CDU-Obmann im NSU-Untersuchungsausschuß

Zweifel an Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt

BERLIN. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster hat Zweifel am Selbstmord der mutmaßlichen NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt geäußert. „Die Situation, in der die Leichen aufgefunden wurden, paßt nicht durchgängig zu einem Selbstmord“, sagte er der taz. Er verstehe auch nicht, warum die schwerbewaffnete Bande „plötzlich vor einer Landpolizeistreife kapitulieren soll“. Dies leuchte ihm nicht ein.

Erstaunt zeigte sich Schuster, der CDU-Obmann im beschlossenen neuen NSU-Ausschuß des Bundestags ist, über die Professionalität der Taten. „Die Verteilung über verschiedene Bundesländer, die professionelle Tatausführung, jahrelang ohne Spuren zu hinterlassen, das hochgerüstete Absichern der Versteckwohnung.“ Dies passe „nicht zu einer auf der Straße radikalisierten Terrorgruppe und auch nicht zur Typbeschreibung von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt“. Er traue ihnen das „einfach nicht zu“.

„Kann nicht alles ganz anders gewesen sein?“

Schuster fragte: „Wer hat ihnen das beigebracht? Wer hat tatsächlich über Jahre eine Tatserie geplant, die die Sicherheitsarchitektur Deutschlands so überfordert hat?“ Als Beispiel nannte er, daß der NSU sogar daran gedacht habe, wegfliegende Patronenhülsen mit einem Beutel aufzufangen. „Auf so etwas kommen sie eigentlich erst, wenn sie schon eine professionelle Verbrecherkarriere hinter sich haben“, betonte Schuster, der früher als Polizist gearbeitet hatte.

Er stellte dabei auch die Frage: „Kann nicht alles ganz anders gewesen sein?“ Er könne zwar nichts belegen, „aber solange mir niemand das Gegenteil beweist und diese Fragen offen bleiben, rechtfertigt das diesen Untersuchungsausschuß“. Dort will er besonders die Rolle des Verfassungsschutzes ins Visier nehmen. Er habe derzeit „große Schwierigkeiten, zu glauben, daß die gesamte deutsche V-Mann-Szene fast nichts von diesem Trio mitbekommen haben will“. (ho)

Wohnwagen des NSU: CDU-Politiker zweifelt an Alleintäterschaft Foto: dpa

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