Sie hat all das, was Journalisten fasziniert und was das hippe Berliner Milieu mag: Elif Eralp ist eine Frau, kommt aus „antirassistischen“ Initiativen, hat migrantische Wurzeln, und sie will Enteignungen von Wohnungskonzernen. Damit hat es die 45jährige zunächst in ihrer Partei, der Linken, und nun auch in den Umfragen ganz nach vorn gebracht. Den Demoskopen zufolge wird die umbenannte SED (die in der jüngsten Umfrage bei 23 Prozent steht) am 20. September stärkste Kraft bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl.
Da es mit Grünen (16 Prozent) und der abgeschlagenen SPD (10 Prozent) zu einer parlamentarischen Mehrheit wohl reichen würde, sehen viele Beobachter Eralp schon als nächste Regierende Bürgermeisterin der Hauptstadt. Das einzige, das ihr noch auf die Füße fallen könnte, ist der sich ausbreitende Islamismus in ihrer Partei. Nachdem sozialistische, aber regierungsfähige Politiker wie Ex-Senator Klaus Lederer die Partei im Streit um eine Antisemitismus-Erklärung verlassen haben, fällt der Berliner Landesverband zunehmend Linksextremisten und radikalen Moslems in die Hände.
Sie gibt dem Milieu der Linken Futter
In Neukölln zum Beispiel kandidiert Ahmed Abed als Bezirksbürgermeister. Der scheidende Amtsinhaber Martin Hikel von der SPD sagt, dessen Nominierung sei ein „Schlag ins Gesicht aller, die sich für ein friedliches Zusammenleben und gegen Islamismus einsetzen“. Eralp versucht es mit Abgrenzung, um sich für breitere Schichten wählbar zu machen. Von „Intifada“-Forderungen und einem Mordaufruf gegen die israelische Armee auf einer Linken-Wahlveranstaltung zeigte sich die Mutter zweier Kinder kürzlich „entsetzt“.
Ist das glaubwürdig? Bei einer Diskussion in einer Moschee erklärte sie gerade: „Genauso wie über Antisemitismus in dieser Stadt gesprochen wird, muss auch über antimuslimischen und antipalästinensischen Rassismus gesprochen werden. Und das machen wir viel zu wenig.“ Damit gibt sie diesem Milieu Futter. Das erstaunt wenig, hat sie doch unter anderem mit dem besonders radikalen Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak vor sieben Jahren die Vereinigung „Links*Kanax“ gegründet.
Ihre linksgerichteten Eltern flohen aus der Türkei
Eralp ist kein Gastarbeiterkind. Ihre linksgerichteten Eltern flohen 1980 nach dem Militärputsch aus der Türkei. Der Vater ist Arzt. Von München über Dortmund und Hamburg zog die Linken-Politikerin 2010 nach Berlin. Vorher hatte sie beide juristische Staatsexamen abgelegt. Doch als Anwältin oder Richterin arbeitete sie nie. Stattdessen ging sie als Referentin für Rechtspolitik sofort nach dem Studium in die Linken-Bundestagsfraktion. Mitglied der Partei wurde sie allerdings erst 2017. Ein Jahr später saß sie im Berliner Landesvorstand.
Seit 2021 gehört die Frau, die in ihrer Jugend Castortransporte blockierte, dem Abgeordnetenhaus an. Ob sie bis ins Rote Rathaus gelangt, entscheiden SPD und Grüne. Diese gingen zuletzt wegen der extremistischen Ausfälle auf Distanz. Nicht unwahrscheinlich ist jedoch, dass sie damit vor allem Wähler von der Linken abziehen wollen, ohne diese als spätere Regierungspartnerin zu verlieren. Eralp würde damit erstmals nach 1990 das Rote Rathaus für ihre Partei zurückerobern. Bis zur Wende in der DDR saß dort 16 Jahre lang der SED-Politiker Erhard Krack.






