-Bewegung ist auch die CDU. Foto: Telegram/„Widersetzen“/ Screenshot: JF

11.52 Uhr: Weidel kommt zum Ende des Tätigkeitsberichtes des Bundesvorstandes Die Möglichkeit der Debatte über die Rede wollen die Delegierten nicht nutzen. Es geht schnell weiter durch die Tagesordnung.

11.46 Uhr: „Warum bekommt unsere Stiftung kein Geld?“, fragt Weidel. „Wir sind die Volkspartei in Deutschland, darum hat unsere Stiftung Geld verdient, wie die anderen Stiftungen auch.“

Die Arbeitsgruppe „Regierungsbeteiligung“ sei ebenfalls gegründet worden. „Wir sind perfekt vorbereitet.“ Die anderen Parteien würden ihr „blaues Wunder“ erleben.

55 Kauf- und Mietobjekte seien für eine neue Bundesgeschäftsstelle begutachtet worden. „Wir werden eine zufriedenstellende Lösung finden.“ Wer es besser wüsste, könne sich mit dem Bundesvorstand auseinandersetzen. Der Berliner Immobilienmarkt warte nicht auf die AfD.

11.40 Uhr: Im Saal hebt Weidel die deutlich steigende Mitgliederzahl der AfD hervor. Von 30.000 im Jahr 2023 auf nun 75.000 Mitglieder. Sie sei überzeugt, dass bald die Marke von 100.000 geknackt werde.

Auch bei der Organisation und Struktur sei die Partei deutlich vorangekommen. Insbesondere die Akademie „Schwarz-Rot-Gold“ mache gute Arbeit und bereite die Mitglieder auf die Regierungsübernahme vor.

11.39 Uhr: Weitere Ex-Blockierer bahnen sich nun ihren Weg zur DGB-Kundgebung. Die Polizei lässt sie passieren, nachdem sie die potentiell Gewaltbereiten abgefilmt hat.

11.35 Uhr: Eigentlich soll Weidel einen Rechenschaftsbericht ablegen. Stattdessen hält sie bereits eine Art Bewerbungsrede. „Ich weine der SPD keine einzige Träne hinterher“, sagt sie unter großem Applaus des Publikums. Sie verweist auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln. „Den Abwehrkampf gegen den Verfassungsschutz führen wir mittlerweile mit Erfolg.“ Zehntausende Arbeitstunden seien dafür im „Maschinenraum der Partei“ geleistet worden . Auch sie dankt Roman Reusch, der dafür im Vorstand bisher zuständig war.

Jetzt gibt es noch Lob für den Parteinachwuchs. Die neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“ leiste gute Arbeit. Überall gebe es nun Landesverbände. Mehr als 3.000 Mitglieder soll die Jugendorganisation haben.

11.32 Uhr: Draußen fängt ein Reporter der Bild-Zeitung unterdessen gewaltsame Szenen ein. Linksextremisten attackieren Journalisten, die von den Schlägern für Rechte gehalten werden und treten noch am Boden auf die Köpfe der Berichterstatter ein. Die Polizei geht mit Pfefferspray und Schlagstöcken dazwischen und drängt die Angreifer zurück.

11.28 Uhr: Weidel redet sich in der Halle derweil in Rage: Die CDU verbiete die Deutschlandfahnen. „Die CDU macht Politik gegen die Deutschen, gegen Deutschland und unsere Interessen.“ Darum taufe die AfD ihre Parteitage in Schwarz-Rot-Gold. „Das sind unsere Farben, die Farben unseres Landes.“ Während die das sagt, holen viele Delegierte vorher ausgelegte Deutschlandfahnen vom Tisch und winken damit. Das ganze Land müsse in Schwarz-Rot-Gold getaucht werden.

Weidel kündigt an, die AfD werde ihr Grundsatzprogramm überarbeiten. Nächstes Jahr soll es fertig sein.

11.26 Uhr: Die sich als verschiedenfarbige „Finger“ bezeichnenden Aktionsgruppen, die die Anfahrt der AfD-Delegierten durch ihre Blockade verhindern sollten, schließen sich teils zusammen und verlegen Richtung Erfurter Innenstadt, wo ein großer Demonstrationszug auf sie wartet.

11.20 Uhr: Und der nächste Film wird eingespielt. Es ist ein Rückblick auf den Wahlkampf.

11.19 Uhr: Weidel lobt die „hervorragende Arbeit“ der EU-Abgeordneten. „Das haben Sie mit Bravour gemacht.“ Mit allen anderen rechten Parteien sei es gelungen, den Migrationswahnsinn der EU zu beenden. Sie geißelt den Missbrauch des Rechtsstaats. „Es gibt nur einen Souverän im Land und das ist das deutsche Volk“, sagt Weidel. Sie blickt auf den Wahlkampf zurück. „Von null auf 100 haben wir ein 177seitiges Wahlprogramm aus dem Boden gestampft und eine schlagfertige Kampagne auf die Beine gestellt.“ Darauf könnten die Mitglieder stolz sein.

11.13 Uhr: Alice Weidel hält den Rechenschaftsbericht für den Bundesvorstand. Sie listet die Erfolge in Wahlen und Umfragen auf. „Unser politischer Kampf hat sich ausgezahlt. Wir brauchen einen langen Atem.“

11.11 Uhr: Am Himmel dreht eine einsame Propellermaschine ihre Kreise und zieht ein Banner mit der Aufschrift „Nazis nerven!“ hinter sich her. Weil die Flugminute neun Euro koste, tauchten im Vorfeld des Parteitages Bettelvideos auf Instagram auf, die die Aktion unterstützen sollten.

Eine Propellermaschine dreht einsam ihre Kreise. Foto: JF

11.08 Uhr: Der Thüringer Landesvorsitzende sagt, ein großartiges Deutschland sei souverän, weltoffen und ein Brückenbauer zwischen Ost und West. Die Menschenwürde müsse auch für Deutsche gelten, die zur Minderheit im eigenen Land würden. „Wir sind auf der Siegesstraße der Geschichte.“ Am Ende gibt es viel Applaus für Höcke.

11.02 Uhr: Höcke kritisiert die Brandmauer der „Kartellparteien“. Doch jetzt sei die AfD stärkste Kraft im Land und werde bald einen Ministerpräsidenten stellen. Der Thüringer Landeschef verweist auf die Gegendemonstration: „Daran sind die Kartellparteien Schuld.“ Milliarden Euro Steuergeld seien in eine Zivilgesellschaft geflossen, die Bürgerkrieg spiele.

