Virologe Christian Drosten
Virologe Christian Drosten Foto: picture alliance/dpa/dpa Pool | Michael Kappeler

Corona-Pandemie
 

Virologe Christian Drosten warnt vor Lockerungen

BERLIN. Der Berliner Virologe Christian Drosten hat am Donnerstag vor zu umfangreichen Lockerungen gewarnt. Angesichts einer zunehmend schwierigen Deutung der Pandemie-Entwicklung hat er laut der Deutschen Presse-Agentur für vorsichtiges politisches Handeln plädiert.

Vorhersagen würden angesichts zunehmender Impfungen immer schwieriger, die Politik müsse mit gewissem Augenmaß und gewisser Vorsicht fahren, sagte Drosten bei einer Anhörung im Parlamentarischen Begleitgremium Covid-19-Pandemie des Bundestages. Maßnahmen der Kontaktreduktion seien wirksam, man solle aber nicht zu viel auf einmal zurücknehmen. Das könne sonst zurückschlagen.

„Eine der schwierigsten Phasen überhaupt“

„Das ist jetzt eigentlich eine der schwierigsten Phasen überhaupt für die Politik, das Ganze zu navigieren.“ Auf lange Sicht werde sich das Virus nach Ansicht Drostens wie ein Erkältungs-Coronavirus verhalten. Politisches Nachtarieren werde künftig bedeuten, ab einer gewissen Verringerung der Krankheitslast auch mehr Infektionen zu tolerieren. Noch unklar sei, wie weit das gehen könne und wie intensiv man dies mit PCR-Tests verfolgen wolle.

Unterdessen geht die Debatte um die Impfpflicht für Kinder und Jugendliche weiter. Der Virologe der Universität Halle-Wittenberg, Alexander Kekulé, hält es nicht für zwingend notwendig, flächendeckend alle Kinder ab zwölf Jahren gegen Covid-19 zu impfen. „Ich bin eben dafür, daß man diese Diskussion einfach mal offen führt“, sagte er am Mittwoch in seinem Podcast „Corona-Kompaß“ vom MDR. Die Eltern müßten selbst entscheiden können, was sie machen wollen. „Ich sehe so ein bißchen die Gefahr, daß so ein sozialer Druck, oder vielleicht sogar ein politischer Druck entsteht“, warnte Kekulé.

„Ein historisches Experiment seit Entstehung des Homo Sapiens“

Man solle auch nicht aus den Augen verlieren, daß man es mit einem experimentellen Impfstoff zu tun hätte, der noch nicht einmal eine reguläre Zulassung habe. Kekulé habe das Gefühl, die Menschen würden in zwei verschiedene Welten zerfallen. Die einen seien jetzt auf dem Durchmarsch mit den Impfungen, etwa Politiker, die das befürworteten, damit keiner mehr über die Fehler redet, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Auch die Bundestagswahlen benennt Kekulé, die für Politiker ein Grund sein könnten, für die Impfungen zu werben.

Daneben gebe es die zweite Gruppe, die wage, über die Vor- und Nachteile zu diskutieren, was seines Erachtens der Regelfall sein müßte. Zusätzlich müsse beachtet werden, daß es für „die aktuelle Situation keine Erfahrungswerte“ gebe. Man habe noch nie einen neuen Impfstoff, der auf einem neuen Wirkprinzip beruhe, global in allen Altersklassen eingesetzt. „Das ist ein Weltexperiment, ein historisches Experiment seit Entstehung des Homo Sapiens“, warnte er. (hl)

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