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12. und letzte Folge: Versager sind keine Helden, Herr Merz

12. und letzte Folge: Versager sind keine Helden, Herr Merz

12. und letzte Folge: Versager sind keine Helden, Herr Merz

Merz und Fußball: Nach dem Ausscheiden gegen Paraguay rechnet unser Kolumnist ab.
Merz und Fußball: Nach dem Ausscheiden gegen Paraguay rechnet unser Kolumnist ab.
Frank Hauke kann auch anders: Nach dem Ausscheiden gegen Paraguay rechnet unser Kolumnist ab.
12. und letzte Folge
 

Versager sind keine Helden, Herr Merz

Millionen Deutsche sind mit der traurigen Erkenntnis ins Bett gegangen, in diesem Land klappt wirklich gar nichts mehr. Die Nationalelf hat niemanden „begeistert“. Und keiner ist „stolz“ auf sie – auch wenn der Kanzler genau das verkündet.
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Der Fußball bot Politikern über Jahrzehnte die Gelegenheit, die deutschen Erfolge wenigstens ein bisschen für sich zu vereinnahmen. Alle kennen die Bilder, wie Helmut Kohl den vorher so gescholtenen Bundestrainer Berti Vogts nach dem EM-Triumph 1996 im Wembleystadion herzte. Oder wie Angela Merkel bei der WM 2014 mit dem halbnackten Mesut Özil in der Kabine posierte.

Dass unsere Nationalmannschaft seit jenem Turnier nichts mehr auf die Kette bekommt und zum dritten Mal hintereinander ein Achtelfinale verpasst, ist vor allem für die Millionen Fußballfans ein Desaster. Heute früh sind wir alle traurig ins Bett gegangen und nach ein paar Stunden Schlaf mit einem noch depressiveren Gefühl wieder aufgestanden.

Die Wochen, auf die wir uns gefreut hatten, in denen wir uns mit Kindern, Eltern und Freunden gemeinsam vor dem Fernseher versammelten, um zu feiern und fröhlich zu sein, um sich in den Armen zu liegen und mit den Nachbarn, bei denen es genauso abgeht, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, sind jäh beendet.

„Deutschland ist nicht mehr Deutschland“

Die Wehmut über das Aus gegen Paraguay im Sechzehntelfinale koppelt sich mit dem Gefühl: In diesem Land klappt wirklich gar nichts mehr. Oder um es mit der großen spanischen Sportzeitung Marca nach der Niederlage gegen Paraguay zu sagen: „Deutschland ist nicht mehr Deutschland.“

Und damit bin ich beim aktuellen Bundeskanzler. Was ist dieser Friedrich Merz doch für ein Pechpilz. Kein Bundes-Berti, kein „Integrations“-Mesut, nicht einmal ein Elfmeterkiller Manuel Neuer. Jetzt, wo alle hofften, die Nationalelf könnte nach zwölf Jahren die Kurve kriegen und Deutschland auf der Weltbühne wieder erfolgreich präsentieren, passiert das, was wir heute Nacht alle live mitbekommen haben: Ein lethargischer Auftritt gegen minderbemittelte Fußballer aus Südamerika. Neuen Schwung hatte sich garantiert auch Merz erhofft – schon aus Eigennutz.

Offenbar in dem Wunsch, den Deutschen Trost zu und aus der Seele zu sprechen, ist selbst dieses Vorhaben so völlig missglückt, wie es bezeichnender für diese missratene Kanzlerschaft nicht sein könnte. Ich zitiere unseren Regierungschef: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel. Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Als ich das las, kam mir nur ein einziger Gedanke: Wenn Verlierer zusammenhalten. Mir jedenfalls hat der Pechfritze keinen Trost zu und auch nicht aus der Seele gesprochen.

Ja, der Schiri hat uns ein Tor geklaut, aber…

Natürlich können wir über das vom unfähigen und alles andere als unparteiischen Schiedsrichter geklaute Tor von Jonathan Tah jammern. Ja, das ist eine Sauerei. Von einem marokkanischen Referee, dessen Land sich den Afrika-Cup-Titel von einem korrupten Kontinentalverband zusprechen lässt, war vielleicht auch nichts anderes zu erwarten. Und was sollen wir davon halten, wenn die Fifa eine Videoassistentin aus Nicaragua bei diesem Spiel ansetzt?

Darüber können wir jetzt klagen und uns ungerecht behandelt fühlen. Die Wahrheit aber ist: Wer gegen einen solchen Gegner trotz 16 Ecken und 76 Prozent Ballbesitz fast zu gar keinen Torchancen kommt, ist ein Versager. Und Versager können eben keinen Helden sein, Herr Merz.