In die Organisationen, die gegen den AfD-Parteitag mobil machten, seien 300 Millionen Euro Steuergeld geflossen. Es sei das Vorfeld der „Kartellparteien“. Höcke weiter: „Wir brauchen kein betreutes Denken.“

11.00 Uhr: Als gastgebender Landesverband darf Thüringen begrüßen. Björn Höcke geht ans Podium und legt eine Deutschlandfahne über das Rednerpult. Eine Anspielung auf Angela Merkels bekannte Szene, als sie eine Deutschlandflagge nach einer Wahl aus der Hand gab.

Höcke lobt die Organisation. „Wir haben Schlimmeres erwartet.“ Er begrüßt die Spitzenkandidaten für Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm und Enrico Schult. Dann lobt er die Berliner Spitzenkandidatin Kristin Brinker. Doch den größten Applaus bekommt erneut Sachsen-Anhalts Spitzenkandidat Ulrich Siegmund.

10.55 Uhr: Drinnen sind mittlerweile 569 Delegierte akkreditiert.

Abseits der Messehalle scheint für viele Demonstranten der Protest aufgrund der Erfolglosigkeit nun in eine Art linkes Klassentreffen überzugehen. In einer internen Gruppe der Grünen Jugend (GJ) posten Teilnehmer Gruppenfotos von Bierbänken. Laetitia Wendt, Mitglied im GJ-Bundesvorstand, wirbt für ihren mit einer Regenbogenfahne geschmückten Stand: „Ihr könnt uns auch hier den ganzen Tag treffen, euch ein Wassereis abholen (wir haben 800 Stück) und chillen“, schreibt sie.

Alternativ könne man „aktivierende Gespräche mit den Menschen führen“.

10.50 Uhr: Jetzt wird es spannend. Wird die AfD über die Änderung der Unvereinbarkeitsliste abstimmen? Parteichefin Alice Weidel ergreift das Wort. Sie sagt: Der Bundesvorstand hätte die Unvereinbarkeitsliste längst überarbeiten müssen. Der neue Bundesvorstand werde das Thema binnen eines Jahres angehen. Deswegen bittet sie, den Antrag zurückzuziehen. Und das passiert auch. Das Thema ist damit für diesen Parteitag abgeräumt.

10.45 Uhr: Anders als die Transparente es versprechen, können die linksextremen Demonstranten auf der Autobahn A71 keine „Faschos jagen“. Verlassen und allein setzen sie ihre Sitzblockade fort. Auch für die Jugend ist die Straße offenbar kein sonderlich geeigneter Platz für ihre plakatierte Revolution.

10.40 Uhr: Eine erste Testabstimmung mit den elektronischen Ergebnissen zur Frage, ob die Anreise gut war, wird durchgeführt. Ergebnis: Ja sagen 92,8, mit Nein stimmen 7,2 Prozent. 527 Delegierte sind vor Ort. Insgesamt gibt es 600.

10.38 Uhr: Die Versammlungsleitung liest minutenlang die Ergebnisse eines Gutachtens vor, wonach die elektronischen Abstimmungsgeräte sicher sind.

Trotz des angelaufenen Parteitags, halten die „Widersetzen“-Demonstranten ihre Blockaden aufrecht. Die Stimmung scheint dennoch getrübt zu sein. Laut Aussage eines Aktionsgruppen-Sprechers kam es auf einer Autobahnbrücke zu einer weiteren Festnahme. Am Bahnhof findet die nächste große Kundgebung statt.

10.32 Uhr: Die Wahlen für die Zähl- und Satzungskommission gehen schnell durch. Nirgendwo erhebt sich Widerspruch. Alles geht routiniert über die Bühne.

10.25 Uhr: Drinnen macht sich Routine breit. Versammlungsleiter und Protokollführer werden einstimmig gewählt. Die Partei ist lange erwachsen geworden.

10.20 Uhr: „Alice Weidel und Tino Chrupalla sind ein Herz und eine Seele“, sagt Chrupalla.

10.19 Uhr: Eher verhaltener Applaus, als Chrupalla Roman Reusch aus dem Bundesvorstand verabschiedet. Reusch war parteiintern für die Auseinandersetzung mit dem Verfassungsschutz verantwortlich.

„Unsere Botschaft ist die Einigkeit dieses Landes. Ohne Spaltung zwischen Ost und West.“

10.17 Uhr: Nun teilt Chrupalla gegen Katrin Göring-Eckardt aus. Diese habe in Thüringen bei der Wahl nicht einmal drei Prozent bekommen. Doch dann wird es schnell ernst: „Diese Chaoten sind das letzte Aufgebot der Konkurrenz.“ Die SPD habe ihren Volksparteistatus verloren und lebe nur noch von Staatsmitteln. Die AfD sei die neue Arbeiterpartei.

Die Grünen betrieben eine Verbotspolitik, die FDP liege im Schützengraben und die Linkspartei werde nur noch durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am Leben erhalten.

„Diese Parteipolitiker glauben, sie hätten die Demokratie gepachtet.“ Die Presse habe im Vorfeld versucht, einen Keil in die Partei zu treiben. Dabei sei die AfD so geeint wie noch nie. „Der scheidende Vorstand ist der bisher erfolgreichste der Parteigeschichte.“

10.16 Uhr: Chrupalla dankt der Polizei. „Die Zeit für Deutschland soll heute hier beginnen mit der AfD.“ In Thüringen habe die Partei ihren größten Wahlerfolg erzielt. Eigentlich, so der Bundesvorsitzende, müsste die AfD hier regieren. Doch eine Koalition der Verlierer sei stattdessen im Amt.

„Vielleicht können wir schon bald allein regieren“, ruft Chrupalla. Aber es ist ganz klar: Der Star des Tages ist Ulrich Siegmund.

10.14 Uhr: Zurück in die Messehalle: Jetzt kommt Tino Chrupalla und der Saal stellt fest, dass der Paarteitag ordnungsgemäß einberufen wurde. „Liebe Frühaufsteher“, begrüßt Chrupalla die Delegierten. Die Antifa habe verschlafen, ätzt der Parteichef. „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“

10.12 Uhr: Hier wird der Moment gezeigt, als vermummte Antifa-Schläger hinterrücks JF-Redakteur Vadim Derksen und JF-Influencerin Lena attackieren. Derksen boxen die Angreifer ins Gesicht. Dass mit unserer Influencerin Lena eine Frau dabei ist, hält den prügelnden Mob nicht auf. Mit anwesend: „Widersetzen“-Organisator Suraj Mailitafi und der linke Youtuber Marcant. Das gestohlene Handy unseres Reporters konnte wiedererlangt werden.

