Was braucht man eigentlich, um ZDF-Journalist zu werden? Ein aufrichtiges Interesse an der Lebensrealität der Bürger, die einem das üppige Gehalt unter Androhung von Haftstrafe zwangsweise abdrücken? Verständnis für Meinungsvielfalt? Überparteilichkeit und Fairness gegenüber allen zur Wahl stehenden Parteien? Offensichtlich nicht. Das Einzige, was man haben muss, ist Haltung. Die neueste Sendung „ZDF frontal“ beweist das eindrucksvoll. Doch von vorn.
Die 26minütige audiovisuelle Beitragszahlerbeleidigung mit dem Titel „Wie die AfD Sachsen-Anhalt verändern will“ beginnt mit einer Wahlkampfveranstaltung der Rechtspartei, die vor den Landtagswahlen im September erneut ihre Sympathisanten zum gemeinsamen Simson fahren einlädt – Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ist auch vor Ort. Mit der Subtilität einer nordkoreanischen Fernsehproduktion über die Vorteile von freien Märkten und freien Wahlen werden von bedrohlicher Moll-Musik unterwandert ziemlich normal aussehende Bürger gefilmt, die gemeinsam auf ihren Zweirädern durch Sachsen-Anhalt fahren. Der ZDF-Reporter Arndt Ginzel fährt auch mit, allerdings auf dem Fahrrad.
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Er möchte mit Siegmund über den Fall Max Heckel sprechen, doch der AfD-Politiker hat kein Interesse. Heckel ist ein Lehrer aus Stendal, der einer sechsten Klasse im Frühjahr vergangenen Jahres gesagt hat, wer die AfD wähle, müsse „sehr reich, frei von Moral oder nicht bei klarem Verstand sein“. Daraufhin hatten sich die Eltern von zwei Schülern darüber beschwert, die AfD brachte das Thema in den Landtag. Das Landesschulamt mahnte Heckel schließlich wegen Verletzung seiner Neutralitätspflicht auf. Bereits während der Corona-Zeit kam er mit einem „FCK AFD“-Shirt in die Schule und ließ laut der taz seine Schüler auch Masken mit dieser Aufschrift im Unterricht nähen.
Bei dem linken Lehrer ändert sich die Musik
Gegen die nun erfolgte Abmahnung wehrt er sich. „Ich will, dass festgestellt wird, dass Lehrer solche Sätze nicht nur sagen dürfen, sondern sogar sagen müssen“, sagt Heckel der taz. Dabei kann er sich auf prominente und mächtige Unterstützung verlassen. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) schreibt dazu auf X, ein Staatsdiener dürfe „nicht ‘neutral‘ sein, wenn die verfassungsrechtliche Ordnung in Gefahr ist“. Das langjährige Bundesvorstandsmitglied der SED-Nachfolgerpartei betont, „solidarisch“ mit dem Pädagogen zu sein. „Wer als Lehrer Fakten erläutert und sich am freiheitlichen Rechtsstaat orientiert, der erfüllt seine Aufgabe.“
Wer als Lehrer Fakten erläutert und sich am freiheitlichen Rechtsstaat orientiert, der erfüllt seine Aufgabe. Ein Staatsdiener darf nicht „neutral“ sein, wenn die Verfassungsrechtliche Ordnung in Gefahr ist. Meine Solidarität gilt dem Lehrer Max Heckel in Stendal. 👇 pic.twitter.com/sWM2xtiOtk
— Bodo Ramelow (@bodoramelow) June 10, 2026
Als das Team von „ZDF frontal“ Heckel trifft, wird die Hintergrundmusik schlagartig dur-lastig und fröhlich. Hier soll dem letzten Idioten in den Schädel gemeißelt werden: Da spricht gerade einer von den Guten.
Anschließend sucht Günzel die beiden Elternpaare, die sich über den linken Lehrer beschwert hatten, an ihren privaten Wohnadressen auf. Die erste Mutter will nicht mit ihm sprechen, bei der zweiten hat der Reporter Erfolg. Er will wissen, wie die AfD damals auf den Vorfall in der Schule aufmerksam geworden ist. Ein Junge, der wenigstens anonymisiert wird, sagt, einige Mitschüler hätten „der Frau von Ulrich Siegmund“ davon erzählt, vermutlich habe sie das an die AfD weitergegeben. Sie arbeite als „pädagogische Mitarbeiterin“ an derselben Schule. Das ZDF fragt auch sie an, doch sie möchte nicht darüber sprechen.
Wie kam das ZDF an die Adressen der Schüler?
Diese Szene wirft Fragen auf. Erstens: wie ist das ZDF an die Privatadressen der Eltern gekommen? Hat der Lehrer diese an die Presse weitergegeben? Oder die Schule? Zweitens: Was ist eigentlich das Problem? Es ist schließlich die Aufgabe von Pädagogen, ihren Schülern zuzuhören und sich für sie einzusetzen. Was genau Frau Siegmund hier an widerrechtlichem Verhalten vorgeworfen wird, bleibt unklar. Genauso ist es völlig normal und das gute Recht eines jeden Bürgers – volljährig und wahlberechtigt oder nicht –, sich bei politischen Problemen an Politiker zu wenden. Und wen hätten sie sonst kontaktieren sollen, wenn es um Anti-AfD-Propaganda an einer staatlichen Schule geht? Heidi Reichinnek? Anton Hofreiter? Das ZDF selbst? Viel Erfolg dabei.
Übrigens: anders als bei den linksextremen Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt, versucht bei der Wahlkampfveranstaltung an diesem Tag niemand, den offen als kritischen Journalisten auftretenden Ginzel körperlich anzugreifen. Das Schlimmste, was ihm an diesem Tag passiert, ist ein Mann mittleren Alters, der als er hört, dass der Mann mit dem Mikrophon vom ZDF kommt, sagt: „Mach `nen Fisch. Ich brauch doch kein Lügenfernsehen hier.“ Ohne Ginzel mit einem Dutzend Mitstreiter durch die Straße zu jagen, ihn zu schlagen und auf seinen Kopf zu treten, versteht sich. Nicht mal geschubst wird er.
Zusammenhang mit Terroranschlag konstruiert
Was die düstere Hintergrundmusik und die Dämonisierung der mit Abstand umfragestärksten Partei des Bundeslandes rechtfertigt, wird für den Zuschauer nicht ersichtlich. Da hilft es auch nicht, dass gegen Ende des Beitrags zusammenhangslos an den rechtsextremen Anschlag auf die Synagoge in Halle aus dem Jahr 2019 erinnert wird. War der Täter AfD-Mitglied? Hat die AfD zu solchen Gewaltverbrechen aufgerufen? Hat sie den Terroranschlag im Nachgang gefeiert oder relativiert? Nichts davon wird behauptet, die Szene wirkt denkbar deplatziert.
Es schleicht sich der Eindruck ein, dass die Verantwortlichen des finanzstärksten Rundfunks der Welt enttäuscht waren, weil sie keine schönen Bilder von kahlgeschorenen Baseballschläger-Proleten zusammenbekommen haben und einfach nochmal mit Dreck werfen wollten. Das hat mit Journalismus so viel zu tun wie Luisa Neubauer mit wertschaffender Lohnarbeit. Kann man machen, dafür gibt es Meinungsfreiheit. Aber nicht, wenn man von den Zwangsgebühren aller lebt – auch denen der AfD-Wähler. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört ersatzlos abgeschafft. Besser gestern als heute!