Es passt alles so schrecklich negativ zusammen: Selbst das Elfmeterschießen, das einst die deutsche Domäne war, können wir nicht mehr. Ich habe diesmal keine Statistik befragt, denn das weiß ich aus dem Kopf: Noch nie hat eine deutsche Nationalmannschaft dreimal verschossen. Es ist wie mit unserer einst weltberühmten Ingenieurskunst: Plötzlich krachen die Brücken zusammen.

Seit dem 15. Juni habe ich mit meiner Kolumne versucht, Optimismus und gute Laune zu verbreiten. Nicht um irgendeine politische Stimmung in diesem Land zu drehen. Sondern um mir und Ihnen, liebe Leser, ein bisschen Ablenkung und Hoffnung zu schenken. Die Zeiten sind doch schlecht genug, als dass wir uns selbst von unserem einst liebsten Kind nicht mehr begeistern lassen wollen.

Merz verschiebt die Maßstäbe ganz nach unten

Jetzt erst recht! Das war mein Gedanke, der mich beim Schreiben immer leitete. Zeigen wir, dass dieses Land nicht nur meckern, sondern ganz unpolitisch fröhlich sein kann. Ja, ich wollte ein bisschen zurück in alte Zeiten, mir und Ihnen einen Hauch von Sommermärchen 2006 schenken. Und mit Ihnen Weltmeister werden. Das ist an einer Mannschaft gescheitert – um noch einmal unseren Bundeskanzler zu zitieren –, die uns höchstens beim 7:1 gegen Curacao „begeistert“ hat und auf die wir nicht „stolz“ sein können.

Wer, wie Merz, schon beim Ausscheiden im Sechzehntelfinale stolz ist, der hat die Maßstäbe ganz gehörig nach unten verschoben. Bei den vier Weltmeisterschaften von 2002 bis 2014 standen wir jedes Mal im Halbfinale, zweimal im Endspiel und wurden einmal Weltmeister. Das waren die zwölf Jahre, die unser Anspruch sein müssen. Es folgten zwölf Jahre, in denen wir nur noch versagen. Und in denen unsere Bevölkerung durch Masseneinwanderung und Corona-Diktatur gespalten wurde. Der Fußball hätte uns ein bisschen einen können.

Sich keine Ziele mehr zu setzen und damit zufrieden zu sein, nach dem Sechzehntelfinale nach Hause zu fliegen, ist typisch für die Führung unseres Landes geworden. Es ist eine Haltung, die ich mir nie zu eigen machen will. Nichts in unmöglich. Und genau deswegen, habe ich hier auch vom Weltmeistertitel geträumt. Ich wusste, dass es unrealistisch ist, aber ich will nicht zu den Menschen gehören, die nicht mehr träumen können.

Machen wir uns das Leben trotzdem schön

Doch das fällt immer schwerer. Mit dieser traurigen Erkenntnis verabschiede ich mich von Ihnen, liebe Leser. Danke für den Zuspruch, Ihre Kritik und Ihre Treue, für die Diskussionen im Kommentarbereich. Das war die zwölfte und letzte Folge meiner WM-Kolumne. Die WM dauert noch 19 lange Tage. Gern hätte ich bis zum Endspiel mit Ihnen über Statistiken, Siege und eine große deutsche Mannschaft gefachsimpelt.

Es sollte nicht sein. Lassen wir uns von Fußball und Politik nicht herunterziehen. Machen wir uns das Leben trotzdem schön. Wir haben nur dieses eine. Oder lassen Sie mich mit dem Hit der Fußball-WM 2014 Auf Wiedersehen sagen: „Ein Hoch auf uns! Ein Hoch auf dieses Leben!“ Alle Gute und Liebe!

Lesen Sie hier Frank Haukes weitere WM-Kolumnen:

Folge 11: Warum wir heute gegen Paraguay gewinnen werden

Folge: 10: Wir haben keinen Torwart

Folge 9: Warum ist es gegen Eucuador immer so langweilig?

Folge 8: Diese doofen Anstoßzeiten und meine Kindheits-Erinnerungen

Folge 7: Soll ich jetzt meinen Frieden mit Antonio Rüdiger machen?

Folge 6: Was machen wir jetzt mit diesem Ecuador-Spiel?

Folge 5: Spitzenreiter, hey! Die Mammut-Tabelle nach dem ersten Spieltag

Folge 4: Warum Argentinien nicht Weltmeister wird, sondern nur wir

Folge 3: Wie in schlechten alten Zeiten: Der Bundes-Jogi macht die Merkel

Frank Hauke kann auch anders: Nach dem Ausscheiden gegen Paraguay rechnet unser Kolumnist ab.
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