10.08 Uhr: Bevor es losgeht, wird ein Image-Film eingespielt. Unter dem Motto „Neustart für Deutschland“ wird aus dem Saal kurz ein Theater ­– inklusive Lichteffekten. Die Delegierten bringen sich in Stimmung. Als Ulrich Siegmund im Film auftaucht, brandet Jubel auf. Bei der Einblendung der Spitzenkandidaten aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, bleibt es ruhig.

Ganz klar: Ulrich Siegmund ist hier Held des Saales.

10.03 Uhr: Während in der Erfurter Messehalle der Parteitag wie geplant seinen Lauf nimmt, werden die Blockaden draußen von der Polizei geräumt. Teilweise setzen die Beamten auch Schlagstöcke ein.

Aufgelöste Blockade. Foto: JF

10.00 Uhr: Der Leiter der Bundesgeschäftsstelle, Hans-Holger Malcomeß, eröffnet den 17. AfD-Bundesparteitag unter großem Applaus. Besonders laut wird es, als er die Polizei lobt. Zum ersten mal seit Jahren beginne eine Parteitag pünktlich .„Die allermeisten Delegierten haben es geschafft.“

9.58 Uhr: Bei einer Blockade auf einem Feldweg sind sich die Demonstranten der Antifa abermals uneinig. Dieses Mal wissen sie nicht, ob sie unsere Reporter beleidigen sollen oder einfach schweigen.

9.54 Uhr: In zehn Minuten soll der Parteitag starten. Es sieht alles danach aus, als ob das auch passiert. Beide Parteichefs wurden bereits in der Halle gesichtet und 90 Prozent der Plätze für die Delegierten sind bereits besetzt. Hier und da stehen einige kleine Grüppchen und diskutieren angeregt.

Nach den Eröffnungsreden soll dann auch gleich der Bundesvorstand gewählt werden. Klappt alles wie bisher, könnte er heute schon vollständig stehen.

9.52 Uhr: Der Bundesgeschäftsführer des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), Jonas Schwarz, verkündet, die Zwecklosigkeit der Blockaden. „Mittlerweile sind schon über 500 Delegierte der AfD in der Messehalle. Der Parteitag wird jetzt gleich starten“, gesteht er unter Buh-Rufen ein. Schwarz beklagt, dass die AfD-Politiker „viel früher“ aufgestanden sind und „gestartet haben“ als die Antifa-Blockierer.

Der SDS ist einer der maßgeblichen Mitorganisatoren des Demonstrationsbündnisses gegen den AfD-Parteitag.

9.38 Uhr: Großes Thema vor dem Parteitag: Überarbeitet die AfD ihre Unvereinbarkeitsliste? Unter anderem der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke drängt auf eine Überarbeitung. Dabei soll eine gegenwärtige oder in der Vergangenheit bestehende Mitgliedschaft nur in jenen Parteien und Organisationen unvereinbar mit der Mitgliedschaft der AfD sein“, sofern sie „auf die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und Errichtung einer Diktatur abzielende Programmatik“ haben oder zum gewalttätigen Umsturz aufrufen. Zudem solle eine Verjährungsfrist von zehn Jahren eingeführt werden, nach der auch Personen aus solchen Organisationen Mitglied der AfD werden.

Doch es zeichnet sich nach JF-Informationen ab, dass dieses Thema es wohl nicht auf die Tagesordnung schaffen wird. Für eine Änderung wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig gewesen. Diese ist wohl nicht in Sicht.

9.35 Uhr: Auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT teilte die Polizei Thüringen mit, neben den drei sichergestellten Drohnen zwölf Straftaten und fünf Ordnungswidrigkeiten in der Nacht festgestellt zu haben. Im Laufe des Tages informiert der Einsatzstab der Sicherheitsbehörden über weitere aktuelle Zahlen.

9.26 Uhr: Parteichef Tino Chrupalla trifft ein und wird gleich von Mitgliedern umringt, die Fotos mit ihm machen wollen. Dass er heute wiedergewählt wird, steht eigentlich außer Frage. Immer mit dabei: seine Leibwächter vom Bundeskriminalamt.

9.20 Uhr: Auch die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel ist seit einiger Zeit in der Halle und rechnet mit einem „pünktlichen Beginn“ des Parteitags.

9.09 Uhr: Neben den sechs bestehenden Blockaden melden die Behörden zwei neue. Auch hat sich das Teilnehmeraufgebot nun auf mehr als 20.000 erhöht. „Protest ist legitim. Deshalb gehen wir mit Blockaden im Stadtgebiet und Umland versammlungsfreundlich und kommunikativ um“, schreibt die Polizei Thüringen dazu auf X. „Räumungen erfolgen erst, wenn mehrere Gespräche zur Auflösung erfolglos bleiben.“

9.05 Uhr: Bei Gottstedt löst die Polizei eine Blockade mittels Pfefferspray auf.

8.58 Uhr: Eine junge Frau greift zur Kreide und schreibt in großen Lettern eine Parole auf die Straße.

Allerdings unterläuft ihr dabei ein Fauxpas. Weder sie noch ihre Freunde scheinen den Fehler zu bemerken.

8.52 Uhr: Auch in der Halle gibt es Neuigkeiten zum Personaltableau. Überraschend wird der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Marcel Queckemeyer nicht antreten. Innerparteilich war der Widerstand gegen seine Kandidatur groß, wie die JF erfuhr. Insbesondere das Netzwerk um den Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier sah Queckemeyer, der selbst zum Lager um Parteichef Tino Chrupalla gerechnet wird, kritisch. An seiner Stelle soll ein anderer Abgeordneter aus Niedersachsen antreten. Micha Fehre soll den Verband künftig im Vorstand vertreten.

8.49 Uhr: Drinnen ist die Halle schon gut gefüllt. Auf den Gängen wird geplaudert und versucht, bisschen Zeit totzuschlagen. Um 10 Uhr soll es losgehen.

Gelangweilte Antifa-Demonstranten zünden derweil Pyrotechnik auf einem Feldweg ab.


