Backpfeifen in Düsseldorf

Der Protest ließ wie immer nicht lange auf sich warten. Am 30. Januar diesen Jahres, einem Donnerstag, macht eine wutschnaubende „Marktfrühschoppengegnerin“ ihrem Ärger auf der Internetplattform „Indymedia“ (JF 40/02) Luft. Am selben Tage wurde vor dem Marburger Amtsgericht eine Frau zu über 300 Euro Strafe wegen Nötigung verurteilt, weil sie mit einer Trillerpfeife den traditionellen Marburger Marktfrühschoppen, störte. „Backpfeifen statt Trillerpfeifen“ formuliert die „Marktfrühschoppengegnerin“ im gewohnten Schutz der Anonymität augenzwinkernd ihren Gewaltaufruf. Danach ein drohendes „… und der nächste Marktfrühschoppen ist am 6. Juli!“ Der Marktfrühschoppen in Marburg findet seit 1953 auf dem Marktplatz statt und ist heute eine der letzten Bastionen, wo Korporierte in Deutschland öffentlich Präsenz zeigen. Zu Blasmusik und Frischgezapften feiern dort stets in den ersten Juli-Tagen Verbindungsstudenten gemeinsam mit Marburger Bürgern. Schon dadurch ist der Marktfrühschoppen Linksextremisten nicht nur aus Marburg ein Dorn im Auge. Die Motive, aus denen solche Proteste stattfinden, sind meist sehr schnell klar. Meistens ist es der Neid auf die oftmals stattlichen Villen der Verbindungen (in Marburg sind es 38) sowie auf das schon fast sprichwörtliche „Vitamin B“, welches den Korporierten durch die „einflußreichen Alten Herren“ angeblich sagenhafte Karrierechancen eröffnet. Vor allem das sogenannte „Projekt Konservatismus und Wissenschaft“ (PKUW) fühlt sich hierbei als Vorreiter. Passend zum Martkfrühschoppentermin lädt das Projekt zur Tagung „Eliten – Männerbünde – Vaterland, Studentenverbindungen in der Kritik“ ein. Die zeitliche Nähe zum Marktfrühschoppen ist durchaus erwünscht, ermöglicht sie doch den Kongreßteilnehmern einen Tag später die Teilnahme an den eventuellen Ausschreitungen gegen das traditionelle Volksfest. Seit seiner Gründung im Jahr 1993 versucht sich das PKUW, das sich nach eigener Definition als „ein Zusammenschluß von Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und anderen politisch Engagierten“ versteht, besonders wissenschaftlich, unabhängig und universitätsnah zu positionieren. Allerdings spricht die Liste der Verweise auf deren Internetseite eine gänzlich andere Sprache. Dort sind beispielsweise das linksextremistische Antifa-Magazin Der Rechte Rand, und die orthodox-kommunistische Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten aufgeführt. Daß Eva Gottschaldt, Gründungsmitglied des PKUW und angekündigte Referentin auf dem diesjährigen Kongreß, ausgerechnet für die PDS als Fraktionsvorsitzende in der Marburger Stadtverordnetenversammlung sitzt, spricht ebenfalls für sich. Aber auch ein weiteres Gründungsmitglied des extremistisch angehauchten Projekts macht derzeit von sich reden. Der Wiesbadener Gesamtschullehrer Dietrich Heither ist durch seine zahlreichen Veröffentlichungen zum Themenbereich „Korporationen“ bekannt. Er darf am 8. Oktober auf einer Fachtagung des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes („Die Neue Rechte – eine Gefahr für die Demokratie“) zum Thema „Neurechte Einflüsse auf studentische Verbindungen“ sprechen. Auf dieser Veranstaltung (JF 21/03) befindet er sich in guter Gesellschaft, es referiert beispielsweise auch der ausgewiesene Linksextremist und Kölner Professor Christoph Butterwegge, laut dem Nachrichtenmagazin Focus „PDS- und DKP-nah“. Worüber Heither in Düsseldorf in den Räumen der Landesregierung sprechen wird, läßt sich bereits aufgrund der Arbeit „seines“ Projekts „Konservatismus und Wissenschaft“ erahnen. Dort heißt es: „Eine Kritik, die sich vorrangig auf neofaschistische Tendenzen bei einigen Verbindungen stützt, greift zu kurz. Denn kritikwürdige Elemente finden sich als konstituierende Bestandteile bei allen studentischen Verbindungen: hierarchische Strukturen, das Lebensbundprinzip, männerbündische Strukturen, Elitenbildung, die Rolle im Nationalsozialismus und eine mindestens konservative und oftmals nationalistische Grundhaltung“. Der 1964 geborene Heither veröffentlichte bereits zahlreiche diffamierende Aufsätze und Buchbeiträge zum Korporationswesen. Heither läßt keine Gelegenheit aus, das von ihm offensichtlich tief verachtete Verbindungswesen mit den oben genannten linken Bannvokabeln und Gemeinplätzen zu belegen. Die Leitlinie des PKUW, nämlich die grundsätzliche, sowohl in Praxis und Theorie unwissenschaftliche Brandmarkung sämtlicher Verbindungen und deren Mitglieder als zumindest „faschistoid“, wird Heither aller Voraussicht nach auch beim NRW-Verfassungsschutz nicht verlassen. Das PKUW möchte das Volksfest ersatzlos streichen Heither ist ebenfalls Mitautor des bei Elefanten-Press erschienenen „Handbuch deutscher Rechtsextremismus“, einer Art Antifa-Bibel. Die Autorenliste liest sich wie ein Wer-ist-Wer des deutschen Linksextremismus. Neben dem erwähnten Christoph Butterwegge veröffentlichen dort beispielsweise auch die ehemalige PDS-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke, die am Fließband Antifa-Anfragen stellte, der Publizist Ralph Giordano, die „Fantifa Marburg“ („eine Frauen-Gruppe, die zum Thema Frauen und Rechtsextremismus arbeitet“), Siegfried Jäger vom linksextremistischen Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) sowie Gernot Modery, der eher unter seinem Tarnnamen Anton Maegerle als Antifa-Journalist bekannt sein dürfte. Wie geht es weiter in Marburg? Man kann gespannt sein. Das PKUW veröffentlichte eine offensive Erklärung, in der es sich dafür ausspricht, den Frühschoppen „ersatzlos zu streichen“. Die Protestler gegen das Volksfest dürften sich also von Heithers Truppe zum Austeilen von „Backpfeifen“ ermutigt fühlen. Wandschmiererei in Marburg (2002): Neid auf die stattlichen Villen

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