EUSKIRCHEN. Im Fußballkreis Euskirchen sind nahezu alle Kreissportrichter aus Protest gegen die AfD-Mitgliedschaft des Schiedsrichters Noah Schmuck zurückgetreten. Deren Ehrenamt sei nicht mehr mit dem eigenen Werteverständnis zu vereinen, zitierte der Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) aus einem Schreiben der Zurückgetretenen am Dienstag. Dass der Schiedsrichter in der Partei von Alice Weidel und Tino Chrupalla aktiv ist, sei nicht mit den „Grundwerten des organisierten Sports wie Vielfalt, Toleranz, Respekt und demokratischer Haltung“ vereinbar.
Die Richter beklagten, weder der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses noch der Kreisvorstand hätten aus ihrer Sicht Maßnahmen ergriffen, um „organisatorische Konsequenzen“ zu ziehen oder die AfD-Mitgliedschaft kritisch zu hinterfragen. Demnach hätte man dem Schiedsrichter andere Aufgaben zuzuweisen können, damit er nicht in ständigem Kontakt mit Jungschiedsrichtern komme. Auch der bisherige Ehrenvorsitzende des Fußballkreises, Hubert Jung, kündigte an, sein Amt ruhen zu lassen. „Wir lassen die Brandmauer nicht einreißen“, sagte er dazu.
Auch andere Sportvereine befassen sich mit AfD-Mitgliedern
Der zuständige Fußball-Verband Mittelrhein betonte hingegen gegenüber dem KStA, dass er „gesetzlich und satzungsrechtlich“ zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet sei. Zwar habe man sich seit mehr als einem Jahr mit den Auswirkungen von Parteimitgliedschaften auf verbandsinterne Funktionen beschäftigt. Eine Amtsenthebung allein aufgrund der Mitgliedschaft in einer nicht verbotenen Partei sei aber rechtlich nicht möglich.
Schmuck beklagte, es habe keine persönlichen Gespräche mit ihm bezüglich seiner Mitgliedschaft gegeben. Auch seien ihm keine extremistischen oder sonst beanstandbaren Äußerungen oder Handlungen vorgeworfen worden. Sein politisches Engagement habe keinen Einfluss auf seine Tätigkeit als Schiedsrichter. „Das ist eine klare Vermischung von Politik und Sport, die ich für falsch halte.“ Schmuck ist Beisitzer im Vorstand des AfD-Kreisverbandes Euskirchen.
Immer wieder beschäftigen sich Sportvereine mit der Frage, ob die AfD-Mitgliedschaft damit vereinbar ist. Zuletzt hatte der Fußballklub TSG Hoffenheim im vergangenen Dezember den Ausschluss des AfD-Kommunalpolitikers Patrick Andreas Bauer nach monatelangem Verfahren gestoppt (JF berichtete exklusiv). Allerdings bleibt er für 15 Monate von den Funktionen im Mitgliederrat suspendiert. Der Sportverein legte ihm unter anderem zur Last, dass er das Leben als Transgender „Leiden“ genannt haben soll. (kuk)






