15

Lieber Andreas Molau,

Sie haben neulich in Ihrem Interview mit der Zeit gesagt, daß Sie nicht jammern wollen, taten aber nichts anderes als dies. Sie beklagten sich über die „Skepsis und Angst“, die man Ihnen aufgrund Ihrer politischen Vergangenheit bei NPD, DVU und Pro NRW entgegenbringt, über Ihre Nichtvermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt, den Unwillen, Ihnen ein publizistisches Forum […] mehr »
43

Eurasische Renaissancen

Gewöhnlich setzen Islamkritiker, abgesehen von der erhofften Rückführung integrationsunfähiger Muslime, ihre Hoffnungen entweder auf ein Wiedererstarken des Christentums in Europa oder auf eine Aufklärungs- und Säkularisierungsbewegung in den islamischen Staaten.Beide Ansätze, der konservativ-christliche und der liberale, sind weder erfolgversprechend noch wünschenswert. Das Christentum führt seit der Reformation nur noch Rückzugsgefechte, stemmte sich lange Zeit gegen […] mehr »
5

Aus dem Moränenland

„Es ist meine sehr abendländische Form der Meditation“, schrieb Heino Bosselmann vor einigen Wochen über seinen allmorgendlichen Lauf nach Fuchsfeld, das seinem Namen offenbar alle Ehre macht und mit ähnlichem Recht eigentlich nur noch Hasenfeld heißen könnte. Ebenso stimmig wie Bosselmanns Beschreibung der verharschten Raps- und Weizenfelder, der frierenden Rehe, Raben und Kraniche ist die […] mehr »
8

Edathys Rassenzucht

Es war einer der ersten, langersehnten Frühlingstage; Till vom Kupferglöckchen, ein munterer Berner Sennenhund, tobte fröhlich durch den Garten, und auch sein Herrchen Thomas Edathy hätte eigentlich allen Grund, sich zu freuen. Immerhin war er jetzt Chef der Stadtwerke von Celle, und seine Besetzung hatte für großes Hallo und Bravo bei der Politik und sämtlichen […] mehr »
18

„Ein Putin von innen“

Alle sind sich wieder einmal einig: In mehr oder weniger gleichlautenden Formulierungen schäumen Politik und Medien in Deutschland, daß Rußland seine Partner verprelle und die Zivilgesellschaft gefährde. In den letzten Tagen haben russische Behörden bei verschiedenen „Nichtregierungsorganisationen“ Razzien vorgenommen und Computer beschlagnahmt, angeblich um Softwarelizenzen und die Finanzierung der NGOs zu überprüfen – der juristische […] mehr »
13

Europäische Entscheidungsschlacht?

Erwartungsgemäß wenig hatte die „Europa-Rede“ des Bundespräsidenten zu bieten: die üblichen Bekenntnisphrasen zu „Europa“, salbungsvoll verpackte Durchhalteparolen, politpastorales Geschwätz – bis auf eine Ausnahme: Gauck vermißt einen europäischen Gründungsmythos. „Wir haben bis heute keinen Gründungsmythos nach Art einer Entscheidungsschlacht, in der Europa einem Feind gegenübertreten, siegen oder verlieren, aber jedenfalls seine Identität bewahren konnte.“ Diese […] mehr »
5

Merseburger Heilungszauber

Probleme mit der Kunstfreiheit sind ja heutzutage nichts Neues. Vor einigen Jahren wurde in einer Chemnitzer Berufsschule ein Wandbild von Benjamin Jahn Zschocke in einem Akt staatlicher Barbarei übermalt, weil der Künstler nebenberuflich für Pro Chemnitz tätig war; jetzt hat es den Neofolk-Musiker Uwe Nolte getroffen. Am 5. Februar hätte in der Merseburger Willi-Sitte-Galerie eine […] mehr »
9

Alles schnuppe

Dicke Luft herrschte in den Redaktionsräumen des Boulevardblattes schnuppe. Der Chefredakteur Thorsten Pfingsthorn hatte wieder einmal schlechte Laune, und die bekam jeder zu spüren – ganz besonders die Assistentinnen und Praktikantinnen, die für wenige hundert Euro im Monat und die geringe Aussicht, eines Tages vielleicht eine feste Stelle zu ergattern, seine Stimmungsschwankungen jeden Tag ertragen […] mehr »
10

Ehre unter Vorbehalt

40 Jahre lang regelte ein Erlaß des hessischen Ministerpräsidenten von 1973 die Stiftung des hessischen Ehrenbriefes, der, mit zugehöriger Ehrennadel, an Personen verliehen wird, die sich durch ehrenamtliche Tätigkeit um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Bis zum 31. Dezember vergangenen Jahres war „verleihen“ gleichbedeutend mit „übereignen“, denn Brief und Nadel „gehen in das Eigentum der […] mehr »
5

Wie Frau Schrod zu ihrem neuen Namen kam

„Und es begab sich zu der Zeit, daß ein Gebot ausging vom großmächtigen Kaiser Augustus“, wollte Frau Schröda gerade vorzulesen beginnen, als die Familie am Weihnachtsabend beisammen saß, aber ihr Töchterchen fand die Geschichte langweilig. „Laß die ollen Kamellen, Mama“, sagte die kleine Lotte. „Wir haben in der Kita gerade Ernst Jandl gelesen; der ist […] mehr »