Anti-Trump-Proteste
Anti-Trump-Proteste: 37 republikanische Wahlmänner hätten genügt Foto: dpa
Wahlleute bestätigen Trump

Das vergebliche Aufbäumen von Hollywoods Spaßgesellschaft

Promis aller Kategorien von A bis D, außerdem die Crème de la Crème der US-Kultur von Beyonce bis Jay-Z, haben Hillary Clinton bei ihrem Wahlkampf unter die Arme gegriffen, sie bejubelt, hochgejubelt als Inbegriff der Freiheit, der Toleranz, der tollen liberalen westlichen Lebenswirklichkeit.

Es war vergebens. Seit dem 8. November, jenem Tag, an dem die alten weißen Männer ohne Abitur Donald Trump zum 45. US-Präsidenten kürten, zittert Hollywood im kollektiven Delirium tremens. Noch der letzte vollgekiffte Rapper, wenn er sich nur für elitär halten darf (und was steht dem im Wege?), stammelt reimlose Verse für die Freiheit und gegen Trump.

Empörung eint alle

Die Empörung eint alle Hausnummern des Sunset Strips. Gemeinsame Sache mit dem Kandidaten der Erbärmlichen (deplorables)? Niemals. Selbst die kalifornischen Designer bekennen politische Farbe. Die künftige First Lady Melania Trump wird Mühe haben, in Hollywood eine*n Schneider*in für ihr Inaugurationskleid zu finden.

Es gibt überhaupt nur einen Blockadebrecher, nur eine Ausnahme, die die Regel bestätigt: Kim Kardashians Ehemann Kanye West. Er ist buchstäblich der einzige aus der A-Riege der amerikanischen Kulturschaffenden, der sich zu Trump bekennt. Aber Kanye West hat sich auch schon zu Ernst Nolte bekannt, indirekt jedenfalls, als er den Holocaust mit dem Hinweis auf das Schicksal der schwarzen Amerikaner relativierte. Als politisch korrektes Vorbild scheidet er also aus.

Für alle Übrigen gilt: Donald Trump sitzt ihnen so quer im Rachen wie keine Gräte je zuvor. Grad so, als fürchteten sie zum 20. Januar, dem Inaugurationstag des neuen Präsidenten, das Ende der Versorgung Hollywoods mit Koks und Crystal Meth. Ein letzter, verzweifelter Aufschrei: Wenige Tage vor dem Zusammentreten der Wahlmänner in den Hauptstädten der Bundesstaaten am 19. Dezember wandten sich Schauspieler und Künstler mit einem Video-Appell an die Republikaner im Electoral College.

Ende des liberalen Universums

Ein Aufbäumen vor dem gefühlt unwiderruflichen Ende des liberalen Universums. Hätten nur 37 der republikanischen Wahlmänner Donald Trump ihr Votum verweigert, wäre die endgültige Entscheidung, wer am 20. Januar 2017 als neuer US-Präsident vereidigt werden wird, beim Abgeordnetenhaus gelegen. Der Vorgang wäre ein absolutes Novum in der US-amerikanischen Geschichte seit der Staatsgründung 1784 gewesen. Politisch eine Revolution, doch technisch im Rahmen des Möglichen.

Die an dem Video beteiligten Akteure, darunter die Schauspieler Martin Sheen und Debra Messing und der Musiker Richard Melville Hall, bekannter als Moby, setzen alles auf diese eine Karte. Die Regieanweisung: Bescheidenheit und Betroffenheit. Die schrille Garderobe bleibt im Schrank, auch die Namen bleiben ungenannt. Im Alltagslook, ganz wie du und ich, beschwören die Promis eherne amerikanische Werte.

Reaktion: Spott um Häme

Der Zuschauer soll ganz offensichtlich nicht den Eindruck haben, es gehe um das Überleben von Hollywoods Spaßgesellschaft. Eher um die Zukunft der Militärakademie Westpoint, New York. Die Reaktion im amerikanischen Internet: Spott und Häme. Ein tausendfach geteiltes „Mem“ führt die ganze Promi-Enttäuschung darauf zurück, daß die „Celebrities“ seit der Wahl wüßten, „daß die Leute einen feuchten Kehricht auf ihre Meinung geben“.

Die Chance, daß 37 republikanische Wahlmänner sich von dem Video umstimmen lassen, galt ohnehin gegen Null. Die Kulturträger des Abendlands, die Erben von Bach, Mozart und Wagner, werden also mit Donald Trump leben müssen. Auch Lady Gaga. Vielleicht findet sie den neuen Präsidenten ja nach wenigen Monaten schon ganz toll.

Anti-Trump-Proteste: 37 republikanische Wahlmänner hätten genügt Foto: dpa

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