Der Ansturm auf die Universitäten hält an. Während das Handwerk händeringend nach Auszubildenden sucht, füllen sich die Hörsäle immer weiter. Ein Umdenken ist notwendig, denn Hegel hilft nicht beim Busreparieren. Ein Kommentar von Laila Mirzo.
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Soll ich mal einen kleinen Stein ins Wasser werfen?
Schon mal was von PTU (Polytechnischer Unterricht) und UTP (Unterrichtstag in der Produktion) gehört?
Und von 15% Abiturienten?
Und … naja.
– „Handwerk hat goldenen Boden“ heißt es im Volksmund, doch bei vielen Schulabgängern kommt diese Weisheit nicht an. –
Das könnte auch an den Erfahrungen meiner Generation liegen, die jetzt Kinder im Schulalter haben.
Es war möglich sich ohne richtigen Schulabschluss bis zum Dipl. Ing. zu qualifizieren. Es dauerte nur wesentlich länger, kostet mehr Zeit und Nerven und ging ins Geld, was sich je nach Job nie wieder amortisiert.
Bei mir 3,5 Jahre Lehre Elektroinstallateur mit circa 500 DM monatlich. Durch die erworbene Mittlere Reife wegen dem guten Gesellenbrief konnte ich 7 Jahre danach den Techniker machen. Vorher musste allerdings das Geld für 2 Jahre Vollzeit einer privaten Technikerschule beiseite gelegt werden. Das ging nur durch den Wechsel in die Industrie und eine Stelle als Service-Techniker im Außendienst in Europa.
Durch die zusätzlich erlangte Fach-Hochschulreife belegte ich nach 1 Jahr als Techniker noch das Studium zum Dipl. Ing. (FH). Das dauerte nochmals 4,5 Jahre mit Höhen und Tiefe sowie finanziellen Einbußen.
Als mein hoch gestecktes Ziel 2009 erreicht war, sah ich mich mit der Immobilienkrise konfrontiert. Nach 35 Bewerbungen dann im Job.
Naja, das Handwerk goldenen Boden hat haben mir meine Eltern damals auch verkauft. Also habe ich Heizungsbauer und Installateur gelernt. Recht schnell jedoch merkte ich, das Handwerk eben keinen golden Boden hat, sondern Blei im Arsch. Man arbeitet sich den sprichwörtlichen Buckel, bei vergleichsweise wenig Geld. Heute ist mein Rücken ruiniert. Ich laufe mit Dauerschmerzen rum und bin froh, das ich den sogenannten goldenen Boden verlassen konnte und heute mein Geld in einem Bürojob sammle.
Insofern verstehe ich die jungen Leute dann durchaus ein Stückweit sehr gut.
Die Probleme haben ihren Beginn mit der Auslagerung der Fertigung nach Asien, müsste Ende der 90er gewesen sein.
Es hieß dann, dass Deutschland sich vom Produktionsstandort zum Entwicklerstandort wandeln wird. Deshalb werden hoch qualifizierte Fachkräfte benötigt.
Es wurde frühzeitig auf Kinder und Eltern eingewirkt, dass nur ein Studium die Zukunft sichert.
Folge war, dass an den Mittel-/Hauptschulen fast nur noch die lustlosen Schüler und Problemfälle sind. Der Anteil der Migranten an der Mittelschule nimmt stetig zu. Ein guter Nachwuchs für das Handwerk ist kaum dabei.
Die Industrie hat dadurch auch das Nachsehen, weil auch diese sich vom Handwerk bedient hat oder die guten Hauptschüler (früher) direkt ausgebildet hat.
Mittlerweile werden sogar fertige BWL Studentinnen als Sekretärin eingestellt.
Inzwischen wandert die letzte noch vorhandene Industrie (Fertigung) ins Ausland ab. Weiterhin zu behaupten, wir brauchen Fachkräfte beschränkt sich auf Berufe, deren Arbeitgeber nicht abwandern. Dazu gehören die medizinischen Berufe und die Pflege. Dort wird schon länger gespart, so dass nicht diese Menge an Personal benötigt oder eingestellt wird.
