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Taylor Sheridan: Der Drehbuchautor des Trumpismus

Taylor Sheridan: Der Drehbuchautor des Trumpismus

Taylor Sheridan: Der Drehbuchautor des Trumpismus

Starke Männer, schöne Frauen, atemberaubende Natur – Sheridan beherrscht eine Bildsprache im Geiste Trumps. Foto: picture alliance / Everett Collection | -
Starke Männer, schöne Frauen, atemberaubende Natur – Sheridan beherrscht eine Bildsprache im Geiste Trumps. Foto: picture alliance / Everett Collection | -
Starke Männer, schöne Frauen, atemberaubende Natur – Sheridan beherrscht eine Bildsprache im Geiste Trumps. Foto: picture alliance / Everett Collection | –
Taylor Sheridan
 

Der Drehbuchautor des Trumpismus

Der TV-Produzent Taylor Sheridan mischt den Markt mit konservativen Zwischentönen auf. Produktionen wie „Yellowstone“ bringen den „American Way of Life“ zurück ins Fernsehen. Jetzt meldet sich mit neuen Ideen zurück – warum er das alles tut.
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Anfang März ging mit „Marshals“ der nächste Ableger des Erfolgsfranchise um die Serie „Yellowstone“ an den Start. Nachdem in der fünften und letzten Staffel der Ur-Reihe das Familienoberhaupt John Dutton ermordet wurde und seine riesige Yellowstone-Ranch daraufhin zum Freundschaftspreis an den ansässigen Indianerstamm verkauft wurde, um das Land vor Immobilienspekulanten zu retten, steht in dem Spin-off nun Sohn Kayce Dutton im Mittelpunkt.

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Eigentlich wollte sich der ehemalige US-Navy-SEAL mit Frau und Nachwuchs in das ruhige Landleben zurückziehen, doch dann ruft die Pflicht, mit einer neuen Marshals-Truppe den dünn besiedelten Bundesstaat Montana und seine traditionelle Cowboy- und Farmergesellschaft vor Gangs und Kartellen zu schützen. Mitte März folgt mit „The Madison“ die jüngste, diesmal ruhigere und nachdenklichere Weiterdrehe der „Yellowstone“-Saga: Nach einem Schicksalsschlag zieht eine New Yorker Familie nach Montana, um dort im Gegenmodell den Neuanfang zu wagen.

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Rettung eines Lebensgefühls

Harte Männer in dreckigen Jeans mit Hut, fulminante Naturaufnahmen und jede Menge Reitszenen, Yellowstone-Entwickler und Produzent Taylor Sheridan bleibt trotz leichter Tendenzen einer Überdehnung seinem Stil treu: die Wiederbelebung des Neo-Western im 21. Jahrhundert – unter Beibehaltung der alten Werte zwischen harter Arbeit, (schusswaffenaffiner) Wehrhaftigkeit und Familie.

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Sheridan unterstreicht einmal mehr, dass es nicht nur um ein Film-Imperium geht, sondern um die vitale Rettung des konservativen typisch amerikanischen Lebensgefühls gegen die Wokeness der hippen Küsten-Großstädter und ihre Begleiterscheinungen. Der 55jährige Texaner festigt damit seinen Ruf als Drehbuchautor der Epoche des Trumpismus.

Vom Schauspieler zum Drehbuchautor

Und er weiß, wovon er spricht, hat die Pole und die vielen Grauschattierungen dazwischen am eigenen Leib erfahren. Selbst auf einer Ranch aufgewachsen, die seine Familie letztlich verlor, zog es den durchtrainierten Sheridan dem Klischee folgend zunächst in die Hollywood-Traumfabrik nach Kalifornien. Doch bis auf einige Modeljobs und Rollen als Nebendarsteller – die längste davon als nicht korrumpierbarer Cop in „Sons of Anarchy“ – blieb der große Durchbruch nach Jahren des Versuchens aus. Also griff Sheridan zum Stift und konzentrierte sich auf das Schreiben.

2015 gelang ihm mit dem Actionfilm „Sicario“ über Killer im Dienst der USA gegen mexikanische Drogenbarone der einschlagende Erfolg. Für sein Zweitlingswerk „Hell or High Water“ wurde er für den Oscar und einen Golden Globe nominiert. Und er festigte seine Erfolgsformel: klassische Westernelemente eingebunden in eine Geschichte der Gegenwart: Zwei Brüder überfallen in Texas mehrere Banken, um mit dem Geld das Farmland ihrer Familie zu retten. Auch sein Regiedebüt 2017 „Wind River“ folgt diesen bewährten Motiven: ein weißer Wildhüter versucht in einem Reservat den Mord an einer jungen Indianerin aufzuklären.