8.40 Uhr: Erste Einschätzung von JF-Redakteur Henning Hoffgaard zu den linksextremen Gegenprotesten:

Die Taktik der Polizei scheint bisher weitgehend aufzugehen. Die AfD-Delegierten wurden lange vor den ersten Blockaden in mehreren Bussen in die Halle geleitet. Mehr als 550 sind bereits vor Ort. Das Ziel von „Widersetzen“ ist damit völlig gescheitert. Nun macht man gute Miene zum bösen Spiel und blockiert Straßen und sogar abseitige Feldwege, die von gar keinem AfD-Anhänger genutzt werden.

Es geht jetzt vor allem darum, die tausenden angereisten Gegendemonstranten irgendwie bei Laune zu halten. Die Bilder von blockierten Autobahnen, die lange vorher von der Polizei gesperrt waren, sehen zwar imposant aus, sind jedoch völlig nutzlos.

8.34 Uhr: Im Visier der linksextremen Szene sind nicht nur AfD-Delegierte, auch Bundeswehr-Soldaten sind offenbar gefährdet. Die Soldaten sollen besser keine Uniform tragen, heißt es in einem internen Vermerk. Konkret: „Minimieren Sie Bahnfahrten oder Bewegungen im öffentlichen Raum in Uniform.“

8.32 Uhr: Vor der Messehalle beginnen in Kürze die ersten Reden auf den Podien der Gegendemonstration.

8.28 Uhr: Mithilfe von Polizeihunden stellen die Behörden sicher, dass die Demonstranten nicht querfeldein zum Messegelände gelangen.


8.24 Uhr: Von den angekündigten mehr als 50.000 Teilnehmern ist das Aufgebot gegen die AfD noch weit entfernt. Laut Polizei befinden sich gut „15.000 Versammlungsteilnehmende“ in und um Erfurt.

8.19 Uhr: Bei der Antifa macht sich ein bisschen Verzweiflung breit. Da der AfD-Parteitag, wie es scheint, nicht mehr verhindert werden kann, wird nun die Blockade von zwei Feldwegen als Erfolg verbucht.


8.16 Uhr: Während BFE-Einheiten in der Innenstadt Schlagstöcke gegen die Linksextremisten einsetzen, flüchten diese andernorts von den Land- und Bundesstraßen, um Polizeieinheiten zu umgehen.


8.12 Uhr: Bei den Demo-Teilnehmern wird die Stimmung hitziger. Sie zünden vermehrt Pyros an und stoßen Mülltonnen in der Stadt um.

8.09 Uhr: Langsam reiht sich die Kundgebung, die am Hauptbahnhof startete, bei den anderen Demonstranten am Messegelände ein.

Mit Trillerpfeifen unterlegt, singt die Menge „Siamo tutti Antifascisti“ („Wir sind alle Antifaschisten“).

8.07 Uhr: Die „Widersetzen“-Demonstranten geben sich auf Telegram sehr selbstsicher. „Auf diesem Parteitag plant die AfD ihre Machtübernahme in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Wir können sie stoppen!“ , heißt es dort. „Watch us cook.“ Der Pressesprecher von „Widersetzen“ meint, mit den Blockaden „das AfD-Verbot auf der Autobahn“ durchsetzen zu können. Einige Blockierer müssen bei ihrem Vorhaben allerdings einen Umweg über Felder machen.

8.00 Uhr: Zwei Stunden vor dem planmäßigen Beginn des AfD-Bundesparteitages werden die Tore zum Hauptsaal geöffnet. Dieser füllt sich rasch. An der Messe verläuft offenbar alles reibungslos.

7.50 Uhr: In der Messehalle ist es dagegen friedlich. Dort werden plötzlich Blumen durch den Gang gefahren. Für den neu gewählten Bundesvorstand?

7.36 Uhr: Ein Reporterteam der JUNGEN FREIHEIT wurde von Antifa-Extremisten angegriffen. Social-Media-Chef Vadim Derksen haben sie dabei ins Gesicht geschlagen und das Handy geklaut.

7.34 Uhr: Zurück auf dem Messegelände ist die Stimmung nach wie vor entspannt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Thore Stein, sagt, er sei problemlos angekommen. Auf dem Parteitag hofft er, dass die AfD „auf altbewährte Konzepte“ setzt und erfolgreich in die anstehenden Landtagswahlen startet.

7.29 Uhr: Die Thüringer Polizei zählt mittlerweile sieben Versammlungen im Erfurter Stadtgebiet. Bislang sollen es insgesamt nur rund 4.000 Demonstranten sein. Zusätzlich hätten sich mehrere tausend Personen auf Fahrbahnen niedergelegt.

7.06 Uhr: Der etwa 40 Personen starke Block der MLPD trübt die linke Party. Die Sprecherin mit dem Mikrofon betont, wie sehr es sie freue, dass so viele verschiedene Organisationen hier gegen die „faschistische AfD“ auf die Straße gehen. Doch dann fordert sie den Demonstrationswagen vor ihr auf, die Israelfahne abzuhängen, schließlich seien aufrechte Linke „gegen jeden Faschismus“. Lautstarker Jubel von den eigenen Leuten, leise Buhrufe vom angesprochenen Wagen folgen.


Kurz zuvor sorgte die marxistische Kleinpartei noch für allgemeine Erheiterung. Die Gruppe bleibt stehen, einige gehen in die Hocke. Die Frau ruft Parolen ins Mikrofon, dann rennen alle los.

Generell ist der Block der MLPD äußerst laut, gemessen an seiner geringen Größe.

7.01 Uhr: Von den erwarteten zehn Bussen mit AfD-Delegierten sind bereits alle eingetroffen. Die Antifa-Taktik mit Aktionsgruppen, sogenannten Fingern, eine Faust zu bilden und die Zufahrtswege nach Erfurt zu blockieren, scheint nicht rechtzeitig aufgegangen zu sein.


6.53 Uhr: Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung. Inzwischen ist die Teilnehnerzahl deutlich gestiegen, mehrere Tausend sind auf der Route vom Hauptbahnhof zur Messehalle unterwegs. Die Menge skandiert „Alle zusammen gegen den Faschismus!“ und „Hoch die internationale Solidarität!“

Eine junge Frau heizt die Menge mit einem Megaphon an: „Nazis gibt’s in jeder Stadt – bildet Banden, macht sie platt!“ Auch andernorts wie in Frienstedt machen sich Antifa-Trupps nun auf den Weg zum Messegelände.


