LONDON. Großbritanniens Innenministerin Shabana Mahmood hat die Ausschreitungen in Southampton bei einem Solidaritätsprotest für Henry Nowak verurteilt. „Es gibt keinerlei Rechtfertigung dafür, diese Tragödie zu missbrauchen, um Gewalt und Unruhen zu schüren“, schrieb die Labour-Politikerin am Dienstagabend auf dem Kurznachrichtendienst X. „Die Verantwortlichen müssen damit rechnen, dass sie mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden.“
The scenes this evening in Portswood are completely unacceptable.
The Nowak family made a powerful call to us all yesterday to not let Henry’s death be used to create further division, hatred or tension.
There can be no justification for hijacking this tragedy to stir up…
— Shabana Mahmood MP (@ShabanaMahmood) June 2, 2026
Stunden zuvor hatten einige Teilnehmer der Demonstration Polizisten mit Mülleimern und anderen Gegenständen angegriffen, daraufhin setzten die Beamten Pfefferspray ein. Insgesamt versammelte der Protest rund 1.000 Teilnehmer, berichtet der Nachrichtensender GBNews. Sie forderten vom zuständigen Polizeichef, die für die Festnahme Nowaks verantwortlichen Offiziere zu entlassen und seine Familie zu entschädigen. Einige forderten die Beamten auf, in Anspielung auf die „Black Lives Matter“-Bewegung für den ermordeten 18jährigen „niederzuknien“.
Locals are clashing with the police now in Southampton as the protest in memory of Henry Nowak winds down. I’ve seen bottles, fencing, and even bins being thrown, resulting in bloody faces for some of the protesters pic.twitter.com/znBDlG1Q67
— Jack Hadfield 🇬🇧 (@JackHadders) June 2, 2026
Die britische Polizei kündigte unterdessen an, die bisherigen Antidiskriminierungsrichtlinien zu überprüfen. Der Vorsitzende des Polizeichef-Rats NPCC, Gavin Stephens, teilte mit, man werde Änderungen vornehmen, wo es nötig sei. Gleichwohl betonte er, die bisherigen Richtlinien dienten dem Zweck, die „Qualität der Polizeiarbeit“ zu verbessern. „Wir wissen auch, dass Menschen aus schwarzen Gemeinschaften das geringste Vertrauen in die Polizei haben.“
Labour lehnt Sikh-Messerverbote ab
Hintergrund sind die neuen Erkenntnisse im Fall Nowak. Der im Dezember mit einem Sikh-Zeremonialmesser getötete Brite war trotz lebensgefährlicher Verletzungen festgenommen worden. Der Täter, Vickrum Digwa, und sein Bruder Gupreet hatten den Beamten einen rassistischen Überfall gemeldet. Auf einer am Montag veröffentlichten Bodycamaufnahme (JF berichtete) ist unter anderem zu sehen, wie ein Polizist den Angriff auf Nowak bestreitet.
In his final moments, Henry Nowak told police officers nine times “I can’t breathe” and four times that he had been stabbed.
In response police officer dragged him across the gravel, handcuffed and read him his rights.
It was the last thing Henry heard before he died. pic.twitter.com/nIPoPEgOWa
— Visegrád 24 (@visegrad24) June 1, 2026
Nigel Farages Reform UK kündigte daraufhin an, die bisherigen Antidiskriminierungsrichtlinien im Fall eines Wahlsieges mit einem „Gleichbehandlungsgesetz“ zu ersetzen. „Damit werden wir die Zwei-Klassen-Polizeiarbeit beenden“, schrieb die Partei auf X. Deren innenpolitischer Sprecher Zia Yusuf beklagte, Weiße seien nun „nachweislich die größten Rassismusopfer in Großbritannien“.
Zudem forderte er, die für Sikh-Zeremonialmesser vorgesehene Ausnahme vom Messerverbot zu streichen. Innenministerin Mahmood wies den Vorschlag allerdings zurück. „Ein Messer zum Zweck der Religionsausübung bei sich zu tragen ist eine Sache – es zu benutzen eine ganz andere“, sagte sie in einer Unterhausdebatte.
Sikh-Gemeinde: Henry Nowak Mörder war ein „pathologischer Lügner“
Vergangenen Montag war Vickrum Digwa zu 20 Jahren und 190 Tagen Haft verurteilt worden. Bereits 2023 war der heute 23jährige Inder festgenommen worden, nachdem er in einem Sikh-Tempel in Southampton mehrere Messer im Wert von umgerechnet rund 1.150 Euro entwendet haben soll. Mehrere Mitglieder der Sikh-Gemeinde bezeichneten ihn nach dem Prozess laut Daily Telegraph als „pathologischen Lügner“ mit mangelnder Impulskontrolle.
Digwas Mutter, Kiran Kaur, versteckte nach dem Tod des Opfers das Tatmesser in ihrem Haus. Gegen sie läuft derzeit eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord, das Urteil soll am 17. Juli fallen. Die britische Staatsanwaltschaft erhob zudem Vorwürfe des illegalen Waffenbesitzes gegen Gupreet und seinen Vater. (kuk)






