BERLIN. Die Konsumstimmung in Deutschland hat den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren erreicht. Das Barometer sank im Mai auf 92,3 Punkte, den niedrigsten Stand seit Februar 2023. Im April dieses Jahres lag dieser Wert bei 94,9 Punkten, wie aus einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Handelsverbands Deutschland hervorgeht, die am Montag veröffentlicht wurde.
Beim aktuellen Rückgang von 94,9 auf 92,3 Punkte handelt es sich um den stärksten Verlust seit Januar 2024. Ein Sprecher des Handelsverbands nannte als mutmaßliche Gründe dafür „vor allem die steigenden Preise und die Sorgen um eine schwache Konjunktur“. Der Ende Februar ausgebrochene Iran-Krieg hatte für Deutschland bisher neben der stark gestiegenen Energiepreise auch eine gestiegene Inflation zur Folge: Die Inflationsrate liegt aktuell bei 2,9 Prozent – Höchststand seit mehr als zwei Jahren.
Nicht nur das Konsumklima ist schlecht
Der Handelsverband erwartet für 2026 „ein erneut wirtschaftlich herausforderndes Jahr“, wie ein Verbandssprecher mitteilte. Die bisherigen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung seien bisher weitgehend wirkungslos, denn: „Zu groß ist die Unsicherheit, inwieweit die Maßnahmen Effekte haben werden. Hinzu kommt die weiterhin äußerst angespannte geopolitische Lage.“ In den kommenden Monaten sei daher weder mit vermehrtem privatem Konsum, noch mit allgemeinem Wirtschaftswachstum zu rechnen. „Die Hoffnungen vom Beginn des Jahres auf eine konjunkturelle Erholung wurden durch den Iran-Krieg zunichte gemacht.“
Erst im März hatte der deutsche Einzelhandel den stärksten Umsatzverlust seit dreieinhalb Jahren verzeichnet. Inflationsbereinigt waren die Einnahmen um 2,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat gesunken – das war der dritte Verlust in Folge und der größte seit Oktober 2022. Bei diesen Zahlen handelte es sich um „einen Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen Schäden durch den Iran-Krieg“, prognostizierte damals der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Seine Argumentation: „Bleibt mehr Geld an der Tankstelle liegen, bleibt weniger übrig für anderweitigen Konsum.“ (st)






