Jugendliche bekommt Impfung (Archivbild)
Jugendliche bekommt Impfung (Archivbild) Foto: picture alliance / empics | Owen Humphreys

Corona-Pandemie
 

Kinderärzte warnen vor „Impfpflicht durch die Hintertür“

KÖLN. Kinderärzte haben vor einer Pflicht zur Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche gewarnt. Die Mediziner seien in großer Sorge, daß Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ einführen wolle und eine Immunisierung in den Schulen stattfinden soll, sagte der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Axel Gerschlauer, laut der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch der Rheinischen Post.

Gerschlauer forderte, eine Impfung dürfe nicht zur Voraussetzung für einen Schulbesuch werden. Zudem äußerte er die Sorge, bei Impfungen in der Schule könne es zu Impfreaktionen kommen, etwa einem Schock. Dies sei zwar selten, doch solch einen Vorfall wolle man keinesfalls in der Schule erleben.

Karliczek hatte am Dienstag gefordert, daß sich der Impfgipfel von Bund und Ländern kommende Woche mit den Impfungen für Jugendliche befaßt. „Es wäre wünschenswert, wenn es schon sehr zeitnah in allen Bundesländern einen Impffahrplan für die Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren geben könnte“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Dienstag.

Spahn: „Weg zu regulärem Unterricht ist das Impfen“

„Ein Weg zu regulärem Unterricht nach den Sommerferien ist das Impfen der Jugendlichen“, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gegenüber der Bild am Sonntag geäußert. Noch fehle aber dafür die Zulassung des Biontech-Impfstoffs für die zwölf bis 16-Jährigen durch die europäischen Behörden. Aber die solle bald kommen, sagte er.

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte hatte zuvor angemahnt, daß es etwa zu keiner Impfung auf staatliche Anordnung oder über einen institutionell ausgeübten Impfzwang kommen dürfe. Und daß eine Impfung nur unter einer individuellen Abwägung der Impfgründe erfolgen und der Zugang zu Bildung, Sport und sozialen Kontakten nicht vom Impfstatus der Kinder abhängig gemacht werden dürfen.

Ständige Impfkommission will medizinische Begründung klären

Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, schloß nicht aus, daß die Stiko die Corona-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche verweigere, sagte er am Mittwoch gegenüber dem Deutschlandfunk.

„Wir müssen daran denken, daß das Wichtigste ist, wenn wir jetzt eine Kinderimpfung, eine generelle Kinderimpfung starten wollen, das Wohl der Kinder ist.“ Das bedeute, daß geklärt werden müsse, inwieweit eine medizinische Begründung für diese Impfung vorliege. Argumente für eine Impfung, wie etwa die Öffnung der Schulen, die Teilhabe am Leben oder Urlaube seien „sekundäre Argumente“, die keine ausreichende Begründung für die Impfung der Kinder lieferten.

Momentan arbeite die Stiko an der Klärung der Frage, wie groß die Gefährdung der Kinder durch eine Infektion mit Sars-Cov-2 sei. Dafür werde „die ganze Weltliteratur ausgewertet“. Das sei die Voraussetzung, um eine Impfung zum Wohl der Kinder zu begründen. (hl)

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