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Tod einer Filmlegende: Gina Lollobrigida: Eine Diva verschwindet

Tod einer Filmlegende: Gina Lollobrigida: Eine Diva verschwindet

Tod einer Filmlegende: Gina Lollobrigida: Eine Diva verschwindet

Blumen liegen am Stern von Gina Lollobrigida auf dem Walk of Fame in Los Angeles.
Blumen liegen am Stern von Gina Lollobrigida auf dem Walk of Fame in Los Angeles.
Fans legen Blumen am Walk of Fame-Stern der Filmlegende Gina Lollobrigida nieder Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Damian Dovarganes
Tod einer Filmlegende
 

Gina Lollobrigida: Eine Diva verschwindet

Mit Gina Lollobrigida hat sich eine Leinwandlegende für immer von der großen Bühne verabschiedet. Die italienische Schauspielerin war auch politisch aktiv und noch bei den letzten Parlamentswahlen in Italien mit im Rennen. Ein Nachruf.
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95 Lebensjahre – ein Alter wie in einem von Victor Hugos legendenhaften Romanen. In der Verfilmung eines solchen, nämlich „Notre-Dame de Paris“, spielte die Frau, die jetzt in diesem biblischen Alter verstorben ist, die italienische Filmschauspielerin Gina Lollobrigida, eine ihrer unvergeßlichsten Rollen. Als schöne Esmeralda ist die Mimin dank der vielen Wiederholungen von „Der Glöckner von Notre Dame“ (1956) im deutschen Fernsehen den deutschen Zuschauern vermutlich am präsentesten. An der Seite von Anthony Quinn als Quasimodo feierte sie einen ihrer größten Erfolge – sie die Schöne, er das Biest.

Lollobrigida  kam am 4. Juli 1927 als Tochter eines Tischlers in Subiaco zur Welt. Sie studierte Bildhauerei und Malerei an der Akademie der Schönen Künste in Rom, arbeitete als Sängerin und Mannequin und landete 1946 beim Film. In Zeiten, da männliche Verehrer ihre Anerkennung für Lollobrigidas sinnliche Ausstrahlung noch mit Vokabeln wie „Vollweib“ oder „Prachtweib“ zum Ausdruck bringen durften, ohne dafür von der herrschenden Jakobinermoral des Sexismus bezichtigt zu werden, avancierte sie als „Gina Nazionale“ zu einer der populärsten Schauspielerinnen ihres Landes, galt gar als schönste Frau der Welt.

Zusammen mit ihrer Kollegin Sophia Loren war sie in den fünfziger und sechziger Jahren das Gesicht des italienischen Films – und ein erfolgreicher Hollywood-Import. Es entstanden Filme wie „Fanfan der Husar“ (1951), „Die Schönen der Nacht“ (1952), „Brot, Liebe und Fantasie“ (1953), „Schach dem Teufel“ (1954), „Liebe, Brot und Eifersucht“ (1955), „Salomon und die Königin von Saba“ (1959) und „Buona Sera, Mrs. Campbell“ (1967). Als sich 007-Senkrechtstarter Sean Connery 1963 in „Die Strohpuppe“ zur Abwechslung als Bösewicht austobte, spielte sie die weibliche Hauptrolle.

Lollobrigida sorgt für Berlinale-Eklat

Jüngeren Zuschauern könnte sie durch ihre Rolle aus dem Jahr 1984 in der TV-Serie „Falcon Crest“ in Erinnerung sein. Auch beim „Love Boat“, dem US-Vorbild für das ZDF-„Traumschiff“, war die Darstellerin, deren eigentlicher Name Luigina Lollobrigida lautete, mit an Bord. Im selben Jahr, 1986, hatte sie einen der stärksten Auftritte ihrer Karriere in Deutschland, allerdings nicht in einer Filmrolle, sondern als Präsidentin der Berlinale-Jury. Mit ihrer Ablehnung des Hauptpreises, also des Goldenen Bären, für das RAF-Drama „Stammheim“ von Reinhard Hauff sorgte sie für einen Eklat, der in die Geschichte der Filmfestspiele eingegangen ist. Der deutsche Regisseur hatte den RAF-Terroristen auf der Basis von Gerichtsprotokollen in seinem Spielfilm einen Auftritt verschafft, den man sich am besten vorstellt wie eine Edel-Edition von „Mein Kampf“ ohne historisch-kritischen Kommentar. Lollobrigida nannte den Film „widerlich“.

In den siebziger Jahren verlegte sie ihre schauspielerischen Ambitionen mehr auf Bühne und Fernsehen und war nur noch selten im Kino zu sehen. Sie widmete sich – durchaus erfolgreich – wieder der Bildhauerei sowie der professionellen Fotografie, veröffentlichte Bildbände wie „Mein Italien“. Ferner führte sie Regie bei einem Dokumentarfilm über Fidel Castro (1975), ein erstes Zeichen für starkes politisches Interesse, das sich bald noch sichtbarer auswirkte.

Bei den Europawahlen 1999 kandidierte sie in einem süditalienischen Wahlkreis für die Partei des EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi. Auch bei den jüngsten Parlamentswahlen vor ein paar Monaten stand die rüstige Seniorin noch einmal auf der Liste und setzte sich für ein Bündnis mit den italienischen Kommunisten ein – allerdings ohne den Erfolg, den „La Lollo“, wie ihre Anhänger die italienische Filmlegende liebevoll nannten, als Schauspielerin feierte.

Ein Sturz im eigenen Hause wurde der hochbetagten Diva nun zum Verhängnis. Sie starb an den Folgen eines Beinbruchs.

Fans legen Blumen am Walk of Fame-Stern der Filmlegende Gina Lollobrigida nieder Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Damian Dovarganes
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