Holzstich von Wilhelm Bauers "Eisernem Seehund", wie der Brandtaucher auch genannt wurde Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
Holzstich von Wilhelm Bauers „Eisernem Seehund“, wie der Brandtaucher auch genannt wurde Foto: picture alliance / akg-images | akg-images

Testfahrt des ersten U-Bootes
 

Als der „Eiserne Seehund“ ertrank

Bis die Kriegsgegner im Ersten und Zweiten Weltkrieg vor den deutschen U-Booten zitterten, war es ein weiter Weg. Die ersten Tauchversuche eines Unterseeboots vor 170 Jahren waren noch wenig erfolgversprechend. Dennoch ließ sich der Erfinder Wilhelm Bauer (1822-1875) nicht von seinen Plänen abbringen.

Der Überlieferung nach kam dem Ingenieur aus Bayern die Idee zur Erfindung eines unter der Wasseroberfläche operierenden Schiffes während seiner Teilnahme an den Kämpfen der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848-1851. Ihm schwebte demnach eine Waffe vor, die außerhalb der feindlichen Blicke agieren konnte.

Da die Truppen des Deutschen Bundes jedoch schon im Juli 1849 aus dem Konflikt ausschieden, verließ Bauer kurz drauf die bayerische Armee und trat als Unteroffizier in die schleswig-holsteinischen Streitkräfte ein. Dem Marineministerium konnte er so kurz darauf seine Pläne für die neuartige Waffe vorstellen.

Der „Brandtaucher“ sollte Sprengsätze legen

Offenbar hinterließ er damit einen bleibenden Eindruck und man bewilligte ihm erste Mittel zur Realisierung der Pläne. Doch sein 70 cm großes Modell überzeugte bei seiner Vorführung nicht. Aus Angst vor geistigem Diebstahl zerstörte Bauer das Modell und bemühte sich fortan um die private Finanzierung seines Vorhabens.

In den folgenden Monaten gelang es ihm, Gelder für die Umsetzung zu gewinnen. Sein Projekt lief unter dem Namen „Brandtaucher“ oder wegen der ungewöhnlichen Form wurde das U-Boot auch „Eiserner Seehund“ genannt.

2002 kehrte der "Eiserne Seehund" ins Militärhistorische Museum Dresden zurück Foto: picture-alliance / ZB | Matthias Hiekel
2002 kehrte der „Eiserne Seehund“ ins Militärhistorische Museum Dresden zurück Foto: picture-alliance / ZB | Matthias Hiekel

In der Theorie sollte dieser unter der Wasseroberfläche Schiffe, Brücken oder Hafenanlage angreifen und durch einen Sprengsatz in Brand setzen. Die rund 50 Kilogramm schwere Bombe, genannt Brand, gab der Erfindung ihren Namen. Mittels Stulpenhandschuhen und Greifarmen sollte der Brand an sein Ziel gebracht werden.

Der „Seeteufel“ war erfolgreicher

Im Dezember 1850 konnte Bauer mit den Tauchversuchen in der Kieler Förde beginnen. Die erste richtige Testfahrt fand schließlich am 1. Februar 1851 statt. Wie sich schnell zeigte, war sie jedoch verfrüht. Das Boot mit gut acht Metern Länge, zwei Metern Breite und knapp vier Metern Höhe war noch nicht technisch ausgereift und aus Geldmangel nicht voll ausgerüstet. Bald gab der Rumpf nach und Wasser drang ein. Bauer und seine zwei Mitinsassen konnten sich jedoch retten. Der „Eiserne Seehund“ sank auf den Grund der Förde. Dort blieb er bis zum Sommer 1887. Während der Bauarbeiten zum Torpedohafen wurde er geborgen.

Trotz dieses wenig ermutigenden ersten großen Tests arbeitete Bauer weiter an der Konstruktion von U-Booten. Vier Jahre nach dem ernüchternden Erlebnis in der deutschen Hafenstadt konnte er mittlerweile in russischen Diensten seinen sogenannten Seeteufel erfolgreich zu Wasser lassen. Dieser war doppelt so groß wie sein Vorgänger, konnte – angetrieben durch die Muskelkraft seiner zwölfköpfigen Mannschaft – selbstständig sinken und wieder aufsteigen und brachte es auf 133 erfolgreiche Tauchfahrten.

„Operation Deadlight“ beendete die Existenz der deutschen U-Bootwaffe

In den folgenden Jahrzehnten verbesserte sich die Qualität der U-Boote. Doch erst 1906 erfolgte die Indienstnahme des ersten Exemplars in der kaiserlichen Marine. Zunächst war der Leiter des Marineamts, Großadmiral Alfred von Tiripitz, kein Befürworter der neuen Waffe. Er bevorzugte wie Kaiser Wilhelm II. große Schlachtschiffe für den heroischen Kampf mit offenem Visier. Demgegenüber galten U-Boote als „blinde Maulwürfe“. Erst ihre Erfolge im Ersten Weltkrieg machten sie zu den umjubelten „Rittern der Tiefe“.

U-Boote der deutschen Marine liegen während des Ersten Weltkriegs im Kieler Hafen Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
U-Boote der deutschen Marine liegen während des Ersten Weltkriegs im Kieler Hafen Foto: picture alliance / akg-images | akg-images

Ähnlich gefürchtet waren die U-Boote im Zweiten Weltkrieg. Als die Alliierten die Verschlüsselung für die Kommunikation der deutschen Marine knacken konnten, wurden die „Jäger der Tiefe“ selbst zu Gejagten. Nach der Kapitulation im Mai 1945 mußten die Marine ihre noch vorhandenen U-Boote ausliefern. Insgesamt 155 fahrbereite Exemplare wurden von der Royal Navy und der polnischen Marine in schottische und nordirische Häfen überführt.

Am 27. November 1945 begann die „Operation Deadlight“, in deren Verlauf die U-Boote durch Beschuß nach und nach versenkt wurden. Sie endete am 12. Februar 1946 mit der Zerstörung von U3514. Damit endete 95 Jahre nach der ersten Testfahrt vorläufig die Geschichte der deutschen U-Bootwaffe.

Holzstich von Wilhelm Bauers „Eisernem Seehund“, wie der Brandtaucher auch genannt wurde Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
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