6.50 Uhr: Um den Antifa-Blockaden zuvorzukommen, sind viele Delegierte früh aufgestanden. Einer holt auf spontan etwas Schlaf nach. Mittlerweile sollen schon mehr als 400 Delegierte die Erfurter Messehalle erreicht haben.


6.45 Uhr: Wer am Hauptbahnhof ankommt, wird von einer lautstarken Geräuschkulisse und vielen Polizisten begrüßt. Anti-AfD-Kundgebung am Willy-Brandt-Platz. Die Linksjugend hat vier befestigte Stände aufgebaut, Demonstranten tragen Schilder mit Bekenntnissen wie „Omas gegen rechts“, „Scientist Rebellion“ oder „AfD-Nazis stoppen“ und „AfD-Verbot jetzt!“

Auch die MLPD und die VVNBDA sind mit Schildern und Fahnen vor Ort. Ein Polizeibeamter schätzt die Teilnehmerzahl auf 500 Personen.

6.43 Uhr: In der Halle herrscht dagegen lockere, fast schon entspannte Stimmung. „So gut war noch kein Parteitag organisiert“, sagt ein Delegierter der JF.

Die Augen richten sich bereits auf die Wahlen des neuen Bundesvorstands. Dass Weidel und Chrupalla wiedergewählt werden, gilt als ausgemacht. Doch mit wieviel Prozent? Und wer bekommt am Ende mehr Stimmen? Es sind die kleinen Signale, die heute wichtig werden und zeigen, welches Parteinetzwerk sich durchsetzt.

Am deutlichsten wird das wohl bei der Wahl des Schatzmeisters. Hier wird Amtsinhaber Carsten Hütter sich wohl eine Kampfkandidatur mit Hannes Gnauck liefern. Gnauck wird dem mächtigen Netzwerk des rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier zugerechnet. Hütter wird von Chrupalla gestützt.

6.40 Uhr: „Widersetzen“ spricht von „antifaschistischen Meisterleistungen“, die die „Aktionsgruppe Punk“ auf der Autobahn durchführt. „Was ein wunderschöner Anblick!“

Sitzblockade der „Aktionsgruppe Punk“. Quelle Telegram/Widersetzen / Screenshot: JF

6.35 Uhr: Die linke Zeitung Perspektive berichtet von einer Sitzblockade auf der A71 der Antifa. „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“, skandieren die Störer, die sich teils hinter Regenschirmen verstecken. Eine Polizeihundertschaft ist bereits vor Ort. Den Bildern nach zu urteilen, könnte die Blockade demnächst geräumt werden.

6.25 Uhr: Die Polizei Thüringen meldet derzeit vier Sitzblockaden in und um Erfurt. Jene am Gothaer Platz zählt mit 800 Personen die meisten Gegendemonstranten. Der dortige Straßenbahnverkehr ist eingestellt.

6.20 Uhr: Die Bundespolizeiinspektion Erfurt hat eine erste Bilanz gezogen und spricht von einer „ruhigen Nacht“ im bahnbezogenen Sicherheitsbereich. Jedoch führte ein 17jähriger Gegendemonstrant am Freitagnachmittag im Erfurter Hauptbahnhofeinen einen Gürtel mit augenscheinlicher Munition mit sich, der sich jedoch als Attrappe entpuppte. Solche Gegenstände könnten leicht fehlinterpretiert werden und polizeiliche Maßnahmen nach sich ziehen, warnt die Bundesbehörde. Der junge Deutsche erhielt eine Ermahnung. Die Hausordnung der Deutschen Bahn verbietet auch Anscheinswaffen.

6.15 Uhr: Der Schwarze Block zieht mit Bengalos zu einer weiteren Blockade.


6.08 Uhr: Die Bundestagsabgeordneten der Linkspartei, Ferat Kocak und Luke Hoß, freuen sich, auf der Demonstration dabei zu sein. Sie werden laut Instagram-Post Kocaks von zahlreichen „Pressevertreter*innen und Filmteams – auch vom ÖRR“ begleitet. Insgesamt spricht der Neuköllner von „1.200 Menschen aus der breiten Zivilgesellschaft“, die sich vom Berliner Ostbahnhof Richtung Erfurt auf den Weg gemacht hätten.

Die Linkspartei in Begleitung eines Filmteams des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Quelle: Instagram/Ferat Kocak / Screenshot: JF

6.00 Uhr: Die Messehalle füllt sich weiter. JF-Online-Chef Henning Hoffgaard geht von mindestens 300 Delegierten aus, die dort angekommen sind. Ständig treffen weitere Politiker ein. Das Ziel der linksextremen Szene, den AfD-Parteitag zu verhindern, ist offenbar bereits gescheitert.


5.54 Uhr: Der Sprecher von „Widersetzen“, Suraj Mailitafi, verweigert jegliche Aussage gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Seine Pressesprecherin versucht, unsere Aufnahmen zu verhindern. Gegenüber dem ZDF zeigt er sich erfreut über die erste errichtete Blockade.

5.40 Uhr: Mehrere Delegierte wie der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Siechert dokumentieren derweil ihre Anfahrt zum Parteitag unter immensem Polizeischutz auf X. Bisher scheint es alles recht reibungslos zu funktionieren.


5.37 Uhr: Inzwischen sind die ersten Busse der Gegendemonstranten eingetroffen.

Die ersten Busse der Gegendemonstranten treffen ein. Foto: JF

5.31 Uhr: In wenigen Minuten soll die erste Demonstration am Erfurter Hauptbahnhof beginnen. Mit dabei zahlreiche linke Gruppierungen: Gewerkschaften, Antifa-Organisationen, die Grüne Jugend und Vertreter der Bündnisse „Widersetzen“ und „Zusammenstehen“. JF-Reporter vor Ort berichten, dass das Messegelände gut gesichert zu sein scheint. Offenbar befinden sich auch Scharfschützen auf dem Dach der Halle.


5.21 Uhr: Vor dem Eingang der Messehalle bildet sich aufgrund der strengen Sicherheitskontrollen mittlerweile eine Schlange. Viele Delegierte sind bereits vor Ort. Umringt werden sie von dutzenden Polizeiwannen.


5.09 Uhr: Eine Seltenheit in Deutschland: Die Polizei stellt Journalisten einen separaten Medienschutz an die Seite, um sie sicher zu eskortieren.

Ein Beamter vom Medienschutz begleitet das JF-Reporterteam. Foto: Henning Hoffgaard.

