SAALFELD. Der Kreistagsvorsitzende Oliver Weder (SPD) hat in Saalfeld-Rudolstadt eine Schweigeminute für die Opfer des Sechsfachmordes von Stade abgelehnt. Der parteilose Kreistagsabgeordnete Josef Kluy hatte das Gedenken am Tag nach der Tat beantragt. Nach Kluys Darstellung lehnte Weder die Schweigeminute mit der Begründung ab, man könne nicht für jedes Verbrechen eine Schweigeminute abhalten.
Das Landratsamt bestätigte den Vorgang im Wesentlichen, widersprach jedoch der Begründung. Der Antrag sei spontan zu Beginn der Sitzung gestellt worden.
Ob eine Schweigeminute durchgeführt werde, entscheide der Vorsitzende des Kreistages. Dieser habe seine Entscheidung sachlich begründet, teilte das Amt mit. Zugleich betonte das Landratsamt, sowohl der Kreistagsvorsitzende als auch der Landrat hätten ihr tiefes Bedauern über die Tat ausgedrückt. Der SPD-Kreistagsvorsitzende selbst äußerte sich zunächst nicht, wie das Portal Apollo-News berichtet.
SPD-Politiker Kurku gibt familiäre Verbindung bekannt
Bei der Bluttat in Stade hatte ein 45jähriger türkischer Staatsangehöriger am Montag sechs Menschen erschossen. Getötet wurden drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover und drei Mitarbeiter einer Jugendhilfeeinrichtung. Der Mann hatte dort einen Termin im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit um seine drei Monate alte Tochter. Die ebenfalls anwesende Mutter und das Kind blieben unverletzt.
Inzwischen ist auch eine familiäre Verbindung in die niedersächsische SPD bekanntgeworden. Die Frau, die sich selbst als „Patentante“ der Tochter bezeichnet haben soll, ist nach Angaben des SPD-Landtagsabgeordneten Deniz Kurku seine Schwiegermutter. Der ist ehrenamtlich Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe. Seine Schwiegermutter arbeitet nach eigenen Angaben für den Verband binationaler Familien und Partnerschaften.
Wenn die Fluchtwagenfahrerin beim Sechsfachmord in Stade aus Bremen kommt und ihr Schwiegersohn Deniz Kurku in Hannover „Integrationsbeauftragter“ und SPD Landtagsabgeordneter ist; wer hat der Frau dann den Fluchtwagen übertragen?
Denn das Kennzeichen lautet KD und würde zu… pic.twitter.com/Z0CPluCkrs
— Reimond Hoffmann 🇩🇪 (@ReimondHoffmann) July 3, 2026
Die Organisation berät binationale Familien und ist im Bereich Familien-, Bildungs- und Migrationspolitik tätig. Der Verband wird im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ als Partner in einem Kooperationsnetzwerk gegen Rassismus geführt und erhält staatliche Förderung. Im vergangenen Jahr soll es sich um 900.000 Euro gehandelt haben.

Die 65-Jährige soll den mutmaßlichen Täter zu dem Termin gefahren und nach den tödlichen Schüssen am Steuer des Fluchtautos gesessen haben. Die Polizei stoppte den Mercedes auf der Flucht, indem sie auf die Reifen schoss. Ob die Frau vorab von der Tat wusste, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit keinen dringenden Tatverdacht, ermittelt aber weiter gegen sie.
Drei Tage vor den tödlichen Schüssen hatte sich die Frau nach NDR-Angaben in einem rund 20 Seiten langen Schreiben an mehrere Medienhäuser gewandt. Darin schilderte sie den Konflikt aus Sicht der Familie und erhob Vorwürfe gegen Ärzte, Behörden und das Jugendamt. Viele Angaben lassen sich wegen Datenschutz und ärztlicher Schweigepflicht nicht unabhängig überprüfen. Das Schreiben zeigt aber, dass sie den Vater im Sorgerechtsstreit entlasten und staatliche Stellen als Gegner der Familie darstellen wollte.
SPD-Abgeordneter Kurku legte die Verbindung am Donnerstagabend über eine anwaltliche Stellungnahme offen. Darin sprach er den Opfern, Angehörigen und allen Betroffenen seine „tief empfundene Anteilnahme“ aus. Sein Anwalt erklärte zugleich, Kurku habe „selbstverständlich keine Erkenntnisse vor der Tat von der möglichen Tat“ gehabt.
Mörder von Stade soll Tatwaffe in Berlin gekauft haben
Die niedersächsische Landesregierung sieht nach NDR-Angaben keine unmittelbaren Auswirkungen auf Kurkus Ehrenamt. Ein Sprecher teilte mit, Kurku sei hoch anerkannt und übe seine Aufgabe mit großem persönlichen Engagement aus. Ministerpräsident Olaf Lies wünsche ihm und seiner Familie Kraft in dieser schweren Situation.
Auch die SPD-Landtagsfraktion stellte sich hinter ihren Abgeordneten. Fraktionschef Stefan Politze erklärte, die Fraktion stehe „klar und uneingeschränkt an der Seite von Deniz Kurku“. Spekulationen und pauschale Schuldzuweisungen gegenüber unbeteiligten Angehörigen seien unangemessen.
Brisant sind auch neue Erkenntnisse zur Waffe, die nahelegen, dass die Bluttat geplant war: Nach NDR-Informationen hatte der Türke die Waffe offenbar eine Woche vor der Tat in Berlin gekauft. Bei der Pistole soll es sich um eine Beretta Modell 70 handeln. Der Mann soll sie am Kurfürstendamm erworben und für Waffe sowie 21 Schuss Munition rund 4.000 Euro bezahlt haben.

Das Amtsgericht Stade erließ am Dienstag Haftbefehl gegen den 45jährigen. Die Staatsanwaltschaft sieht nach eigenen Angaben insbesondere die Mordmerkmale der Heimtücke und der niederen Beweggründe als erfüllt an. Wegen des Umfangs der Ermittlungen wurde inzwischen eine Mordkommission eingerichtet. (rr)