Noch Fragen?
Teil2:
Dann hatte ich den Elektriker-Beruf durch Zeitarbeits-Einsätze gelernt.
Inzwischen habe ich eine unbefristete Festanstellung in einem namhaften Kranbau-Konzern als Industrie-Elektriker.
Ausreichende Bezahlung, sehr gutes Arbeitsklima, handwerkliches Arbeiten und dazu nur zwei bis drei Kilometer von meiner Haustür entfernt, sodass ich mit dem Rad zur Arbeit kann
Schön! Gefällt mir sehr!
Ich habe gearbeitet in Werkstätten, Werkhallen, Baustellen und Büros.
Angefangen hatte ich nach dem Abi ein 13wöchiges Praktikum in einem kleinen Industrieelektronik-Betrieb.
Dann eine chaotische Lehre zum Kommunikationselektroniker inkl. Arbeitgeberwechsel mitten in der Lehre. Ich hatte mich selbst darum gekümmert, da der alte Betrieb ausbildungstechnisch nicht mehr geeignet war (Umstellung nur noch auf Software).
Ich hatte dann ein paar Jahre in dem Beruf gearbeitet, wo mir aber die langweilige Löterei auf die Nerven ging und ich habe dann eine einjährige Qualifizierung im Software-Bereich gemacht und danach eine Stelle als System-Engineer in einer IT-Firma bekommen.
In den 10 Jahren wo ich dort war, war mein Schwerpunkt Sun Solaris und Oracle Datenbanken.
Die dauernde Überlastung im Büro hatte dann aber schwerwiegende psychische Komplikationen ausgelöst.
Ich wollte dann plötzlich Bauarbeiter werden und etwas handwerklich arbeiten, weil man da sein Arbeitsergebnis anfassen und betrachten kann; außerdem hat man da auch wirklich Feierabend wenn man Feierabend hat.
Dann wurde die Abteilung geschlossen und hab dann neu angefangen als Elektro-Helfer auf Baustellen, gerne Rohbau usw
„Wenn der Handwerker fehlt, baut niemand die Uni“
Hmm … wir beziehen heutzutage doch Alles vom Chinesen. Schon mal bei Amazon reingeschaut?
Der Chinese, dem muß man nur ein Stück Deutschen Boden ausweisen, dann baut er darauf die Uni. Der liefert alles Material und alle Anlagen, und hochziehen und ausrüsten tut er es mit eigenen Arbeitern. Die fliegt er hier ein, und versorgt sie hier mit Kost und Logis, und wenn alles fertig ist nimmt er sie wieder mit.
Der Minister muß nur noch das Band durchschneiden, und wir füllen dann die Uni mit denen, die nicht arbeiten wollen.
In Afrika haben die Chinesen das schon öfter gemacht. Die fragen da beim lokalen Potentaten an, und wenn der das gut findet, dann läuft das. Irgendeinen Vorteil werden die Chinesen davon schon haben. Denn dumm ist er nicht, der Chinese.
Früher haben wir auf die Schwarzen herabgeschaut. Heute sind wir woke, und sie sind unser Vorbild.
Weil im linksgrünen Gleichmacher -Neokommunismus nur noch das Abitur zählt , bekommen wir jetzt die Quittung.
Tagtäglich erlebe ich, wie dämlich die Abiturienten sind, wenn die die Schule verlassen. Und die Abbrechenquote an den Unis beweist das.
Da hatten wir mit der „mittleren Reife“ ein besseres Niveau.
Wir haben noch für das Leben gelernt, ohne linksgrüne Pauker.
Was die junge Generation in der neunten bis zwölften Klasse lernen „muss“ ist komplett für den Arsch.
Starke und unabhängige Frau:innen mit Piehaitschdie in geschützten Werkstätten (Staatsstellen) werden das wuppen!
Wir haben in den letzten Jahren Millionen überwiegend junge, männliche Neubürger in Deutschland bekommen. Warum zum 🦅 lassen sich da nicht einige hunderttausend Azubis für handwerkliche Berufe finden? ☹️
Auch die 100.000e Syrer, Afghanen, Iraker u. andere kommen u. a. mit dem Träumen hierher, Pilot, Arzt, Ingenieur zu werden (wo gibt es das sonst – alles ümmesons“.