 

4.54 Uhr: Die ersten Delegierten und Journalisten sind bereits unter Schutz eines großen Polizeiaufgebots an der Erfurter Messe angelangt.

4.49 Uhr: Auf dem Weg zur Messehalle fährt das JF-Reporterteam an mehreren Antifa-Gruppen vorbei.


Die Laternenmasten der ganzen Stadt sind mit Plakaten der Linkspartei und MLPD bestückt. „AfD-Verbot jetzt“ und „Wer AfD wählt, wählt Faschismus“ steht darauf geschrieben.


4.36 Uhr: Mehr als 200 „Widersetzen“-Busse sind auf dem Weg nach Erfurt. Darunter auch einige aus Österreich, wie die Initiative mitteilt. „Wir sind bereit, uns heute den Faschisten in den Weg zu stellen.“

4.32 Uhr: Laut Polizei verlief die Nacht „insgesamt ruhig“. Trotz Drohnenflugverbot stellten die Beamten drei Drohnen sicher. Zudem ist die A71 zwischen dem Erfurter Kreuz und der AS Gispersleben einschließlich der Zu- und Abfahrten sowie die AS Bindersleben gesperrt.

Unterdessen müssen Busse mit AfD Delegierten mit großen Konvois der Polizei zur Halle begleitet werden.


4.25 Uhr: „Widersetzen“ veröffentlichte eine eigene sogenannte Aktionskarte. Neben Kundgebungen sind dort auch Anfahrtswege der AfD-Delegierten zu sehen, um auf mögliche zu blockierende Straßen hinzuweisen.

Aktionskarte von „Widersetzen“. Quelle: „Widersetzen“ / Screenshot: JF

Um 5 Uhr soll die erste große Demonstration an der Gothaer Straße beginnen. „Wir rechnen mit einem dynamischen Versammlungsgeschehen“, lassen es die Organisatoren den Teilnehmern wissen.

4.10 Uhr: Das Verwaltungsgericht Weimar hat noch am Freitagabend ein Versammlungsverbot des Thüringer Landesverwaltungsamts aufgehoben. Die Allgemeinverfügung sollte an diesem Wochenende auf bestimmten Anreisewegen zur Messe Erfurt gelten. Die Behörde hatte das Verbot mit Hinweisen auf mögliche Blockaden sowie dem Schutz von Rettungswegen und der öffentlichen Sicherheit begründet. Auf Antrag eines namentlich nicht genannten Kommunalpolitikers hob das Gericht die Verfügung nun auf.Ein polizeilicher Notstand sei nicht nachgewiesen worden. Gegen die Entscheidung kann noch Beschwerde beim Thüringer Oberverwaltungsgericht eingelegt werden.

4.00 Uhr: Mit dem „Widersetzen“-Bus nach Erfurt zu fahren, ist aufwändig. Man kauft zuerst in einem der teilnehmenden Berliner Lokale ein Busticket für die Demo. Das kostet 35 bis 45 Euro – je nach persönlicher Spendenbereitschaft – und gilt als vorläufig.

„Widersetzen“-Busticket nach Erfurt. Foto: JF

Man muss es anschließend gegen ein echtes Ticket eintauschen, das es im Anschluss an ein sogenanntes Aktionstraining geben soll.

Dieses Training hat es in sich. In einem Jugendzentrum im Herzen von Kreuzberg versammeln sich unlängst etwa 200 Teilnehmer auf dem Tartan-Fußballplatz des Gebäudes. Das Publikum ist jung, Altersdurchschnitt Mitte 20, der Frauenanteil liegt bei um die 70 Prozent. Zwei Frauen und ein Mann vom „Widersetzen“-Team moderieren durch den über vier Stunden langen Abend.

Die drei stellen sich mit ihren Gender-Pronomen vor und bitten zunächst um Entschuldigung. Sie seien heute stimmlich angeschlagen und hätten keinen Beamer dabei, weil sie erst vor Kurzem von einem Techno-Festival zurückgekommen seien. Dann wird über Beispiele für zivilen Ungehorsam gesprochen, über die eigenen Rechte bei Polizeikontrollen und juristische Hilfe bei Festnahmen.

Die „Widersetzen“-Moderatorin ermutigt alle, die ohne Freunde anreisen wollen, sich eine sogenannte Bezugsperson zu suchen. Jemanden, der die Handynummer des anderen hat und auf den man aufpasst – vic versa. Polizisten würden Festgenommene in der Regel Demonstranten nach dem gleichen „so gelesenen Geschlecht“ einteilen. Deshalb sei es sinnvoll, sich bei der Bezugspartnerwahl am eigenen, „so zugeschriebenen“ Geschlecht zu orientieren, rät sie den Zuhörern.

Die Frau liest den „Aktionskonsens“ von „Widersetzen“ vor. „Die AfD ist eine faschistische Partei, die Massendeportationen und andere Verbrechen plant. Sie ist gefährlich und muss gestoppt werden. Ihr Parteitag ist eine illegitime Versammlung, auf der sie die Machtübernahme vorbereitet. Ziviler Ungehorsam ist daher gerechtfertigt und geboten“, referiert sie. „Wir sind kreativ, offen und einladend für die Erfurter Bevölkerung. Von uns wird keine Eskalation ausgehen“, verspricht die Rednerin. Auch beim Blockieren sollten die Demonstranten „diskriminierungssensibel“ miteinander umgehen. Zum Schluss der Ansprache betont sie, dieser Konsens gelte nur für „Widersetzen“, nicht für die gesamte Demonstration. „Mit solchen Aktionen, die sich ebenfalls gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt 2026 richten, sind wir solidarisch.“

3.55 Uhr: In Telegram-Gruppen von „Widersetzen“ und der Grünen Jugend werden potentielle Krawallmacher mehrfach darauf hingewiesen, nicht mit der Polizei zu sprechen, sollte diese sie festsetzen. Stattdessen sollen sich Betroffene an den Ermittlungsausschuss wenden, eine Antifa-NGO der Roten Hilfe, die den Störern rechtliche Unterstützung anbietet.

3.50 Uhr: Auch die JUNGE FREIHEIT ist mit einem Reporterteam am Freitag in Erfurt angekommen und bezeugte schon zahlreiche Polizeikolonnen, Mannschaftswagen und dutzende Wasserwerfer.


Beim Akkreditierungsprozess, den das BKA übernommen hat, hieß es am Freitag, „die Kontrollschleuse wurde zuletzt beim G7 Gipfel eingesetzt“.

