Asylbewerber

Nahles: Mehrheit der Asylbewerber schlecht qualifiziert

BERLIN. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) rechnet wegen des Zustroms von Asylbewerbern mit steigenden Arbeitslosenzahlen in Deutschland. Weniger als zehn Prozent der Asylsuchenden bringe die Voraussetzungen mit, sofort auf eine freie Stelle vermittelt zu werden. „Nicht alle, die da kommen, sind hoch qualifiziert. Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall.“

Nahles betonte jedoch, die durch die Asylbewerber steigenden Arbeitslosenzahlen seien dann „kein Zeichen einer gescheiterten Arbeitsmarktpolitik“, sondern ein Zeichen, „daß wir eine andauernde Aufgabe bewältigen müssen“. Allein ihr Ministerium benötige im kommenden Jahr drei Milliarden Euro zusätzlich, um Asylsuchende zu versorgen und zu integrieren.

Arbeitsvisa für Balkanstaaten

Um die Asylanträge aus den Balkanstaaten zu verringern, plant die Arbeitsministerin zudem ein jährliches Kontingent von 20.000 Arbeitsvisa für diese Länder. Wer dann einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag vorweise, dürfe in die Bundesrepublik einwandern.

SPD-Chef Sigmar Gabriel dagegen sieht den Zustrom von Asylsuchenden positiv für die deutsche Wirtschaft. „Schaffen wir es, die Menschen, die zu uns kommen, schnell auszubilden, weiterzubilden und in Arbeit zu bringen, dann lösen wir eines unserer größten Probleme“, unterstrich Gabriel.

Wirtschaftsinstitute sehen nur Vorteile

Die italienische Großbank UniCredit zeigte sich ebenfalls davon überzeugt, daß Deutschland finanziell profitiert. Bis 2020 werde die Wirtschaft wegen der Asylbewerber und anderer Einwanderer um 1,7 Prozent wachsen, heißt es in einem Bericht der Italiener. „Das entspricht einem Zuwachs von rund 50 Milliarden Euro, verglichen mit einem Szenario ohne zusätzliche Einwanderung“, sagte der Deutschland-Chefsvolkswirt der Bank, Andreas Rees.

Das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI sagte in seiner Herbstprognose voraus, daß junge Einwanderer die Sozialsysteme entlasten würden, wenn es gelinge, sie zu integrieren. Dagegen hatte der Chef des Ifo-Instituts in München, Hans-Werner Sinn, die Einwanderung nach Deutschland bereits 2014 als „Verlustgeschäft“ bezeichnet. Der Sozialstaat wirke wie ein Magnet auf unqualifizierte Einwanderer, kritisierte der Wirtschaftsexperte damals. (ho)

Auf dem Weg ins Arbeitsamt Foto: picture alliance/dpa

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