ERFURT. Thüringens BSW-Chefin Katja Wolf hat die KI-Nutzung in den Reden und Beiträgen des Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) verteidigt. „Die KI hat mittlerweile eine große Qualität, mir sehr genaue Zusammenfassungen und Analysen zu liefern, wenn ich etwas herausfinden will. Und sie kann mir auch perfekte Formulierungshilfen an die Hand geben“, sagte die Finanzministerin des Landes dem Tagesspiegel am Mittwoch. Sie selbst nutze die KI nicht für Reden, betonte sie. „Aber ob diejenigen, die mir zuarbeiten, das auch nicht tun, kann ich nicht ausschließen.“
Auch Voigt rechtfertigte gegenüber dem Blatt sein Vorgehen. „Wenn es wirklich einzelne Passagen gab, die auch mit Hilfe von KI erstellt worden sind, dann werde ich dafür keinem den Kopf abreißen. Grundsätzlich halte ich aber sowieso fast alle meine Reden frei.“
Voigt ließ eine Holocaust-Gedenkrede mit KI erstellen
Nach einem Bericht der Plattform „Frag den Staat“ weisen mehrere Reden und Beiträge des thüringischen Regierungschefs Merkmale von Texten auf, die mit ChatGPT und vergleichbaren KI-Programmen erstellt wurden. Dazu zählt etwa die Rede zum Holocaustgedenktag 2025 (JF berichtete). Darin heißt es: „Auschwitz war nicht das Werk eines erfundenen Ungeheuers. Es war das Werk von Menschen, die dachten, dass ihr Handeln im Einklang mit einem höheren Ziel stehe.“
In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung sollen zudem mehrere frei erfundene Zitate stehen. Im Plädoyer für ein Social-Media-Verbot für Minderjährige aus dem vergangenen Jahr hatte er sich auf Wissenschaftler wie Jonathan Haidt und Manfred Spitzer berufen. Letzterer bestritt allerdings auf Nachfrage von „Frag den Staat“, die darin verfassten Zitate jemals geschrieben zu haben.

Nach mehreren Plagiatsvorwürfen hatte die Universität Chemnitz Voigt im Januar den Doktortitel aberkannt. Laut dem österreichischen Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber sollen sich in seiner Doktorarbeit über den US-Präsidentschaftswahlkampf 2004 rund 140 Plagiatsfragmente befinden. (kuk)