3.45 Uhr: Der ehemalige Vorsitzende der Linkspartei, Jan van Aken, trat zwar aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Einen Besuch mit gelber Warnweste in der Andreaskirche ließ er sich aber nicht nehmen. In einem Instagram-Video von „Widersetzen“ rief van Aken am Vorabend des AfD-Parteitags dazu auf, „zum Jahrestag der Neuerfindung der NSDAP“ ein „starkes Zeichen“ zu setzen und „auf die Straße“ zu gehen.

Jan van Aken (Linkspartei): vergleicht den AfD-Parteitag mit dem der NSDAP. Foto: Instagram/„Widersetzen“ / Screenshot: JF

Am Freitag hatte die Polizei in der Thüringer Landeshauptstadt bis zum frühen Nachmittag schon 69 Straftaten und zehn Ordnungswidrigkeiten erfasst. Ein Polizeisprecher teilte in einem Video auf X mit, dass es sich dabei überwiegend um Graffiti handele. Zur Mittagszeit versammelten sich zudem rund 30 Teilnehmer des Bündnisses „Widersetzen“ an der Messe Erfurt, die von der AfD für ihren Bundesparteitag genutzt wird.

Laut Bild-Zeitung machte die Polizei am Vortag des AfD-Parteitages fünf Depots mit Pflastersteinen ausfindig, die mutmaßlich dafür genutzt werden sollten, Polizisten und AfD-Politiker anzugreifen. Brisant: Einige der Depots wurden mitten im Stadtgebiet gefunden. Wie viele weitere es vielleicht an strategischen Zufahrtsstraßen zur Messe oder entlang der Autobahn gibt, ist nicht bekannt.

3.40 Uhr: Die ersten Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag starteten am Donnerstag in Erfurt mit einer Drohnen-Lichtshow verschiedener linker Initiativen wie „Kein Bock auf Nazis“, „Zusammenstehen“ und „Widersetzen“. Neben Schriftzügen wie „FCK AfD“, „Gegen den Rechtsruck“ und „Erfurt bleibt stabil“ zeigten die leuchtenden Drohnen unter anderem auch einen Regenbogen am Abendhimmel. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk begleitete die Show von Beginn an mit einem Kamerateam.

3.35 Uhr: Zu einer echten Machtprobe auf dem Parteitag könnte die Vergabe des Postens des Schatzmeisters der auf 40 Millionen Euro schweren Partei werden. Seit sechs Jahren hat diesen Posten Carsten Hütter aus Sachsen inne. Er wird sich allerdings wohl einer Kampfkandidatur gegen den Brandenburger Hannes Gnauck stellen müssen, der zum Münzenmaier-Netzwerk gehört. Sollte, wie hinter vorgehaltener Hand vermutet wird, Chrupalla selbst Hütter vorschlagen, könnte sich zeigen, wie groß der Rückhalt für den Parteichef wirklich ist.

Und was wäre ein AfD-Parteitag ohne eine Debatte über die Unvereinbarkeitsliste der Partei? Sie ist insbesondere dem Höcke-Lager seit Jahren ein Dorn im Auge, obwohl auch Personen, die in einer dort hinterlegten Gruppierung mit Zwei-Drittel-Mehrheitsbeschluss des zuständigen Landesverbandes aufgenommen werden können. Höcke selbst fordert nun in einem Antrag, der Bundesvorstand müsse die Liste überarbeiten. „Dabei soll eine gegenwärtige oder in der Vergangenheit bestehende Mitgliedschaft nur in jenen Parteien und Organisationen unvereinbar mit der Mitgliedschaft der AfD sein“, die „eine auf die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und Errichtung einer Diktatur abzielende Programmatik“ haben oder zum gewalttätigen Umsturz aufrufen. Zudem solle eine Verjährungsfrist von zehn Jahren eingeführt werden, nach der auch Personen aus solchen Organisationen Mitglied der AfD werden können.

Lagerübergreifend sehen viele die Debatte – auch wenn sie selbst Reformbedarf in der Frage sehen – jedoch kritisch. Eine Extremismus-Debatte kurz vor den Landtagswahlen soll verhindert werden. Gut möglich, dass das Thema am Ende in einer Kommission wegverwaltet wird.

3.30 Uhr: Thema bei den Flurgesprächen innerhalb der Partei ist derzeit vor allem einer: Tom Rohrböck. Schon vor einigen Jahren tauchte der Name kurz in der Öffentlichkeit auf, weil Weidel sich mit ihm traf. Heute wird der parteiintern „Phantom“ genannte Geschäftsmann, der früher erfolglos versucht haben soll, CDU und FDP zu beeinflussen, aber vor allem mit Versuchen in Verbindung gebracht wird, Stimmung gegen Kandidaten von Weidel zu machen. Besonders in Niedersachsen soll sein Einfluss stark sein. Bei der jüngsten Vorstandswahl in Bayern soll er maßgeblich hinter der am Ende gescheiterten Kandidatur Reinhard Mixls gestanden haben. Doch wie einflussreich ist er wirklich? Jeder, mit dem die JF vertraulich über Rohrböck sprechen konnte, bestätigt, dass viele Mandatsträger und Funktionäre schon mal Kontakt mit ihm gehabt haben sollen. Einer, der ihn selbst besuchte, beschreibt Rohrböck als eine Art „Telefonzelle“, der viele Kontakte vermitteln könnte.

Doch niemand will sich öffentlich dazu bekennen. Zu groß ist der Vorbehalt vieler Mitglieder gegen einen als zwielichtig wahrgenommenen Geschäftsmann. Auf Betreiben Weidels fasste der Bundesvorstand jüngst einen Beschluss, der die Teilnahme Rohrböcks an Parteiveranstaltungen untersagt. „Ich pflege Kontakt zur Hälfte der 150 AfD-Bundestagsabgeordneten und mehreren Mitgliedern des AfD-Bundesvorstands“, sagte der 58jährige vor einigen Tagen der Bild-Zeitung.

Sein Geld verdiene er als „Söldner“. Seine Auftraggeber seien „große Unternehmen aus Deutschland, Österreich, Italien oder den USA. Sie kontaktieren mich wohl teils im Auftrag von Nachrichtendiensten. Sie wollen Informationen zur AfD – und ich liefere sie.“ Ein Wichtigtuer? Klar ist, in der Partei kommen solche Geheimdienst-Sätze gar nicht gut an.

