Athen
Flüchtlinge im April in Athen auf dem Weg nach Hannover: Ganz links ein Junge mit T-Shirt „Istanbul 1453“ Foto: (Archivbild) picture alliance/Angelos Tzortzinis/dpa
Aufnahme hatte für Kritik gesorgt

Niedersachsen will weitere minderjährige Migranten aufnehmen

HANNOVER. Das Land Niedersachen will weitere Kinder und Jugendliche aus den griechischen Asyllagern dauerhaft aufnehmen. Wie das Innenministerium am Montag mitgeteilt hat, stehe die genaue Zahl aber noch nicht fest. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) erteilte jedoch der Forderung des Flüchtlingsrats Niedersachsen eine Absage.

Dieser hatte die Landesregierung dazu aufgerufen, auch Erwachsene nach Deutschland zu holen. „Nach monatelangen Diskussionen hat Deutschland nur 47 Kinder aus den Elendslagern aufgenommen, wenige hundert weitere sollen folgen. Das ist beschämend. Denn alle Menschen müssen aus den griechischen Lagern evakuiert werden“, heißt es in einer Mitteilung des Flüchtlingsrats vom Montag.

Zeitpunkt und Anzahl unklar

Vor einem Monat waren auf dem Flughafen Hannover 47 minderjährige Asylsuchende aus Griechenland gelandet. Die Bundesregierung hatte zunächst angekündigt, vor allem kranke sowie unbegleitete oder weibliche Personen aufzunehmen. Weil unter den 47 Einwanderern nur vier Mädchen waren, war auch kurzzeitig eine Debatte über darüber in der Union aufgekommen. Auch warnen Kritiker einer solchen Politik davor, daß Kinder und Jugendliche als sogenannten Ankerpersonen fungieren, wodurch weitere Migranten über den Familiennachzug nachkommen würden.

Deutschland plant, bis zu 500 unbegleitete Minderjährige von den griechischen Inseln zu holen. Wann ein nächster Flug mit Asylsuchenden eintreffe, stehe noch nicht fest, teilte das Landesinnenministerium mit. Auch sei unklar, ob die nächsten Kinder und Jugendlichen wieder in Hannover landen und dann auf andere Bundesländer verteilt würden.

Mehrere Bundesländer, Grüne und Hilfsorganisationen für weitere Aufnahme

Mehrere Bundesländer hatten zuletzt angekündigt, weitere Einwanderer aufzunehmen. Vor allem Berlin und Thüringen drängen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) darauf, weitere Flüge zu erlauben. Die Dresdner Flüchtlingshilfsorganisation „Mission Lifeline“ hatte Ende April angekündigt, sie habe genug Geld gesammelt, um Asylsuchende per Charterflug nach Deutschland zu holen.

Entwicklungsminister Gert Müller (CSU) hatte gefordert, allen Migranten in den griechischen Lagern zu helfen. „Die vielleicht schlimmsten Zustände herrschen ausgerechnet mitten in Europa“, kritisierte er.

Vor allem die Grünen fordern seit Monaten eine zügige Umverteilung der Einwanderer auf den griechischen Inseln auf andere EU-Staaten. Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) machte den Vorschlag, man könne die Asylsuchenden in Hotels unterbringen, da diese wegen der Corona-Krise meist leer stünden. Außerdem hieß es, das Land Berlin wolle ein eigenes Flugzeug nach Griechenland schicken. (ls)

Flüchtlinge im April in Athen auf dem Weg nach Hannover: Ganz links ein Junge mit T-Shirt „Istanbul 1453“ Foto: (Archivbild) picture alliance/Angelos Tzortzinis/dpa

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