BERLIN. Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat Verschwörungstheorien zum Attentäter vom Christopher Street Day (CSD) in Berlin verbreitet. Lauterbach teilte am Dienstag auf X einen Beitrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Phoenix, in dem der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Fiedler behauptet hatte, es gebe „eine heftige Auffälligkeit seit 2024“, wenn es um „Anschläge unmittelbar vor Wahlen“ gebe.
Es sei bekannt, dass Russland eine „hybride Kriegsführung“ gegen Deutschland betreibe. Lauterbach schrieb dazu: „Sehr denkbar, dass ausländische Kräfte hier einwirken. Der Kollege Fiedler hat Recht, dass unsere Dienste hier rechtlich besser aufgestellt werden müssen.“
Es ist in der Tat sehr auffällig, dass es unmittelbar vor Wahlen mehr Anschläge gibt. Sehr denkbar, dass ausländische Kräfte hier einwirken. Der Kollege Fiedler hat Recht, dass unsere Dienste hier rechtlich besser aufgestellt werden müssen. https://t.co/ThTEtLLJKD
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) July 28, 2026
Bereits zuvor hatte die Linkspartei-Politikerin Didem Aydurmus auf der Plattform Threads kurz nach dem Anschlag auf den CSD geschrieben, die Tat sei „nur ein weiterer Grund für ein AfD-Verbot“. Vor der AfD habe es „so einen Scheiß“ nicht gegeben. „Keine russischen Marionetten, die Terroranschläge verüben, damit die Faschos mehr Stimmen bekommen. AfD Verbot jetzt!“
Am späten Samstagabend war der behördlich bekannte islamistische Gefährder Abdul Ballout zunächst mit einem weißen Transporter in die CSD-Besuchermenge am Tiergarten gerast (JF berichtete). Anschließend verletzte er nach Angaben der Polizei mehrere Personen durch „Stichwerkzeuge“. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) handelte es sich dabei um eine Machete. Infolge des Anschlags starb eine 65jährige aus Polen, weitere 29 Personen wurden verletzt, darunter die Tochter des Todesopfers. Inzwischen sind alle Verletzten außer Lebensgefahr.
Richter urteilten milde
Am Sonntag abend hatte die Polizei nach einer weitreichenden Fahndung Ballout während des Festnahmeversuchs in Spandau erschossen (JF berichtete). Der libanesischstämmige Mann war seit Jahren polizeibekannt und wollte sich 2025 dem IS in Syrien anschließen. Vergangenen Mai hatte ihn das Amtsgericht Tiergarten zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt, gewährte ihm aber eine Vorbewährung bis November.
Den Richtern zufolge habe sich der 21jährige in der Hauptverhandlung „überwiegend geständig“ eingelassen und vom IS distanziert. Da Ballout für das Gericht trotz der Volljährigkeit als „reifeverzögert“ galt, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Berlin ging in Berufung.
CSD-Attentäter bekannte sich zum Islamischen Staat
Unterdessen hat die Polizei hat auf dem Handy des CSD-Attentäters Abdul Ballout ein Video gefunden, auf dem er sich zum Islamischen Staat (IS) bekennt. Die Aufnahme auf dem Mobiltelefon, das sich im Tatfahrzeug befunden habe, sei am Tag des Anschlags aufgenommen worden, berichtet die Bild unter Berufung auf Sicherheitskreise.
Anders als das Amtsgericht Tiergarten stellte die Berliner Justiz zudem bei dem späteren CSD-Attentäter Abdul Ballout „keine erkennbare Abkehr von der extremistischen Haltung“ in Untersuchungshaft fest. Während seines Aufenthalts in der Jugendstrafanstalt habe er versucht, sein Umfeld zu missionieren, berichtet das Blatt unter Berufung auf interne Unterlagen. Demnach habe er fünfmal täglich gebetet und auch andere Inhaftierte dazu motiviert.
Seit vergangenem Januar habe sich Ballouts Erscheinungsbild geändert und sei „stark salafistisch geprägt“ gewesen. In der Gefährdungsbewertung heißt es, er habe „versucht, die Rolle eines Vorbeters und Missionars einzunehmen“ und „gezielt Kontakt zu Personen gleicher Gesinnung“ gesucht. Regelmäßig habe er seine ehemaligen Mithäftlinge angerufen und dabei die „Rolle eines Mentors“ angenommen. (st/kuk)