Beim einheimischen Nachwuchs wurde seit vielen Jahrzehnten alles dafür getan worden, ihn vom Handwerk fern zu halten. Nur studieren war wünschenswert. Als erstes wurde die Fähigkeit zur Gymnasial-Weiterbildung durch Prüfungen abgeschafft.
Klassenwiederholungen: „In unserer Schule bleibt niemand sitzen, alle werden bis zum Abi mit durchgezogen“ … heißt es.
Außerdem: Schön ist das Studentenleben! „Ich möchte am liebsten immer Student bleiben“ – hörte ich sagen.
Handwerk dagegen: Jeden Morgen zeitig aufstehen, pünktlich sein, täglich zeigen, ob u. was man gelernt hat. Pflichten, die in der grünen Erziehung kaum vorhanden sind. Und dazu kommen noch die schönen, vielen Semesterferien, die im Handwerk fehlen!
Was dabei bei solchem u. anderem herauskommt, kann m. M. nach nicht überraschen! Also war es genau so gewollt!
U. somit werden immer mehr Sozialwerker gebraucht. Jedem, der es braucht, das sind viele, seinen eigenen zur Seite stellen.
Als ehemaliger Schulleiter einer Grund- und Hauptschule habe ich und viele Kollegen schon vor ca.25 Jahren vor dieser Entwicklung gewarnt.
Heute haben wir so viele Abiturienten (mit Billigabitur) mit denen man nichts anfangen kann,aber keine Handwerker mehr.Die Zeit ist schon da,dass ein Handwerker jeden Preis verlangen kann,wenn er denn überhaupt kommt.
Ich hielt und halte mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Carstens.“ Es wird Zeit,dass ein Handwerksmeister den gleichen Stellenwert hat wie ein Akademiker. “
Erwin Reus Coburg
„dass ein Handwerksmeister den gleichen Stellenwert hat wie ein Akademiker“
Ganz so einfach ist das leider nicht.
Akademiker, das kann alles Mögliche sein (früher nicht, aber heute, alle Neu macht Bologna). Aber Handwerker, das setzt handwerkliches T a l e n t voraus. Die einen haben es, alle anderen haben es nicht. Ich hoffe immer, daß ich es mit denjenigen unter den letzteren, die trotzdem Handwerker werden, nicht zu tun bekomme.
Manch EINER versäumt es seine echt guten Veranlagungen wahrzunehmen und mit Hand und Geist zu schaffen; und lässt sich von einem Trend ( an der Universität studieren zu müssen) überzeugen der damit sein eigenes Potential womöglich nicht erreicht.
Und dann – wenn’s Studium nicht passt- kann man es ja immer noch abbrechen und in die Politik gehen – und dort, LAUT, seine „halb entwickelten“, kapriziösen Meinungen, postulieren..
Als mein Enkel sich vom Gymnasium verabschiedete, weil er doch nicht Architekt, sondern lieber Dachdecker werden wollte (seine Eltern haben ein Dachdeckerunternehmen) haben so viele auf ihn eingeredet. Sein Entschluss stand fest. Jetzt, noch 3 Jahren, im Landeswettbewerb ist der der Beste, im Bundeswettbewerb der Viertbeste Dachdecker Deutschlands, kann er sich in der Freizeit kaum retten vor Aufträgen. Jetzt beginnt er den Meister zu machen und geht dann erst mal in Deutschland Erfahrungen sammeln. Seine Lehrerin traf ihn zum Abi-Ball und fragte, ob er es nicht bereut habe, kein Abi gemacht zu haben, musste er es sich verkneifen, um nicht zu sagen „Ich verdiene jetzt schon mehr wie ein Lehrer“ nein, er hat es nie bereut. Er hat aber auch eine Liebe zu diesem Beruf. Übrigens waren bei den Dachdeckerwettbewerben ausschließlich Jungen (auch ein Mädchen), die aus dem elterlichen Betrieb kommen und einmal die Firma übernehmen wollen.
