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Goldene Bulle von Rimini: Vom Kaiser abgesichert zog der Deutsche Orden nach Osten

Goldene Bulle von Rimini: Vom Kaiser abgesichert zog der Deutsche Orden nach Osten

Goldene Bulle von Rimini: Vom Kaiser abgesichert zog der Deutsche Orden nach Osten

Kaiser Friedrich II. zieht in Jerusalem ein: Der Deutsche Orden war auch im Osten für Kreuzzüge wichtig.
Kaiser Friedrich II. zieht in Jerusalem ein: Der Deutsche Orden war auch im Osten für Kreuzzüge wichtig.
Kaiser Friedrich II. zieht in Jerusalem ein: Der Deutsche Orden war auch im Osten für Kreuzzüge wichtig. Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
Goldene Bulle von Rimini
 

Vom Kaiser abgesichert zog der Deutsche Orden nach Osten

Die Goldene Bulle von Rimini sicherte vor 800 Jahren dem Deutschen Orden die eroberten Gebiete im Prußenlande zu. Zuvor war der Ordenshochmeister jedoch aus gutem Grund skeptisch gewesen.
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Der Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem – der Einfachheit halber später meist nur Deutscher Orden genannt – wurde 1190 während der Belagerung der Stadt Akkon gegründet. Danach erfolgte am 19. Februar 1199 die Anerkennung als Ritterorden durch Papst Innozenz III. Zwei Jahre zuvor hatte die Gemeinschaft bereits ihre erste Niederlassung im Heiligen Römischen Reich errichtet. Weil der Templerorden die Deutschordensritter aus ihren Positionen im Heiligen Land verdrängte, bemühte sich der vierte Ordenshochmeister Hermann von Salza ab 1210 um die Schaffung eines zusammenhängenden eigenen Staates auf europäischem Boden.

Dabei kam ihm ein Hilfeersuchen des ungarischen Königs Andreas II. sehr gelegen. Der Monarch bot den Ordensbrüdern an, durch Kriegsdienste gegen das Steppenvolk der Kumanen ein Heimatrecht im siebenbürgischen Burzenland zu erwerben. Allerdings brach Andreas dann auf Druck des deutschfeindlichen Adels seines Landes alle diesbezüglichen Versprechen, so dass der Orden 1225 sämtliche Besitzungen in Ungarn wieder verlor.

Im Jahr darauf wandte sich Konrad I., Herzog in Masowien, Kujawien, Sieradz und Lenczyca, an Hermann von Salza und unterbreitete diesem eine ganz ähnliche Offerte wie der ungarische König: Wenn der Deutsche Orden den Kampf Konrads gegen die „heidnischen“ Prußen unterstütze, könne er das Kulmerland südlich des prußischen Stammesgebietes Pomesanien erhalten. Aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Andreas lehnte der Ordenshochmeister zunächst zweimal ab, bevor er dann nach Italien reiste, um bei Kaiser Friedrich II. eine rechtliche Absicherung der möglichen Erwerbungen im Kulmerland und darüber hinaus zu erwirken.

Goldene Bulle sicherte Deutschen Orden rechtlich ab

Dabei konnte Hermann von Salza mit dem Wohlwollen des Staufers rechnen, denn er gehörte zu dessen treuesten Gefolgsleuten und vermittelte auch immer wieder erfolgreich zwischen dem Kaiser und dem Heiligen Stuhl. Außerdem war Friedrich II. sehr daran gelegen, seinem Kreuzzugsgelübde gegenüber Papst Honorius III. anlässlich der Kaiserkrönung vom November 1220 nachzukommen – und das geplante Vorgehen des Deutschen Ordens gegen das „gottlose“ Volk der Prußen erfüllte zweifellos die Kriterien eines Kreuzzuges. Vor diesem Hintergrund ließ Friedrich II. Ende März 1226 die Goldene Bulle von Rimini ausfertigen, mit deren Inhalt Hermann von Salza mehr als zufrieden gewesen sein dürfte.

Denn in dem Dokument sicherte der Kaiser dem Deutschen Orden die absolute Gewalt über das Kulmerland sowie alle eroberten Gebiete der Prußen zu. Um hier keinerlei Zweifel zu lassen, listete er die Privilegien des Ordens noch einmal akribisch auf. Diese reichten vom Münz- und Marktrecht über die Polizeiaufsicht und Gerichtsbarkeit aller Art bis hin zu der Ermächtigung, Landesordnungen aufzustellen. Darüber hinaus befreite Friedrich II. den Deutschen Orden von allen Dienstleistungen und sonstigen Verpflichtungen gegenüber dem Reich bei gleichzeitiger Verleihung der Immunität. Damit schuf er letztlich die Grundlage für den Deutschordensstaat im Baltikum sowie das Herzogtum Preußen auf dem Gebiet des späteren Ostpreußen.

Allerdings bedurfte es zur Sicherheit noch zweier weiterer Schritte, nämlich der Unterzeichnung des Vertrages von Kruschwitz am 16. Juni 1230 und der Ausstellung der Bulle von Rieti am 3. August 1234. Im ersteren Falle hielten Konrad I. und Hermann von Salza die zuvor schon mündlich ausgehandelte Übertragung des Kulmerlandes an den Deutschen Orden nun auch in schriftlicher Form fest. Und im zweiteren Falle erkannte der neue Papst Gregor IX. die Herrschaft des Ordens über das Kulmerland sowie alle eroberten Gebiete der Prußen an.

Kämpfe gegen Heiden währten lange

Die Gemeinschaft erhielt die Ländereien ausdrücklich „zum ewigen und freien Besitz“, was implizit auch bedeutete, dass sie in den betreffenden Gebieten in keiner Lehnsabhängigkeit zum Deutschen Reich, sondern lediglich unter der formellen Oberhoheit Roms stand. Insofern waren sich Kaiser und Papst hier vollkommen einig – im Mittelalter eher eine Seltenheit.

Durch die Goldene Bulle von Rimini sicherte Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden dessen Eroberungen ab.
Durch die Goldene Bulle von Rimini sicherte Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden dessen Eroberungen ab. Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images

Der Eroberungskrieg des Deutschen Ordens auf dem Gebiet der Prußen begann 1231 – zuvor nahm die Gemeinschaft noch 1228/29 am erfolgreichen Kreuzzug Friedrichs II. in Richtung Jerusalem teil. Fünf Jahre nach Erlass der Goldenen Bulle von Rimini und einige Monate nach der Unterzeichnung des Vertrages von Kruschwitz überschritt der nunmehrige Landmeister von Preußen Hermann von Balk mit einigen Ordensrittern und mehreren hundert Mann Gefolge die Weichsel. Im gleichen Jahr 1231 errichtete der Orden mit Thorn auch seine erste Niederlassung im Kulmerland.

Die Kämpfe gegen die Pruzzen währten – nicht zuletzt aufgrund zweier großer Aufstände der „Heiden“ – bis 1271, wobei Papst Alexander IV. die Bulle von Rieti am 26. Juli 1257 nochmals vollinhaltlich bestätigte. Zum Ende des 13. Jahrhunderts erstreckte sich der Ordensstaat dann von der Weichsel bis jenseits des Pregel. Danach kamen 1309 noch Pommerellen und Danzig hinzu. Damit zählte der Deutsche Orden nun endgültig zu den Großmächten im Ostseeraum.

Aus der JF-Ausgabe 13/26.

Kaiser Friedrich II. zieht in Jerusalem ein: Der Deutsche Orden war auch im Osten für Kreuzzüge wichtig. Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
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