LONDON. Schleuserbanden versuchen offenbar vermehrt, Migranten aus Großbritannien auf das europäische Festland zu bringen. Für umgerechnet 1.168 Euro wurden illegale Einwanderer mit dem Schiff über den Ärmelkanal nach Frankreich gebracht, berichtete der britische The Telegraph. Von da aus konnten die Ausländer weitere 584 Euro zahlen, um mit einem Auto nach Spanien gefahren zu werden.
Zu den Kunden hätten vor allem Menschen gezählt, die ihr Visum überzogen oder illegal in Großbritannien arbeiteten und denen deswegen die Abschiebung drohte. Eigentlich war Großbritannien in den vergangenen Jahren selbst Ziel von Schleuserbanden. Allein im vergangenen Jahr erreichten mehr als 40.000 Illegale das Vereinte Königreich über den Ärmelkanal
Spanien wurde wegen eines außerordentlichen Legalisierungsprogramms der Regierung als Ziel beworben. Ausländer ohne Aufenthaltsrecht konnten bis zum 30. Juni unter günstigen Voraussetzungen eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen (JF berichtete). Insgesamt reichten rund 1,2 Millionen Menschen einen Antrag ein.
KI-Werbung für illegale Einwanderung
Die Schleuserbanden nutzen insbesondere die sozialen Netzwerke, um die illegale Einreise zu bewerben. Auf mit KI generierten Kacheln etwa bewerben sie „sichere, zuverlässige und vertrauenswürdige“ Reisen – nicht nur nach Frankreich und Spanien, sondern auch nach Portugal, Italien, Griechenland und Deutschland.

Zudem seien Videos im Umlauf, die Migranten zeigen sollen, die beispielsweise auf der Ladefläche eines Lastwagens über die Grenze gebracht werden. Zudem gebe es Aufnahmen, wie Ausländer mit einem Auto in die ländliche Umgebung Frankreichs transportiert werden.
Ein Schmuggler habe einem Reporter des Telegraph auf Nachfrage Angebote zugesendet. Laut ihm sei Spanien die beste Option. Dort solle der Reporter einfach behaupten, dass er bereits seit 2025 im Land sei, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Die Methode funktioniere zu hundert Prozent. Das einzige Problem könne Frankreich werden – aber selbst, wenn die Migranten dort erwischt werden würden, würden sie zurück nach Großbritannien geschickt werden.
80.000 Nordafrikaner stürmen spanische Exklave
Erst vergangene Woche stürmten bis zu 80.000 Nordafrikaner die spanische Exklave Ceuta (JF berichtete). Auch in diesem Fall soll es laut einem Sprecher des marokkanischen Innenministeriums das Missverstehen einer Entscheidung der spanischen Justizbehörden sein. Diese schränkte die pauschale Rückführung von Migranten ein, die über den Seeweg spanisches Territorium erreichten.

Unter anderem behauptete Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas, dass bereits ein Großteil der Nordafrikaner wieder das Land verlassen habe. Laut Einwohnern handele es sich dabei jedoch um „reine Propaganda“ (JF berichtete). Stattdessen sollen weiterhin viele Migranten auf eine Weiterreise nach Europa hoffen. (mas)





