FRANKFURT AM MAIN. Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, hat vor einer zunehmenden religiösen Einschüchterung während des islamischen Fastenmonats Ramadan gewarnt, bei der Jugendliche Mitschüler kontrollieren und Nicht-Fastende unter Druck setzen. Der Fastenmonat sei von einigen männlichen Jugendlichen mißbraucht worden, um Männlichkeit als Demonstration körperlicher Härte, Durchhaltevermögen und vermeintlicher religiöser Überlegenheit zu inszenieren.
„Manche Jugendliche spielen dann eine Art Religionspolizei“, sagte Khorchide gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur. Mitschüler, die nicht fasten wollten oder könnten, seien emotional unter Druck gesetzt oder mit abwertenden Bemerkungen konfrontiert worden. Wer sich entzogen habe, sei rasch in eine Rechtfertigungsposition geraten. Nach Einschätzung des Theologen hat sich die Bedeutung der Religion unter Muslimen in Deutschland spürbar verschoben. Persönliche Glaubensüberzeugungen und ethische Inhalte seien zunehmend in den Hintergrund getreten. An ihre Stelle seien religiöse Rituale und sichtbare Symbole gerückt, nicht als Ausdruck innerer Frömmigkeit, sondern als Marker kollektiver Zugehörigkeit.
Religion entwickle sich damit zunehmend zu einer Identitätsressource, die laute: „Wir Muslime.“ Das Fasten im Ramadan werde innerhalb von Familien und unter Gleichaltrigen beobachtet und registriert, in strenggläubigen Milieus teils auch kontrolliert. Wer nicht faste, gerate schnell in eine Rechtfertigungsposition.
Ramadan werde politisch instrumentalisiert
Auch die Berliner Rechtsanwältin und Moscheegründerin Seyran Ates warnt vor einer politischen Instrumentalisierung des Ramadan. Der Fastenmonat werde aus ihrer Sicht zunehmend vom politischen Islam vereinnahmt. Besonders kritisch sieht sie Einladungen zum Fastenbrechen, bei denen Politiker mit Organisationen kooperierten, die vom Verfassungsschutz beobachtet würden.
Kommunale Ramadan-Beleuchtungen beurteilt Ates ebenfalls kritisch. Sie stünden in auffälligem Kontrast zu den regelmäßig geführten Debatten über Umbenennungen christlicher Feste und Weihnachtsmärkte. Der islamische Glaube stelle die private Beziehung zu Gott in den Mittelpunkt und eigne sich nicht als politisches Demonstrationsinstrument. (rr)






