Der Tirpitzhafen heißt jetzt Marinestützpunkt Kiel-Wik
Der Tirpitzhafen heißt jetzt Marinestützpunkt Kiel-Wik (Archivbild) Foto: picture alliance | Knut Niehus

Traditionserlaß der Bundeswehr
 

Kieler Tirpitzhafen: Ein schmuckloser Namenswechsel

Der Marinestützpunkt Kiel-Tirpitzhafen ist Geschichte – jedenfalls dem Namen nach. Statt dem des Großadmirals Alfred von Tirpitz (1849-1930) trägt er nun die nüchterne Bezeichnung Marinestützpunkt Kiel-Wik. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) genehmigte den entsprechenden Antrag.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) äußerte sich gegenüber dem NDR erfreut über diesen Schritt. „Wir haben nur diesen einen Marinehafen in der Wik und hier gibt es auch noch eine andere Tradition. Denn hier sind 1918 die ersten deutschen Arbeiter- und Soldaten-Räte an Land entstanden.“

Der Sozialdemokrat schlug damit den Bogen zu den aufständischen Matrosen der kaiserlichen Marine, die während des Ersten Weltkriegs im November 1918 den Befehl zum Auslaufen verweigerten und durch ihre Meuterei die Revolution in Deutschland auslösten. Das führte letztlich zum Zusammenbruch der Monarchie.

Auch Tirpitz-Mole soll neuen Namen bekommen

Hintergrund der Umbenennung ist der sogenannte Traditionserlaß der Bundeswehr. Dieser besagt, daß Militärs aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr als Teil der Tradition der deutschen Streitkräfte geehrt werden sollen.

Tirpitz war von 1897 bis 1916 Staatssekretär des Reichsmarineamtes. Er sollte in seiner Funktion den Aufbau der deutschen Hochseeflotte verwirklichen. 1917 war er Mitgründer und Vorsitzender der Vaterlandspartei und später Reichstagsabgeordneter der DNVP.

Auch die Anlegestelle Tirpitz-Mole, der Liegeplatz des Segelschulschiffes Gorch Fock, soll umbenannt werden. Im Gespräch ist laut NDR der Vorschlag Brandtaucher-Mole. Brandtaucher war das erste deutsche U-Boot, das in Kiel gebaut wurde und bei einer Testfahrt 1851 in der Förde versank. (ag)

Der Tirpitzhafen heißt jetzt Marinestützpunkt Kiel-Wik (Archivbild) Foto: picture alliance | Knut Niehus
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