Rohrböck soll auch maßgeblich hinter dem Versuch Niedersachsens stehen, den Bundestagsabgeordneten Marcel Queckemeyer in den Bundesvorstand zu bringen. Als drittgrößter Landesverband hat Niedersachsen laut dem innerparteilichen Proporz ein Recht auf ein Mitglied in der Parteiführung. Dass er hinter den Kulissen an einer Nein-Stimmen-Kampagne gegen Weidel arbeitet, hat ihm allerdings auch viele Gegner beschert – besonders aus dem Münzenmaier-Netzwerk.

3.25 Uhr: Während man draußen vor der Halle mit schweren Krawallen rechnet, dürfte es drinnen weit zivilisierter zugehen. Wichtigster Tagesordnungspunkt der AfD ist die Wahl eines neuen Bundesvorstands. Eine Wiederwahl der beiden Parteichefs Tino Chrupalla und Alice Weidel gilt eigentlich als sicher. Zuletzt nahm die Nervosität innerhalb der Partei jedoch zu.

Dass die beiden Vorsitzenden um Einfluss – auch auf Kosten des jeweils anderen – ringen, ist ein nur schlecht gehütetes Geheimnis. Während Weidel vom einflussreicher werdenden Netzwerk des rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier gestützt wird, soll das Lager um Chrupalla vor allem aus Niedersachsen Unterstützung erhalten.

Bei Münzenmaier stehen das Lager des Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich in Nordrhein-Westfalen, Weidels Landesverband aus Baden-Württemberg, große Teile Hessens, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Bremen, Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein. Auch mit dem Thüringer Landesverband von Björn Höcke gibt es Absprachen.

Chrupallas Machtbasis ist Niedersachsen, Sachsen, das Lager um NRW-Landeschef Martin Vincentz in NRW und Teile Bayerns. Wobei keine Seite alle Delegierte eines Bundeslandes kontrolliert. Das Lager von Chrupalla kann man auf rund 180-200 Delegierte schätzen, das von Münzenmaier und Weidel auf rund 300. Insgesamt gibt es 600 Delegierte. Die Frage ist nur, mit welchem Ergebnis gehen Weidel und Chrupalla durch? 2024 in Essen ging Chrupalla für viele Beobachter überraschend mit 82,7 Prozent vor Weidel mit 79,8 Prozent über die Ziellinie.

3.20 Uhr: Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) warnte vor „massiven Ausschreitungen“ und Gewaltangriffen gegen Polizisten. „Leider gehen wir davon aus, dass neben dem legitimen friedlichen Protest auch einige Aktivisten aus dem linken und linksextremen Milieu vor Ort sind, die bereits jetzt Gewalttaten gegen unsere Kolleginnen und Kollegen planen. Das ist äußerst besorgniserregend“, teilte Bundeschef Heiko Teggatz mit.

Dabei bezog sich die DPolG unter anderem auf Aufrufe auf linksextremen Portalen wie „Indymedia“, Einsatzkräfte unter anderem mit Molotowcocktails anzugreifen (JF berichtete). Bereits der Gründungsparteitag der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ habe gezeigt, wozu „Straftäter im Deckmantel von linkem und linksextremistischem Aktivismus“ in der Lage seien. „Gewalttäter müssen mit harten strafrechtlichen Konsequenzen rechnen – und zwar sofort“, forderte Teggatz.

Dabei bekräftigte er die Forderung nach strafrechtlichen Schnellverfahren bei Attacken auf Polizisten sowie nach bundesweiter Vorbeugehaft von bis zu 30 Tagen, um zukünftige Rechtsverletzungen oder schwere Störungen zu verhindern.

3.15 Uhr: Die Sicherheitsbehörden in Erfurt stellen sich auf Ausschreitungen historischen Ausmaßes ein. Nach internen Polizeidokumenten rechnen die Behörden mit mehr als 50.000 Gegendemonstranten und bis zu 2.500 gewaltbereiten Linksextremisten der Kategorie „Rot“ (JF berichtete).

Der Parteitag soll in der Messe Erfurt stattfinden. Erwartet werden koordinierte Blockaden auf Zufahrtswegen, bis zu 30 Blockadepunkte und der Versuch, die Anreise der AfD-Delegierten erheblich zu behindern oder ganz zu verhindern.

Das ursprünglich angenommene „Worst-Case-Szenario“ wird in den internen Unterlagen inzwischen ausdrücklich als realistisch bewertet. Bereits in den frühen Morgenstunden des 4. Juli könne laut Behörden ein „lageprägender Kippunkt“ erreicht werden. Sie rechnen mit Massenblockaden, Störungen im Umfeld der Messe und Angriffen auf Einsatzkräfte, Absperrungen sowie Polizeifahrzeuge. Die befürchtete Größenordnung erinnert Sicherheitskreise an frühere linksextreme Großmobilisierungen. Genannt werden der G-8-Gipfel in Heiligendamm, der Nato-Gipfel in Straßburg und der G-20-Gipfel in Hamburg. Beim G-20-Gipfel 2017 kam es zu schweren Ausschreitungen, Hunderte Polizisten wurden verletzt.

3.10 Uhr: Seit Monaten mobilisieren linke und linksextreme Gruppen gegen den Parteitag. Ziel des stichwortgebenden Bündnisses „Widersetzen“ ist ausdrücklich, das Parteitreffen zu verhindern. Dazu sollen große Teile Erfurts rechtswidrig blockiert werden. Schon beim Gründungstreffen der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Gießen im vergangenen November war die Gruppierung federführend an den massiven Krawallen und Angriffen auf Polizei und AfD-Anhänger beteiligt. Insgesamt werden Hunderte Busse aus ganz Deutschland erwartet, um Linksextremisten nach Erfurt zu karren. Die Stadt hat weitgehende Demonstrationsverbote erlassen. Dass sich die die Gegendemonstranten daran halten, glaubt allerdings niemand.

Zuletzt wurde bekannt, dass in einem Papier aus den Reihen der Gegendemonstranten sogar Tips für Sprengstoffanschläge und Brandanschläge (JF berichtete).

3.00 Uhr: Willkommen beim Liveticker der JUNGEN FREIHEIT zum AfD-Bundesparteitag in Erfurt und den angekündigten massiven Gegenprotesten. Wir sind für Sie heute mit mehreren Reportern in der Halle und draußen auf den Straßen unterwegs.

Tino Chrupalla und Alice Weidel und Linksextremisten: Alle Ereignisse im Liveticker. Foto: Picture Alliance
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