Anzeige
Anzeige

Neue Erkenntnisse: Vor dem CSD-Anschlag bekennt sich Abdul Ballout zum IS

Neue Erkenntnisse: Vor dem CSD-Anschlag bekennt sich Abdul Ballout zum IS

Neue Erkenntnisse: Vor dem CSD-Anschlag bekennt sich Abdul Ballout zum IS

CSD-Attentäter Abdul Ballout: Auch nach seiner Entlassung aus der U-Haft missionierte er seine Ex-Mithäftlinge in der Jugendstrafanstalt. (Themenbild/Collage)
CSD-Attentäter Abdul Ballout: Auch nach seiner Entlassung aus der U-Haft missionierte er seine Ex-Mithäftlinge in der Jugendstrafanstalt. (Themenbild/Collage)
CSD-Attentäter Abdul Ballout: Auch nach seiner Entlassung aus der U-Haft missionierte er seine Ex-Mithäftlinge in der Jugendstrafanstalt. Fotos: Polizei Berlin /// picture alliance / imageBROKER | Schoening Berlin
Neue Erkenntnisse
 

Vor dem CSD-Anschlag bekennt sich Abdul Ballout zum IS

Stunden vor dem CSD-Anschlag bekennt sich Abdul Ballout zum Islamischen Staat. Und selbst nach seiner U-Haft wollte er Ex-Mithäftlinge bekehren – für die Richter galt er dennoch als geläutert.
Anzeige

BERLIN. Die Polizei hat auf dem Handy des CSD-Attentäters Abdul Ballout ein Video gefunden, auf dem er sich zum Islamischen Staat (IS) bekennt. Die Aufnahme auf dem Mobiltelefon, das sich im Tatfahrzeug befunden habe, sei am Tag des Anschlags aufgenommen worden, berichtet die Bild unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Anders als das Amtsgericht Tiergarten stellte die Berliner Justiz zudem bei dem späteren CSD-Attentäter Abdul Ballout „keine erkennbare Abkehr von der extremistischen Haltung“ in Untersuchungshaft fest. Während seines Aufenthalts in der Jugendstrafanstalt habe er versucht, sein Umfeld zu missionieren, berichtet das Blatt unter Berufung auf interne Unterlagen. Demnach habe er fünfmal täglich gebetet und auch andere Inhaftierte dazu motiviert.

Seit vergangenem Januar habe sich Ballouts Erscheinungsbild geändert und sei „stark salafistisch geprägt“ gewesen. In der Gefährdungsbewertung heißt es, er habe „versucht, die Rolle eines Vorbeters und Missionars einzunehmen“ und „gezielt Kontakt zu Personen gleicher Gesinnung“ gesucht. Regelmäßig habe er seine ehemaligen Mithäftlinge angerufen und dabei die „Rolle eines Mentors“ angenommen.

Ballout verbreitete seine Botschaften auf Telegram

Laut der Bild-Zeitung fuhr Ballout noch am 19. Juni, einen Monat nach seinem Urteil, zu seiner ehemaligen Jugendstrafanstalt. Dabei habe er sich auf einen Lkw-Anhänger gestellt und mit den Insassen telefoniert. „Sie führten ein gemeinsames Gebet durch, Herr Ballout sang dabei“, heißt es.

Auch im Netz missionierte der 21jährige offenbar. Bereits im vergangenen Jahr machten seine Predigten auf der Videoplattform TikTok sowie auf dem Nachrichtendienst Telegram die Runde, berichtet die Welt. Darin habe er unter anderem gegen demokratische Wahlen agitiert, den nicht von Scharia geleiteten Gerichten ihre Legitimität abgesprochen und vor einem „Tag des Gerichts“ für die „Sittenlosen“ gewarnt. Ein Telegram-Kanal mit rund 600 Followern sei ihm zuzuordnen

Ein Wiener Islamist soll zudem einen Tag vor dem Anschlag ein Solidaritätsvideo mit Abdul Ballout veröffentlicht haben. Darin rezitiere der 21jährige den Koran. Der Kanalbetreiber schrieb dazu: „Möge Allah ihn befreien lassen.“

CSD-Attentäter galt als „Hochrisikoperson“

Zuvor hatte sich herausgestellt, dass der 21jährige noch in den letzten Stunden vor dem CSD-Anschlag überwacht worden war (JF berichtete). Eine Kamera filmte den Libanesen mit deutscher Staatsbürgerschaft, wie er am Samstag kurz vor 21 Uhr ein Haus in Berlin-Schöneberg verlässt, wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichteten. Die Aufnahmen werden aber erst seit dem darauffolgenden Tag ausgewertet. Hinweise auf eine bevorstehende Gewalttat seien nicht zu erkennen gewesen, zitiert der Spiegel die Insider in den Sicherheitsbehörden.

Bereits Wochen vor dem Anschlag war Ballout vom Bundeskriminalamt als „Hochrisikoperson“ eingestuft worden. Mehrfach soll sein Fall auch ein Thema im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum des Bundes und der Länder gewesen sein.

Für die Richter galt Abdul Ballout als „reifeverzögert“

Sonntag abend hatte die Polizei nach einer weitreichenden Fahndung Ballout während des Festnahmeversuchs in Spandau erschossen (JF berichtete). Der libanesischstämmige Mann war seit Jahren polizeibekannt und wollte sich 2025 dem IS in Syrien anschließen. Vergangenen Mai hatte ihn das Amtsgericht Tiergarten zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt, gewährte ihm aber eine Vorbewährung bis November.

Den Richtern zufolge habe sich der 21jährige in der Hauptverhandlung „überwiegend geständig“ eingelassen und vom IS distanziert. Da Ballout für das Gericht trotz der Volljährigkeit als „reifeverzögert“ galt, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Berlin ging in Berufung.

Am späten Samstagabend war Ballout zunächst mit einem weißen Transporter in die CSD-Besuchermenge am Tiergarten gerast (JF berichtete). Anschließend verletzte er nach Angaben der Polizei mehrere Personen durch „Stichwerkzeuge“. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) handelte es sich dabei um eine Machete. Infolge des Anschlags starb eine 65jährige aus Polen, weitere 29 Personen wurden verletzt, darunter die Tochter des Todesopfers. Inzwischen sind alle Verletzten außer Lebensgefahr. (kuk)

Transparenzhinweis: Diese Meldung wurde aufgrund neuer Erkenntnisse kurzfristig aktualisiert.

CSD-Attentäter Abdul Ballout: Auch nach seiner Entlassung aus der U-Haft missionierte er seine Ex-Mithäftlinge in der Jugendstrafanstalt. Fotos: Polizei Berlin /// picture alliance / imageBROKER | Schoening Berlin
Anzeige
Anzeige

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles