BERLIN. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich höhnisch über junge Familien geäußert, die mit dem Gedanken spielen, Deutschland zu verlassen. „Diese ewigen Übertreibungen von jungen Talenten, die mit dem hohen Rentenbeitrag (‘schnief‘) nicht klarkommen und deshalb angeblich auswandern“, schrieb Lauterbach auf X.
Er reagierte damit auf einen Beitrag des Geschäftsführers der liberalen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, Thorsten Alsleben. Dieser hatte über seinen engeren Freundeskreis berichtet, in dem immer mehr Paare über das Auswandern nachdenken. „Alle fünf Familien haben kleine Kinder, alle sind unternehmerisch tätig, alle verdienen sehr viel Geld. Drei nach Mallorca, zwei nach Portugal. Es ist Wahnsinn. Am Ende wird Deutschland zum Land der Beamten, Rentner und Grundsicherungsempfänger“, schrieb Alsleben.
Es ist dieses permanente Schlechtreden was uns am stärksten schadet. Diese ewigen Übertreibungen von jungen Talenten, die mit dem hohen Rentenbeitrag („schnief“) nicht klarkommen und deshalb angeblich auswandern. Auf diese Leute können wir verzichten, falls es sie überhaupt gibt. https://t.co/s1GiUL2aYU
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) July 22, 2026
Nutzer fühlen sich an Honecker erinnert
Lauterbach, der fast 12.000 Euro Bundestagsdiäten von den Steuerzahlern kassiert, bezeichnete das als „Schlechtreden“. Auf diese Leute „können wir verzichten“, betonte der Politiker. Nutzer in dem sozialen Netzwerk wiesen auf eine ähnliche Äußerung des ehemaligen Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, hin.
Dieser hatte am 2. Oktober 1989 persönlich einen Satz zu einem Leitartikel des SED-Parteiorgans hinzugefügt, der sich mit DDR-Flüchtlingen beschäftigte. „Man sollte ihnen keine Träne nachweinen“, ließ der Politiker damals mitteilen. Rund zwei Wochen später musste Honecker von allen Ämtern zurücktreten.
Hunderttausende gingen allein 2025
Auch heute steigt die Zahl der Auswanderer aus Deutschland wieder. Seit 2005 wandern laut Statistischen Bundesamt konstant mehr Deutsche aus der Bundesrepublik aus, als wieder zurückkehren. Besonders stark stiegen die Zahlen 2016. Seitdem liegt der jährliche negative Wanderungssaldo bei 30.000 bis 135.000. 2025 kehrten fast 290.000 Bundesbürger Deutschland den Rücken, etwa 190.000 kehrten wieder zurück.
Laut einer aktuellen Umfrage der Jobplattform Indeed denken 54 Prozent der Befragten, die ein Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 6.000 Euro haben, darüber nach, das Land zu verlassen. (ho)





