BERLIN. Der frühere Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sieht Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in derselben Falle sitzen wie einst die FDP in der Ampel-Regierung. „Merz hat als Oppositionschef unterschätzt, wie sich Koalitionen mit linken Parteien auf bürgerliche Politik auswirken“, sagte der Ex-FDP-Chef im am Montag erschienenen Interview mit der Rheinischen Post.
Deshalb könne Merz seine Versprechen nicht halten. „Seine Kritik an der FDP in der Ampel kommt wie ein Bumerang zurück. Gegenüber der Vorgängerregierung muss er höhere Schulden, höhere Steuern und mehr Bürokratie erklären.“
Das Problem sei, dass sich „die Parteien der Mitte“ gegenseitig blockierten, fuhr Lindner fort. „Das war in der Ampel genauso wie jetzt. Reformen unterbleiben. Das stärkt die Ränder, die die Mitte von links und rechts dezimieren.“ Lindner äußerte die Hoffnung, dass Merz ein ähnliches Momentum suche wie sein Vorgänger Olaf Scholz. Dieser habe „bei allen Defiziten“ doch den Mut gehabt, „Rot-Grün die Zeitenwende abzutrotzen“.
Lindner glaubt noch an die FDP
Zugleich zeigte sich der Liberale positiv gestimmt, dass seine eigene Partei wieder an Relevanz gewinnen kann. „Gerade weil der Staatssektor zulasten der Gesellschaft wächst, ist eine marktwirtschaftliche Stimme wichtig, die an Vernunft und Eigenverantwortung glaubt“, unterstrich der 47jährige. Zudem betonte er, dass die Liberalen Kurs- und Personalfragen klären müssten. Das sei die Voraussetzung für Erfolg.
Ende Mai findet der Bundesparteitag der FDP statt. Dort wollen sich die Liberalen auch personell neu aufstellen, nachdem der bisherige Parteichef Christian Dürr im März seinen Rückzug angekündigt hatte. Für die Nachfolge bewerben sich der Partei- und Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen, Henning Höne, und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki.
Lindner hatte unmittelbar nach der Bundestagswahl im Februar 2025 seinen Rückzug aus der Politik erklärt, nachdem die FDP nur 4,3 Prozent der Zweitstimmen eingefahren hatte. Im Januar 2026 wurde Lindner stellvertretender Vorstandschef des Autohändlers Autoland AG. Im kommenden Jahr soll er den Vorstandsvorsitz übernehmen. In die Politik will er nicht zurückkehren. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich wieder für etwas kandidiere, geht gegen null“, sagte er der Rheinischen Post. (ser)






