Meinung

Dieselfahrverbote wären ähnlich fatal wie die Energiewende

Die Stickstoffoxid-Emissionen sind in den vergangenen 25 Jahren deutlich gesunken. Laut Umweltbundesamt gingen die Abgase von 1990 bis 2015 um 1,7 Millionen Tonnen pro Jahr oder 59 Prozent zurück. Das ist allerdings nicht so stark, wie es Bund und Europäische Union gerne hätten.

Deshalb sollen jetzt als erste Maßnahme Dieselautos dran glauben. In der seit Monaten laufenden Kampagne gegen die sparsamen Motoren mischen sich Interessen von Gruppen, die seit jeher gegen Autofahrer kämpfen, betrügende Autohersteller und schließlich überaktionistische Politiker.

Kein Abgeordneter kann ernsthaft für ein Dieselfahrverbot stimmen. Denn die meisten Fahrzeuge entsprechen nicht der saubereren Euro-6-Norm, sie sind älter und schmutziger. Wie sollen Maler, Maurer oder Klempner ihre Ziegel und Gipsplatten in die Stadt fahren? Mit „Materialfahrrädern“? Wohl kaum.

Schwere wirtschaftliche Belastungen für Kleinbetriebe

Und auch ein Umstieg auf Benzinmotoren ist mit der damit einhergehenden Leistungsschwäche bei höherem Verbrauch ungünstig. Für viele Kleinbetriebe, auch Taxiunternehmen, bedeutete ein Fahrverbot der meist mit Diesel betriebenen Wagen schwere wirtschaftliche Belastungen.

Wie sollen Zehntausende Pendler aus den Speckgürteln der Großstädte morgens rechtzeitig ins Büro kommen? Mit Zügen nicht, denn die sind zu Stoßzeiten jetzt schon überfüllt. Ebenso betroffen wären Familien mit drei oder mehr Kindern. Volkswagen der T-Serie oder Mercedes Vito sind bei ihnen beliebt – meistens als Diesel.

Und auch jeden anderen Bürger mit Dieselauto träfe ein überhastet angeordnetes Fahrverbot hart. Über Nacht verlören ihre Wagen eklatant an Wert oder würden unverkäuflich.

Autohersteller müssen in die Pflicht genommen werden

Indes: Autohersteller müssen in die Pflicht genommen werden. Wer vor zehn Jahren einen Diesel kaufte, weil er umweltbewußt einen sparsamen und CO2-armen fahrbaren Untersatz wollte, fühlt sich aufgrund der Schwindeleien hinters Licht geführt.

Sollte die Bundesregierung Nachrüstungen beschließen, damit die Autos tatsächlich so viel emittieren, wie es die Hersteller angeben, darf das nicht auf Steuerzahlerkosten geschehen. Dann müssen Unternehmen das Vertrauen ihrer Kunden zurückgewinnen.

Keine Stadt sollte sich aufgrund der aktuellen Hysterie in ein vorschnelles Verbot treiben lassen. Die Folgen wären ähnlich fatal wie die Energiewende, deren Kosten unaufhaltsam in die Höhe schnellen – für alle, auch für die Verkehrswende-Apologeten.


Dieselfahrverbote drohen in deutschen Großstädten Foto: picture alliance/Bildagentur-online

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

All articles loaded
No more articles to load

aktuelles

All articles loaded
No more articles to load