BERLIN. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach hat die geplante Rentenreform der Bundesregierung scharf kritisiert. Die geplante Abschaffung der Rente mit 63 Jahren bezeichnete er in der ARD-Sendung „Maischberger“ am Dienstagabend als „sozial unausgewogen“. Der ehemalige Gesundheitsminister schloss nicht aus, im Bundestag gegen das Gesetz zu stimmen.
Die Bundesregierung hat sich hinter den Vorschlag der Rentenkommission gestellt. Das heißt nicht, dass der Bundestag ihn unverändert abnickt. Wir sind als Abgeordnete gewählt, selbst zu urteilen. Wenn man z.B. nach 50(!) Beitragsjahren noch nicht in Rente kann, ist das ungerecht. pic.twitter.com/5wIR4bgzhj
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) August 11, 2026
Dass damit die Arbeit der Rentenkommission untergraben und die schwarz-rote Koalition weiter geschwächt werde, ist für Lauterbach kein Argument. „Ja, wozu gibt es denn den Bundestag?“, fragte er mit Blick auf diesen Vorwurf. Er sei schließlich „gewählt worden, um als Sozialpolitiker zu bewerten, ist das jetzt gerecht oder nicht. Und wenn ich das ungerecht finde, dann lasse ich mich nicht erpressen“.
CDU-Mann reagiert empört auf Lauterbachs Aussagen
Vor allem an der geplanten Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren stört sich Lauterbach. Er forderte bereits im März dieses Jahres, stattdessen hohe Renten stärker zu besteuern. Auch sollten Geringverdiener bessergestellt werden, weil diese im Durchschnitt früher sterben und damit auch kürzer Rente beziehen als besser situierte Senioren.
Die Bundesregierung hatte Anfang dieses Jahres eine Rentenkommission eingesetzt, die Vorschläge erarbeiten sollte, um die Finanzierung des Rentensystems in der Zukunft sichern zu können – bei einer alternden Bevölkerung und einer schrumpfenden Zahl an Einzahlern. Die Bundesregierung hat die Vorschläge der Kommission weitgehend übernommen und angekündigt, daraus ein Gesetzespaket zu machen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Tilman Kuban war in der Sendung ebenfalls zu Gast und reagierte empört auf die Aussagen Lauterbachs. Kuban warnte davor, den nun vorliegenden Rentenkompromiss „kaputt zu machen“. Weitere Änderungsvorschläge könnten die „Büchse der Pandorra“ öffnen. Schließlich gebe es auch Kritiker in der Union, die mehr Einschnitte verlangen als bisher ausgehandelt. Würde die SPD jetzt neue Forderungen aufstellen, könnte die ganze Rentenreform „zerfleddert“ werden. (st)





