Den Machern des Spiegel muss man eines lassen: Die aktuelle Titelseite ist das Wochenthema. Ein wahrer Volltreffer. Alle reden darüber! Das Magazin zeigt den AfD-Spitzenkandidaten von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, grimmig wie auf einem Fahndungsplakat, darunter eine rote Schlagzeile: „Der gefährlichste Mann Deutschlands.“ Selbst Linken-Politiker Dietmar Bartsch kritisiert die Wortwahl: „Gefährlich sind Leute, die Messerattacken machen, die Autos in den CSD fahren lassen.“
Die massive Kritik nötigte Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit zu einer öffentlichen Erklärung. Sein Blatt halte Politiker für „wirkmächtiger“ als Kriminelle, weshalb man zu dieser Wertung gekommen sei. Und der Vorhaltung, der Titel sei Werbung für die AfD, hielt er entgegen: Siegmund sei relevant – „leider sind die besonders relevanten Figuren oft Verderber“.
Ulrich Siegmund reagiert auf den Spiegel-Titel, wie er jedem Angriff im Wahlkampf begegnet: mit Humor. Lächelnd hält er den Spiegel in Kameras und signiert das Heft für Anhänger, die es auf Wahlkampfveranstaltungen lachend in die Höhe halten. Es bringt politische Gegner zur Raserei, dass Siegmund nicht einschnappt, sondern ständig gute Laune und Zuversicht transportiert. Oder wie der Spiegel stöhnend einräumt: „Gibt sich fröhlich, wirkt gewinnend.“
Ulrich Siegmund bedankt sich mit einem unterschriebenen Spiegel bei ben_unskripted:
„Lieber Ben, wir sind nicht bei der CDU, hier gibt es keine leeren Versprechungen.“ pic.twitter.com/cncNstTdcr
— 🅲🅾🆇🆇 (@queru_lant) August 15, 2026
Alle arbeiten sich ununterscheidbar an Siegmunds Partei ab
Es drängt sich die Frage auf, für wen genau Siegmund eigentlich „der gefährlichste Mann Deutschlands“ sein soll. Spiegel-Boss Kurbjuweit verrät: nicht etwa für alle Deutschen sondern „aus Sicht liberaler Demokraten“. Aha. Das ist nichts anderes als eine Chiffre für die linke Hemisphäre in Deutschland, die politische Klasse, als deren „Sturmgeschütz“ sich der Spiegel („im Zweifel links“) immer verstanden hat.
Und diesen Platzhirschen, die glauben ein Dauerabo auf Diskurshoheit und Macht zu haben, die sich als Torwächter der öffentlichen Meinung sehen – ihnen graut davor, dass Demokratie bedeutet, echte Kurswechsel zu ermöglichen. Für sie ist es der GAU, wenn demnächst die Brandmauer fällt, es zum freien demokratischen Spiel der Kräfte von Linkspartei bis AfD in den Parlamenten kommt, wenn die seit Jahren existierenden Mehrheiten Mitte-Rechts realpolitisch wirksam werden.

Der Spiegel-Titel ist so genial, weil er diese Hysterie auf den Punkt bringt. Die Hysterie eines Milieus, unter dessen Ägide Deutschland gegen die Wand gefahren wurde – ökonomisch, politisch, kulturell. Ein Milieu das verzweifelt, weil die Faschismus-Keule stumpf geworden, weil die Reichweiten eingebrochen, weil die geistige Wirkung erloschen ist. Indem sich die Berichterstattung auf die AfD konzentriert und Mitbewerber von Linkspartei bis CDU sich ununterscheidbar an der AfD abarbeiten, läuft eine Wahlkampfmaschine, die sich die AfD selbst kaum besser hätte ausdenken können.





