Der Abschied von Nicholas Potter bei der taz wirft ein trauriges Schlaglicht auf den Stand linker Publizistik in Deutschland. Der freischaffende Journalist Matthias Meisner (früher ebenfalls bei der taz und beim Tagesspiegel) reflektierte das Aus des deutsch-britischen Journalisten bei LinkedIn so: „Ich hätte besser gefunden, Du hättest die taz ausgehalten. Und die taz hätte Dich ausgehalten.“
Mit dem letzten Satz deutet der Reporter an, dass Potter für seine Berichterstattung über Israel und den Krieg im Gazastreifen nicht nur im weiteren linken Milieu, sondern auch im eigenen Haus Widerspruch erfahren haben wird.
Schmutzkampagne trifft auf Verbotsforderung
2025 stand der 1990 geborene Autor im Zentrum einer Schmutzkampagne (JF berichtete). Auf Stickern wurde er als „German Hurensohn“ verunglimpft, weil er angeblich „Propaganda“ in den Diensten der israelischen Streitkräfte zu Papier brächte. Die Angriffe kamen auch aus dem Umfeld der Nachrichtenplattform red. – über die Potter wiederum in Artikeln insinuierte, sie werde von Russland finanziert.
Kein halbes Jahr später, im Mai 2025, landete der Gründer der antiimperialistischen Seite, Hüseyin Doğru, auf einer EU-Sanktionsliste. So trifft Rufmord ganz offen auf Verbotsforderungen; in einer solchen Atmosphäre lässt sich nur schwer journalistisch arbeiten.
Potters Buchdebüt bringt Linke zum Schäumen
Anfang des Jahres warf Potter seinen innerlinken Kritikern noch ein Buch mit dem Titel „Die neue autoritäre Linke“ an den Kopf, in welchem er ihnen pauschal attestierte, eine Gefahr für die Demokratie zu sein.
Die Rezensionen fielen vom linken Blatt Neues Deutschland über das sozialistische Jacobin-Magazin bis hin zur marxistischen Zeitung Junge Welt einhellig negativ aus. „Denunziatorischer Streberjournalismus“, titelte etwa die seit 2022 schlicht unter dem Namen nd laufende Publikation. Und das war noch eine der netteren Formulierungen.
Wer sich attackiert fühlte, warf Potter vor, dieser habe sich in der Vergangenheit selbst sehr kritisch über seinen neuen Arbeitgeber geäußert – der Reporter wechselt nämlich zu Springer.
Wer weiß? Vielleicht wurde der Wechsel bereits im Februar bei einer Homestory über den damaligen Welt-Herausgeber Ulf Poschardt beschlossen. Der Abgang schadet der linken Presse so oder so. Aber er verdankt sich auch spezifisch linken Schwächen – etwa in Sachen Debattenkultur.







