MOSKAU. Russland hat nach ukrainischen Angriffen auf seine Öl-Infrastruktur ein Exportverbot für Flugtreibstoff verhängt. Nach einem Bericht der Moscow Times soll die Ausfuhr von Kerosin bis zum 30. November gestoppt werden. Der Kreml begründet den Schritt mit der Sicherung des heimischen Marktes.
Transportminister Andrei Nikitin erklärte demnach, die Maßnahme liege im Interesse der russischen Fluggesellschaften. Ausnahmen soll es nur für bereits bestehende Sondervereinbarungen geben.
Für Russland ist der Schritt ungewöhnlich, weil das Land selbst zu den großen Produzenten von Ölprodukten zählt. Hintergrund ist die zunehmende Belastung der russischen Raffinerien durch ukrainische Drohnenangriffe. In den vergangenen Wochen waren mehrere Anlagen und Exportterminals getroffen worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg ist die russische Raffineriekapazität dadurch deutlich gesunken und hat den niedrigsten Stand seit Oktober 2009 erreicht.
EU warnt vor Verknappung von Kerosin
Der Exportstopp dürfte zunächst vor allem Staaten treffen, die bisher russischen Flugtreibstoff bezogen haben. Zugleich erhöht er den Druck auf einen ohnehin angespannten Weltmarkt. Die EU-Kommission hatte bereits vor möglichen Engpässen bei Kerosin gewarnt, falls sich die Lage im Nahen Osten nicht verbessert.
Besonders die Krise rund um die Straße von Hormus belastet die Energieversorgung. Über den Seeweg laufen normalerweise große Mengen an Rohöl und Ölprodukten. Laut Reuters hat die EU-Kommission zwar bisher keine physischen Engpässe für Verbraucher festgestellt, warnt aber vor einer weiteren Verknappung der Märkte, insbesondere bei Flugtreibstoff.
Auch europäische Fluggesellschaften versuchen, die wachsende Verunsicherung ihrer Kunden einzudämmen. In Deutschland betonten Lufthansa, Eurowings und Tuifly zuletzt öffentlich die Stabilität der Kerosinversorgung für den Sommer. Zuvor hatten Medien über sinkende Buchungen berichtet, weil Reisende offenbar Ausfälle durch Treibstoffmangel fürchten. (rr)