„American Way of Life“ kommt im Serienformat

Mit „Yellowstone“ folgt schließlich ab 2018 der internationale Megahit auf mehreren Streaming-Plattformen: John Dutton versucht die unter großen Mühen seiner Vorväter gesicherte Yellowstone-Ranch zusammenzuhalten – gegen Bankerheuschrecken, Stadtentwickler, Konkurrenten und einen Indianerstamm. Mehr als einmal verwischen dabei die Grenzen zwischen Gut und Böse, denn auch die Duttons schrecken nicht vor Mord, Korruption und politischen Intrigen zurück. Besonders die Lebensweise der Indianer wird bis zum letztendlichen Sieg mit viel Empathie und Interesse gezeichnet. So dass viel linke Kritik von wegen toxischer Männlichkeit und Glorifizierung des Patriarchats immer wieder abperlen konnte.

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In einer Staffel und schon in „Wind River“ macht ausgerechnet Sheridan auf einen in den Vereinigten Staaten beschämend vernachlässigten Umstand aufmerksam: indigene Frauen sind verhältnismäßig oft Opfer sexueller Gewaltverbrechen. Gleichzeitig sind seine Plots und Castings nie ganz frei von Zeitgeist und Diversität; um ein bisschen Anpassung an die Filmindustrie kommt wohl auch Sheridan nicht herum. So gibt es bunthaarige Cowgirls, schwarze Cowboys und vegane Umweltschützerinnen – letztere entwickeln natürlich ein gewisses Verständnis für die traditionelle Viehhaltung, zwar mit Lasso und Brandmal, aber dafür weit entfernt von der wirklich bösen Massentierhaltung.

Sheridan macht keinen Hehl aus seinen Sympathien

Von einer Glorifizierung des weißen Mannes kann in den Filmen und Serien also keine Rede sein. Vielmehr geht es um die Bewahrung des Gesamtbildes des Amerikanischen Traums und „Way of Life“. Nicht umsonst bekommen tatsächliche Cowboys, Rinderzüchter, Rodeoreiter und Sattelmacher immer wieder Gastrollen, was nebenbei der Authentizität hilft.

 Dabei macht Sheridan keinen Hehl daraus, wem politisch seine Sympathien gehören. „Ich bin das Gegenteil von Fortschritt. Ich bin die Mauer, gegen die er prallt, und ich werde nicht nachgeben und daran zerbrechen“, sagt John Dutton in seiner Bewerbungsrede als Gouverneur-Kandidat. Zur Zeit der Biden-Administration wohlgemerkt. In seiner Dankesrede nach seiner Wahl zum Gouverneur von Montana wird er deutlicher: „Es gibt viel für uns zu tun und rückgängig zu machen. (…) Wie wird Montana in 100 Jahren aussehen? Im Moment werden wir als Spielwiese der Reichen betrachtet: Wir sind New Yorks neuer Trend und Kaliforniens Spielzeug. Das ist vorbei!“ Und ein Treffen mit dem in der Serie nicht genauer benannten Präsidenten lehnt er ab: „Ich hab dem Idioten nichts zu sagen.“

Präsident Trump mischt mit

Auch in den Vorgeschichten-Prequels „1883“ und „1923“, welche die Grundsteinlegung und Herausforderungen der Dutton-Ahnen im Wilden Westen sowie während Prohibition und Großer Depression zeigen, wird die Ungerechtigkeit gegenüber den Ureinwohnern erwähnt, aber nie ein Schuldmythos daraus gestrickt. Vielmehr stellt Sheridan die legendären Macher und Typen mit all ihren Fehlern und Kritikflanken vor. Das sind neben den Cowboys und Indianern die italo-amerikanischen Mafia-Gangster in der ebenso erfolgreichen Serie „Tulsa King“, die texanischen Ölmagnaten in „Landman“ und allen voran „der amerikanische Arbeiter“ an sich, der – ob weiß, schwarz oder hispanisch – staubbedeckt, bescheiden, stolz und taff die Nation am Laufen hält.

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Botschaften für die sich Sheridan vielleicht ganz bewusst die alte Garde Hollywoods ins Boot holt: Kevin Costner („Yellowstone“), Harrison Ford („1923“), Michelle Pfeiffer und Kurt Russell („The Madison“). Von Silvester Stallone („Tulsa King“) oder Billy Bob Thornton („Landman“) ist bekannt, dass sie mit der woken Blase der Produktionsfirmen in den Hollywood Hills nicht viel anfangen können. Dazu passt, dass Sheridans Serien oft zuerst bei Paramount+ zu sehen sind. Der Streaming-dienst und sein Mutterkonzern Paramount, der momentan drauf und dran ist, Warner Brothers zu übernehmen, gelten als Trump-freundlich. Der US-Präsident soll beim Bieterkampf gegen Konkurrent Netflix sogar seine Finger im Spiel gehabt haben.

Aus der JF-Ausgabe 13/26.

Starke Männer, schöne Frauen, atemberaubende Natur – Sheridan beherrscht eine Bildsprache im Geiste Trumps. Foto: picture alliance / Everett Collection | –
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