Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Lieber Andreas Molau,

Sie haben neulich in Ihrem Interview mit der Zeit gesagt, daß Sie nicht jammern wollen, taten aber nichts anderes als dies. Sie beklagten sich über die „Skepsis und Angst“, die man Ihnen aufgrund Ihrer politischen Vergangenheit bei NPD, DVU und Pro NRW entgegenbringt, über Ihre Nichtvermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt, den Unwillen, Ihnen ein publizistisches Forum zur Verfügung zu stellen und die mangelnde Bereitschaft der Gesellschaft, „sich wirklich mit Extremismus zu beschäftigen“.

Hatten Sie denn wirklich etwas anderes erwartet? Sie ahnten ja schon, daß es schwierig würde, Fuß zu fassen, aber ganz so schlimm haben Sie es sich wohl doch nicht vorgestellt. Wahrscheinlich haben Sie schon ein bißchen gehofft, an die Fleischtöpfe der Integrations- oder Kampf-gegen-rechts-Industrie herangelassen zu werden; und in der Tat gibt es in dieser sogenannten „Mitte der Gesellschaft“ einiges zu verteilen. Aber dort drängen sich auch schon viele, die ihr Portiönchen abbekommen wollen. Aus diesem Grund beschäftigen sich so viele „Experten“ gerne mit Extremismus bzw. sie bauen diesen Gefahrenpopanz auf, sind aber unwillig, Ihnen zuzuhören, weil sie sowieso schon alles zu wissen und immer recht zu haben glauben.

Ich finde es unangemessen, wenn Ihnen einige Ihrer früheren Kameraden „Verrat“ vorwerfen – selbstverständlich darf man seine Meinung ändern und aus Parteien austreten, und zudem sind die nationalkonservativen, rechtspopulistischen, neurechten, nationalistischen und völkischen Szenen rechts der (linken CDU-)Mitte so vielfältig und zerstritten, daß fraglich ist, welche gemeinsame Überzeugung überhaupt „verraten“ werden könnte –, aber wenn Sie wirklich nur einen Gesinnungswandel vollzogen haben, warum sind Sie dann nicht einfach aus der letzten Partei ausgetreten, nachdem Sie beinahe alle „durch“ hatten, und haben sich zurückgezogen? Sie behaupten ja, Sie wären sich „nicht zu schade, Zeitungen auszutragen“, aber warum tun Sie das dann nicht? Entweder Sie finden trotz Ihrer politischen Vergangenheit die Möglichkeit dazu – dann ist ja alles in Ordnung –, oder selbst das ist in diesem Land für einen ehemaligen Rechten nicht möglich, und dann müssen Sie doch zugeben, daß bei uns etwas nicht stimmt.

Muß man denn das Kind mit dem Bade ausschütten?

Keiner Ihrer ehemaligen Kameraden, Parteifreunde oder publizistischen Kollegen, die Sie jetzt genauso alle in einen Topf werfen wie das in der herrschenden Gegen-rechts-Propaganda üblich ist, hat Ihnen bislang ein Haar gekrümmt, aber der Ton der wütenden E-Mails, die Sie bekamen, wird in den Kommentaren der „Gutmenschen“ und „Antifaschisten“, in deren Kreise Sie nun hofften, aufgenommen zu werden, leicht überboten: „Kein Vergeben, kein Vergessen“, heißt es dort gnadenlos. Und auch bei vielen Migranten, deren Integrations- und Betreuungsinstitutionen Sie sich angeboten haben, wird Abfall vom „rechten Glauben“ anders als nur per Mail bestraft.

Muß man denn das Kind mit dem Bade ausschütten? Sie erleben doch die „Toleranz“ unserer „offenen“ Gesellschaft am eigenen Leibe. Sind Sie jetzt wirklich dort angekommen, wohin Sie wollten? Sie bezeichnen „Angst vor Verlust“ als wichtiges Motiv für „Rechtsextremismus“ – gibt es denn keine berechtigten Gründe, Angst zu haben, wenn man erleben muß, wie die alternativlosen Demokraten nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa ökonomisch, demographisch, kulturell und politisch zerstören? Ist der geist- und seelenlose Multikulturalismus, diese ideologische Bemäntelung der globalen Gleichschaltung und Ökonomisierung des Menschseins, wirklich ein Gewinn? Führt nicht genau diese betonköpfige Politik in den Bürgerkrieg, der sich überall in den europäischen Großstädten, an Schulen, in denen autochthone Kinder in der Minderheit sind, in Stadtvierteln, in die sich die Polizei nicht hineintraut, schon abzeichnet? Und lebt nicht, nebenbei bemerkt, gerade die etablierte Politik davon, Ängste vor der Klimakatastrophe oder der Wiederkehr Hitlers zu schüren?

So ganz sicher scheinen Sie sich nicht zu sein, sonst würden Sie Ihre jetzige Haltung nicht als „am ehesten libertär“ bezeichnen. Da haben Sie aber wieder einen großen Sprung gemacht, seit Sie in Ihrer Rede beim Kongreß der Gesellschaft für freie Publizistik 2008 den Kapitalismus geißelten. Und warum haben Sie dann Kontakt zum Verfassungsschutz aufgenommen, der von wirklichen Libertären als staatliche Gesinnungsüberwachungsbehörde mindestens so grundsätzlich wie von Rechten kritisiert wird?

Ihr vorläufig letzter Gesinnungswandel

Es ging Ihnen doch darum, Ihren „Ausstieg“ möglichst pompös zu inszenieren, damit er Ihnen auch geglaubt und belohnt wird. Aber will man in eine Gesellschaft, in der es nur darauf ankommt, das Fähnchen der gerade korrekten Gesinnung hochzuhalten, wirklich einsteigen? Wären Sie bei den Parteien, in denen es Ihnen nicht um Politik, sondern um Ihre Identitätssuche ging, aus- und bei sich selbst eingestiegen, würde Ihnen das kein vernünftiger Mensch vorwerfen. Aber so nimmt man Ihnen Ihren vorläufig letzten Gesinnungswandel zum besorgten Demokraten nicht ab. Und zwar nicht, weil Sie immer noch einer rechtsextremen Überzeugung anhingen, sondern weil es Ihnen auch diesmal nicht wirklich um die Sache geht. Sie wollen endlich irgendwo ankommen, Ihre Ruhe haben, eine geistige Heimat finden. Das ist verständlich, aber Sie werden diese bei denen, die jede Heimat und jede Identität „dekonstruieren“, nicht finden.

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