PARIS/LYON. Mehrere der linksextremen Gewalttäter, die am vergangenen Donnerstag in Lyon Quentin D., einen Anhänger der Identitären Bewegung, ermordet haben sollen (JF berichtete), sind mittlerweile identifiziert worden. Der zuständige Staatsanwalt sagte am Montag, daß gegen insgesamt sechs Personen wegen „vorsätzlicher Tötung“, „schwerer Körperverletzung“ und der „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ ermittelt werde, berichtete der Fernsehsender BFM.
Die Tatverdächtigen hätten Quentin mehrfach geschlagen und ihm dabei tödliche Verletzungen an seinem Kopf und am Hirn zugefügt. Das Opfer habe „keine Überlebenschance“ gehabt.
Regierungssprecherin Maud Bregeon kritisierte die linksextreme Partei La France insoumise (LFI) am Montag dafür, für ein „Klima sich verschärfender Gewalt eine moralische Verantwortung“ zu tragen. Bildungsminister Philippe Baptiste (parteilos) kündigte an, zunächst alle öffentlichen Versammlungen an Universitäten untersagen zu wollen, da er gewalttätige Auseinandersetzungen befürchte. „Reden, die darauf abzielen, junge Menschen aufzuhetzen, sie auf die Straße zu treiben, um gewalttätige Auseinandersetzungen zu provozieren, das kann man heute in Bildungseinrichtungen nicht mehr zulassen, weil die Gefahr von Unruhen offensichtlich ist“, sagte der Minister laut franceinfo.
Angreifer kommen aus verbotener Antifa-Gruppe
Die französische Nationalversammlung beschloß zudem, am Donnerstag eine Schweigeminute für Quentin D. abzuhalten. Die Entscheidung sei von der Präsidentin der Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet (Renaissance-Partei), getroffen worden – ohne Gegenstimmen, berichtet Le Parisien.
Das Mordopfer, ein 23jähriger Mathematikstudent namens Quentin D., war am vergangenen Donnerstag zu Tode geprügelt worden, während er eine Protestaktion der identitären Frauengruppe Nemesis beschützt hatte. Nemesis hatte unter dem Motto „Islamo-Linke raus aus unseren Universitäten“ gegen einen Auftritt der linksextremen Europaabgeordneten Rima Hassan protestiert, die dort zu dem Thema „Komplizenschaft der Europäer mit Israels Kriegsverbrechen“ referierte.
Die Angreifer sollen aus dem Umfeld der Antifa-Gruppe „Jeune Garde“ kommen, die im vergangenen Jahr vom Innenministerium verboten worden war – weil sie wiederholt mit Gewaltakten aufgefallen war und zu solchen aufgerufen hatte.
Quentins Familie wendet sich an Öffentlichkeit
Nach Aussagen von Augenzeugen, darunter ein Mitglied von Nemesis, das mit der JUNGEN FREIHEIT sprach, war einer der Angreifer ein parlamentarischer Mitarbeiter des linksextremen Politikers Raphaël Arnault von La France insoumise. Arnault war bereits in der Vergangenheit mit der Nähe zum gewalttätigen linksextremen Spektrum aufgefallen (JF berichtete).

Er wird von französischen Sicherheitsbehörden als „fiché S“ eingestuft, vergleichbar dem „Gefährder“-Status in Deutschland. Arnault bekundete am Wochenende den Angehörigen des Opfers sein Bedauern. Er habe mit „Entsetzen und Abscheu“ vom Tod Quentins erfahren.
Unterdessen hat sich Quentins Familie erstmals ausführlich an die Presse gewandt. Ein Freund des Getöteten habe gegen 4 Uhr nachts an ihrer Tür geklingelt und sie benachrichtigt, berichteten die Angehörigen gegenüber Le Figaro. Wenige Stunden später starb Quentin vor ihren Augen. Noch am Montag befand sich sein Körper in den Händen der Gerichtsmediziner
Ein fleißiger und sportlicher Mensch
Quentin hatte in seiner Jugend Tennis gespielt und vor kurzem mit dem Boxen begonnen. Rémy, einer der drei Studenten, die mit ihm im 5. Arrondissement von Lyon in einer Wohngemeinschaft lebten, neckte ihn wegen seiner schlanken Statur. Aufgrund seiner Empfehlung habe Quentin mit Kraftsport begonnen.

Fleißig sei Quentin gewesen, berichten Freunde und Verwandte. „Er scrollte nie auf seinem Handy herum“, berichtete Rémy. „Manchmal sagte ich zu ihm: ‘Hey, Mann, warum arbeitest du so viel?’ Und er antwortete mir mit seiner üblichen Gutmütigkeit: ‘Keine Ahnung, man muß eben.’”
Nach einem Mathematikstudium hatte Quentin zum Zeitpunkt seines Todes noch ein weiteres begonnen: Datenwissenschaft. Nächtelang habe er Finanzwesen und Informatik gelernt, nebenher noch bei dem Eisenbahnunternehmen SNCF gearbeitet. Dennoch habe er viele Freunde gehabt und sei sowohl mit seinen Eltern als auch mit seiner kleinen Schwester sehr innig gewesen.
„Quentin wurde aus identitären Gründen katholisch“
Ein Bücherwurm sei er zudem gewesen und habe eine große Sammlung besessen. Laut Freunden las er die Schriften von Anacharsis Cloots über die Französische Revolution, einem Jakobiner, der für eine universelle Republik eintrat und 1794 vom Konvent guillotiniert wurde; er debattierte leidenschaftlich über den Rousseauismus und verurteilte die Thesen des Gesellschaftsvertrags und begeisterte sich für das Studium der Summa Theologica und der Enzykliken der letzten Päpste. Wenige Jahre vor seinem Tod hatte er zum Katholizismus gefunden und besuchte regelmäßig die alte Messe (Lesen Sie hier über das Katholizismus-Revival unter jungen Franzosen).
„Quentin wurde aus identitären Gründen katholisch; Patriotismus und die Liebe zu Gott waren bei ihm miteinander verbunden“, berichtete ein Freund. Im vergangenen Jahr hatte der Getötete an einer Demonstration vor dem Justizpalast in Lyon teilgenommen, um gegen ein geplantes Gesetz zur Sterbehilfe zu demonstrieren. Auch an einigen Plakataktionen der Action française (Lesen Sie hier das JF-Porträt der Bewegung) nahm er teil, ebenso an Demonstrationen einer identitären Gruppe namens Les Allobroges.
Auf keinen Fall wollte er die jungen Mädchen allein lassen
Mit Gewalt sei Quentin dabei bislang nie in Berührung gekommen, berichteten seine Freunde. Sie beschreiben ihn als friedlichen Menschen, der „die Konfrontation der Ideen“ einer Konfrontation mit Fäusten vorgezogen habe.
Am Donnerstag, dem Tag seines Todes, sollen ihn Freunde gewarnt haben, an der Protestaktion der identitären Frauengruppe teilzunehmen. Die Situation sei gefährlich. Quentins Antwort sei bestimmt gewesen: Auf keinen Fall werde er die jungen Mädchen allein lassen. (lb)