ARBEIT ( mit der Hand)—- IST M E H R als Broterwerb…..
„Kaufmännische Angestellte“ zu werden- war mit einer DREIJÄHRLICHEN LEHRE verbunden (1958-1961, ich begann die Lehre mit dreizehn-einhalb). Innerhalb fünf Jahre avancierte ich zur Assistentin, Einkäuferin.
Von Bekannten wurde ich zum Mediziner Ball, Nürnberg,1967, eingeladen. Kaum meinen Platz eingenommen-war ich von einem (mir nicht bekannt) Mediziner schnell aufgefordert eine „langsamen“ Tanz zu tanzen. Der gewisse Herr schien mir TÖLPELHAFT, ungepflegt, etwas UNGEHOBELT; ich sagte: „Danke, vielleicht später“…und überhörte ein Gespräch zwischen zwei „ wer ich denn sei“? Sie ist „EINE VERKÄUFERIN“ (in einem Modehaus) … „Ja mei“, meinte der andere Mediziner, „WAS KANNST DU VON EINER VERKÄUFERIN SCHON ERWARTEN“?
Sechs Wochen später saß ich in einem PAN-AM Flugzeug Richtung Dullas Airport, Virginia… um im Hin und Zurück meine echte Identität zu finden.. Negative Stigmatisierung ist ebenso tödlich wie VOREINGENOMMENHEIT!
Meinen BA erhielt ich 1994 with „cum laude“ von der Universität von Maryland, USA!
Dr. Otto F Best, der BESTE GERMANISTIK PROFESSOR KLÄRTE MICH „über DIE DUMMHEIT DES MENSCHEN“ auf und nahm mich unter seine Obhut! Sein gleichnamiges Buch ist eins von 33 …
Ich habe eine Ausbildung in einem mittelständischen Handwerksbetrieb der Elektrobranche gemacht, im Zeitraum von 1992 bis 1996. Meine Erfahrungen waren überwiegend negativ. Als Auszubildener war man nur eine billige Hilfskraft.
Mir ging es ähnlich in der Lehre zum Kommunikationselektroniker (INF).
Mir fehlte damals die Lehrwerkstatt, um auch die praktischen Basics zu lernen.
Fazit:
Statt dem dualen System brauchen wir ein Dreifach-System:
Lernen im Betrieb, Lernen in der Berufsschule und Lernen in einer überbetrieblichen Lehrwerkstatt.
„Mir fehlte damals die Lehrwerkstatt“
Ja, das ist ein Schwachpunkt beim Handwerk. Die Industrie kann sich spezielle Lehrwerkstätten leisten, in denen die Auszubildenden in den G r u n d l a g e n und der v o l l e n Palette des von ihnen gewählten Metiers praxis-kompetent werden. Die Theorie bringt die Berufsschule, und die realen Produktionsprozesse der Firma lernen sich durch parallele Aushilfseinsätze (zusehen, dann mithelfen) im Betrieb
Eine andere Geschichte ist das, wenn jemand eine Dachdecker-Lehre im elterlichen Betrieb macht. Da ist die Perspektive schon mal eine ganz andere. Frustrationen à la „billige Arbeitskraft“ kommen da garnicht erst auf.
Ich kenne mich ein wenig aus mit der Materie. Meine Eltern hatten eine handwerkliche Bäckerei. Ich folgte aber meinen Neigungen und bin Ingenieur geworden (Elektrotechnik).
Damals mußte man noch 26 Wochen „Industrie-Praktikum“ machen, davon 8 Wochen „Metallverarbeitung“. Diese 8 Wochen habe ich in der Lehrwerkstatt eines Industriebetriebs gemacht, der sich so was leistete. Ich habe da in 8 Wochen (oberflächlich) alles gelernt, was die Lehrlinge in drei Jahren (gründlich) lernten. Und immer wieder sehr davon profitiert.
Genau das haben wir.
Als Elektriker Lehrling muss man jedes Jahr drei Wochen zur Handwerkskammer zur Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU).
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